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Renée Schmit: "Eine Oktave wie noch nie"
Lokales 3 Min. 15.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Renée Schmit: "Eine Oktave wie noch nie"

Die Veranstaltungen der Oktave 2020 fanden wegen der Corona-Pandemie in einer fast leeren Kathedrale statt.

Renée Schmit: "Eine Oktave wie noch nie"

Die Veranstaltungen der Oktave 2020 fanden wegen der Corona-Pandemie in einer fast leeren Kathedrale statt.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 3 Min. 15.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Renée Schmit: "Eine Oktave wie noch nie"

Sarah SCHÖTT
Sarah SCHÖTT
Renée Schmit ist Vorsitzende der diözesanen Oktavkommission. Auch für sie und ihr Team war eine digitale Oktave Neuland - aber mit Potenzial.

Renée Schmit ist Vorsitzende der diözesanen Oktavkommission. Zusammen mit ihrem Team hat sie in kürzester Zeit ein Alternativprogramm für die Oktave ausgearbeitet – eine Oktave wie noch nie.

Renée Schmit, wie war es, so schnell ein Alternativprogramm erstellen zu müssen?

Da die Zeit recht knapp war, musste man schnell agieren. Am Anfang war da natürlich Angst. Corona war am Horizont, es sollte aber trotzdem eine Oktave stattfinden -  Dompropst Georges Hellinghausen und Dompfarrer Tom Kerger waren davon überzeugt, dass die Oktave auch in dieser Krisenzeit gefeiert werden müsste, wenn auch unter strikten sanitären Auflagen. Und dann habe ich erleben können, dass an vielen Orten eine Öffnung möglich war und viel Kreativität einfließen konnte. Unter den neuen Bedingungen wurde die Wallfahrt aus ihren festgefahrenen Bahnen geworfen und es war bei allen Verantwortlichen Flexibilität gefragt.  

Renée Schmit, Vorsitzende der diözesanen Oktavkommission
Renée Schmit, Vorsitzende der diözesanen Oktavkommission
Foto: privat

Ganz besonders war etwa auch das Angebot der Online-Exerzitien, an dem 270 Menschen teilgenommen haben. Es waren die ersten Online-Exerzitien in Luxemburg, in Zusammenarbeit mit den Jesuiten unter Leitung von P. Christian Motsch und der GCL (Gemeinschaft christlichen Lebens, Laienorganisation der Jesuiten, Anm. d. Red.). Wir haben uns wirklich den Ball zugespielt und etwas Schönes aufgebaut. Dort wurde auch die Idee des Oktavbrotes geboren. Dabei ging es nicht nur um Brotbacken, sondern auch um eine spirituelle Erfahrung mit Maria, die man gleichsam nach Hause eingeladen hat.

Hätte man denn schneller auf die allgemeinen Lockerungen von staatlicher Seite reagieren sollen und gerade in der zweiten Woche vielleicht doch auch ein paar mehr Plätze in der Kathedrale zur Verfügung stellen können?

Wir hatten alle sehr gehofft, dass die staatlichen Lockerungen auch für den Gottesdienstbesuch kommen würden. Dem war aber leider nicht so. Wir hielten uns deshalb an die Obergrenze von 20 Teilnehmern bei den jeweiligen Feiern. Darüber sind wir schon sehr traurig und unzufrieden, um es höflich auszudrücken. Wir hoffen aber, dass es bald zu einer Öffnung kommt, damit wieder öffentliche Gottesdienste gefeiert werden können, natürlich immer mit den nötigen Schutzmaßnahmen.

Wie war die Oktave für sie persönlich?

Ich habe sie als eine wirkliche digitale Revolution erlebt, wo es auf das Wesentliche ankam. Tag und Nacht gab es Einsatz über Facebook, WhatsApp, Zoomzusammenkünfte … Das Thema war ja „Zusammen Kirche sein“ und das Digitale hat Menschen landesweit spirituell vernetzt. Das habe ich als eine wichtige Etappe auf dem Weg in eine neue Zeit gesehen. 

Was können wir daraus für die Zukunft der Kirche lernen?

Ich glaube, in der Kirche gibt es ein Defizit an Kommunikation, auf unterschiedlichen Ebenen. Die Kommunikation ist wesentlich. Nur so kann Glaubensvermittlung gelingen. Die aktuelle Situation hat uns gezeigt, dass, wenn wir auf neue Wege der Kommunikation setzen müssen, – wohlwissentlich, dass wir leider nicht alle erreichen, etwa die Älteren – Neues entstehen kann.

Unter den neuen Bedingungen wurde die Wallfahrt aus ihren festgefahrenen Bahnen geworfen.

Renée Schmit, Vorsitzende der diözesanen Oktavkommission

Dafür braucht es, so auch der Kardinal in einem Interview, eine performantere Technik mit Kameras, auch in der Kathedrale. Gerade Onlinepilger haben heute einen gewissen Anspruch. Die Leute wollen Bilder sehen, sie wollen auch das Bild der Trösterin sehen. Nicht nur bei den Gottesdiensten, sondern auch bei anderen Angeboten, wie den künstlerischen Momenten, die auf sehr fruchtbaren Boden gefallen sind.

Auch junge Künstler, die vielleicht weiter weg sind von der Kirche, waren ganz spontan sehr interessiert an der Oktave und wollten mitmachen. Ich glaube, das Digitale ist eine sehr wichtige Schiene. Da bewegt sich was.


Glaube&Leben, Live-Stream, Oktave, octave,  Foto: Anouk Antony/Luxemburger Wort
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Wie kam die digitale Oktave bei den Pilgern an?

Ich glaube, das war sehr unterschiedlich. Die einen waren frustriert, weil sie keinen Zugang zum Internet hatten, andere haben sich sehr gefreut, weil sie den Eindruck hatten, trotzdem dabei gewesen zu sein. Bemerkenswert ist, dass an manchen Tagen über 20.000 Menschen eingeloggt waren. Viele, die stellvertretend vor dem Bild der Trösterin gebetet haben, waren sehr gerührt. Eines ist mir noch wichtig zu sagen: Die Leute, die per Livestream zugeschaltet waren, haben oft dieselben Kantoren und Lektoren gesehen. Das erklärt sich aus der gebotenen Vorsicht im Rahmen der Pandemie. Die Vertreter der Dekanate und Gemeinschaften waren sehr froh, dass sie in die Kathedrale kommen durften. Viele von ihnen haben hoffnungsvolle Botschaften in VideoInterviews gegeben. (Mehr dazu unter www.octave.lu)  

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