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Renaissanceschloss Befort: Geschichte und Personen
Lokales 5 Min. 27.03.2013

Renaissanceschloss Befort: Geschichte und Personen

Anne Marie Linckels-Volmer, die letzte Beforter Schlossherrin, verstarb am 8. August 2012 im Alter von 97 Jahren.

Renaissanceschloss Befort: Geschichte und Personen

Anne Marie Linckels-Volmer, die letzte Beforter Schlossherrin, verstarb am 8. August 2012 im Alter von 97 Jahren.
Foto: Marc Wilwert
Lokales 5 Min. 27.03.2013

Renaissanceschloss Befort: Geschichte und Personen

Das Renaissanceschloss Befort, errichtet über der romantisch im Haupeschbachtal gelegenen mittelalterlichen Burgruine war seit seiner Erbauung im Jahre 1649 stets Haupt- oder Nebenresidenz der Besitzerfamilien und nie für die Öffentlichkeit zugänglich.

Nach dem Tod der letzten Bewohnerin, Madame Anne Marie Linckels-Volmer, im Jahre 2012, wurde das seit 1981 im Eigentum des Luxemburger Staates stehende Schloss auf Initiative des Kulturministeriums und mit Unterstützung des Service des sites et monuments nationaux und den Amis des Châteaux de Beaufortfür geführte Besichtigungen zugänglich gemacht.

Das Beforter Renaissanceschloss hat seit seiner Erbauung glücklicherweise nie Schaden erlitten und ist, außer einigen in den Jahrhunderten erfolgten An- und Umbauten, seit über 360 Jahren im Wesentlichen unverändert geblieben.

Phantastischer Aufstieg des Jean Baron de Beck

Das Renaissanceschloss Befort ist das Werk eines bedeutenden Luxemburgers, Jean Baron de Beck. Dem 1588 in Luxemburg-Grund geborenen Jean Beck, Sohn eines aus Saarburg in Lothringen stammenden reitenden Boten des Luxemburger Provinzialrats, war aus bescheidenen Verhältnissen über eine Militärkarriere ein phantastischer Aufstieg gelungen.

Am 18. April 1637 erhob Kaiser Ferdinand III. General Jean Beck aufgrund seiner militärischen Erfolge und seiner loyalen Haltung in den erblichen Adelsstand als Baron (Freiherr). Kurz darauf wurde er mit dem Kommando über alle im Herzogtum Luxemburg außerhalb der festen Städte stehenden Truppen beauftragt und übernahm vorübergehend die Zivil- und Militärgewalt im Herzogtum Luxemburg. Beck wurde im Januar 1642 auch Zivilgouverneur des Herzogtums Luxemburg. Er hatte dieses Amt bis zu seinem Tode 1648 inne und war auch der einzige Luxemburger innerhalb der heutigen Grenzen des Landes, der dieses Amt ausübte.

1639 erwarb Beck im Herzogtum Luxemburg zwei Herrschaften: Heisdorf und Befort. Beck war aktiver General und Gouverneur. Er ließ die Befestigungen der Stadt Luxemburg verstärken und ausbauen. Im Jahr 1644 entstanden mehrere Bastionen, darunter die später nach ihm benannte Bastion Beck (wo sich heute die Place de la Constitution und die Gëlle Fra befinden).

Baubeginn im 17. Jahrhundert

Der Baubeginn des Beforter Renaissanceschlosses ist nicht genau bekannt, dürfte aber wohl nach 1643 anzusetzen sein. Der kurze Ostflügel des Schlosses wurde ausweislich eines Gewölbe-Schluss-Steins schon 1648 fertiggestellt, also dem Sterbejahr von Jean de Beck, und das gesamte Schloss wurde gemäß der Jahreszahl über dem westlichen Haupteingang erst 1649, also im Jahr nach dem Tode des Generals de Beck, beendet; über dem Haupteingang wurde das in Stein gehauene Allianzwappen Beck-Capelle angebracht.

Erstmals detailliert ist der ungefähre Grundriss auf der Karte Ferraris von 1771/78 dokumentiert. Erkennbar sind hier die vier Flügel, der Brückengarten und der hintere Schlossgarten.

Als Architekt des ausgedehnten Schlossbaus wird im Allgemeinen der Militäringenieur Isaac von Treybach vermutet, ein enger Mitarbeiter Jean de Becks.

Beck starb vor Schloss-Fertigstellung

Doch noch vor Vollendung des Beforter Neubaus starb Beck. Er erlebte also nicht mehr die Fertigstellung des Beforter Schlossbaus, die durch seine Witwe bzw. seinen Sohn erfolgte.

