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Religionsgemeinschaften wollen an Konventionierung festhalten
Lokales 29.11.2012 Aus unserem online-Archiv

Religionsgemeinschaften wollen an Konventionierung festhalten

Generalvikar Erny Gillen (Mitte) stellte die Position der katholischen Kirche zum Verhältnis von Staat und Religionsgemeinschaften vor.

Religionsgemeinschaften wollen an Konventionierung festhalten

Generalvikar Erny Gillen (Mitte) stellte die Position der katholischen Kirche zum Verhältnis von Staat und Religionsgemeinschaften vor.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 29.11.2012 Aus unserem online-Archiv

Religionsgemeinschaften wollen an Konventionierung festhalten

Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht, und doch steht davon kein Wort in der luxemburgischen Verfassung. Die konventionierten Religionsgemeinschaften im Großherzogtum möchten dies ändern. Beim Religionsunterricht an den Schulen regen sie Gleichbehandlung an.

(vb) – Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht, und doch steht davon kein Wort in der luxemburgischen Verfassung. Die konventionierten Religionsgemeinschaften im Großherzogtum möchten dies ändern. Beim Religionsunterricht an den Schulen regen sie Gleichbehandlung an.

Eine Expertengruppe der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften in Luxemburg hat ein Papier zum Verhältnis von Staat und Kirche ausgearbeitet. Es enthält mehrere Vorschläge zur gesetzlichen Verankerung der Religionen, zu staatlichen Beihilfen und zur Rolle, die der Religionsunterricht an Schulen spielen soll.

Schutz für Religionen

Am Donnerstag stellte Generalvikar Erny Gillen die Position der katholischen Kirche vor. "Die Religionsfeindlichkeit in den westlichen Gesellschaften nimmt zu. Deshalb muss der Staat diejenigen schützen, die ihre Religion vertreten, und verhindern, dass Religion aus dem öffentlichen Raum hinausgedrängt wird", meinte Gillen.

Nach Ansicht der konventionierten Kultgemeinschaften sollte in der Luxemburger Verfassung das Recht auf Religionsfreiheit verankert werden, so wie es in fast allen europäischen Ländern der Fall ist. Außerdem sollten dort die Konventionen Erwähnung finden, mit denen der Staat die Religionsgemeinschaften unterstützt. Derzeit sind dies die katholische Kirche, die jüdische Glaubensgemeinschaft, die evangelische und die protestantisch-reformierte Kirche, die orthodoxe und die anglikanische Kirche. Die Konventionen sollen laut dem Vorschlag der konventionierten Kulte mit folgender Formulierung ihren Niederschlag finden: "Les relations de l’Etat avec les différentes communautés religieuses font l’objet de conventions suivant les principes directeurs fixés par la loi et dans le cadre des obligations nationales et internationales existantes."

An Konventionen festhalten

Weiterhin schlagen die genannten Religionsgemeinschaften vor, den Religionsunterricht wie bisher in den Schulen abzuhalten. Neu ist der Vorschlag, nicht nur Unterricht in katholischer Religion, sondern auch für andere Glaubensgemeinschaften in den Klassenräumen anzubieten. Schüler, die sich gegen Religionsunterricht entscheiden, nehmen weiterhin am Ethikunterricht ("Education morale et sociale") teil.

Die katholische Kirche möchte - so wie die anderen konventionierten Kulte - am Prinzip der Konventionen festhalten. "Die Experten haben auch ausländische Modelle, wie in Deutschland, Italien oder Spanien, betrachtet. Sie scheinen aber nicht gut an die Verhältnisse in Luxemburg angepasst", sagte Generalvikar Erny Gillen.