Die Schlossanlage ging in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten über an folgende Schlossherren, darunter: Jean Georges Baron de Beck, Eugène-Albert Baron de Beck, Pierre Coumont, Jean-Théodore-Guillaume Baron de Tornaco de Vervoz, Charles Alexandre Joseph Comte de Liedekerke-Beaufort, Charles und Henri Even, sowie an Anne Linckels-Even.

Als neuer Eigentümer ließ Edmond Linckels 1928 die Burgruine von ihrem jahrhundertealten Schutt befreien und viele Arbeiten zur Konsolidierung ausführen, so dass sie von 1932 an als wichtiges historisches Monument besichtigt werden konnte. Er unternahm weiterhin laufend Anstrengungen zum Unterhalt von Burg und Schloss. Seit 1930 befasste er sich mit der Herstellung eines seitdem in Luxemburg weitbekannten Cassislikörs namens "Cassero", der noch heute im Schlosskeller hergestellt wird.

1934 heiratete Edmond Linckels die 1914 in Berlin geborene Anne Marie Volmer, Tochter des damaligen Senatspräsidenten am Kammergericht zu Berlin, Max Joseph Volmer und der Marcelle Schwartz, deren Großmutter Anne Catherine Even aus Befort stammte.

Ihr 1936 geborener Sohn José Linckels blieb unvermählt und verstarb 1989 im Schloss.

Granateinschläge und Evakuierungen

Während der Ardennen-Offensive 1944/45 erhielt auch das neue Schloss viele Granateinschläge, die meisten prallten an den dicken Mauern ab, und die Schäden wurden bald nach dem Krieg repariert. Während jener Kriegstage wurde die Familie Linckels-Volmer wie die meisten Einwohner Beforts evakuiert, Soldaten besetzten das Schloss, wobei das Schlossarchiv in alle Winde zerstreut wurde.

Nach der Rückkehr im März 1945 sorgte die ebenfalls evakuierte Kuhherde des Schlossgutes dafür, dass die Kinder von Befort in dieser schweren Zeit zumindest mit Milch versorgt waren. Der Landwirtschaftsbetrieb im Schloss wurde um 1964 aufgegeben und die Ländereien verpachtet. Edmond Linckels, der sich auch als Präsident des Beforter„Syndicat d'Initiative“ große Verdienste um den Ausbau des Tourismus in der Ortschaft erworben hatte, verstarb 1975.

Seine Witwe verwaltete nach wie vor die Burgruine, die Schlossländereien und die Likörproduktion und übertrug gemäß Vertrag vom 8. April 1981die Burgruine und das Schloss mit einem dazugehörenden Bering gegen eine Lebensrente und das Wohnrecht an den Luxemburger Staat, um den Erhalt der wertvollen Gebäude für die Zukunft zu sichern. Anne Marie Linckels-Volmer setzte sich auch im hohen Alter für viele Belange des Dorfes ein und war aktives Mitglied oder Vorstandsmitglied unter anderem der Amis de l‘ancien Château, der Amiperas und danach der Beforter Senioren, der Amicale und der Kulturkommission. Im Jahre 2009 wurde ihr vom Großherzog der „Officier de l‘Ordre grand-ducal de la Couronne de Chêne“ für ihre Verdienste im Tourismus verliehen.

Ruine und Schloss für künftige Generationen erhalten

Wie schon in der Vergangenheit für ihren Gatten, war es auch für Sie und Ihre Mitarbeiter ein selbstverständliches Anliegen, auch nach dem Übergang an den Staat, alle Anstrengungen im Sinne des Denkmalschutzes zu unternehmen, um Burgruine und Renaissanceschloss den zukünftigen Generationen zu erhalten. Als langjährige Präsidentin der Amis du Château de Beaufort hat sie auch die Geschicke mitgeleitet, um die prächtige Burgruine dem großen Publikum jährlich zu öffnen.

Anne Marie Linckels-Volmer verstarb im Alter von 97 Jahren am 8. August 2012. Sie war nach dem Tod ihres Mannes über 37 Jahre lang die letzte Beforter Schlossherrin.

Frau Linckels-Volmer hat dem Luxemburger Staat und somit der Öffentlichkeit „Ihr“ Renaissanceschloss in einem einwandfreien Zustand hinterlassen. Es ist auch Ihr Nachlass, der dem Publikum zugänglich gemacht wurde. Alle Innenräume sind so verblieben wie zu Lebzeiten von Frau Linckels.