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Reform des Rettungswesens: Vier professionelle Einsatzzentren
Lokales 4 Min. 23.07.2012

Reform des Rettungswesens: Vier professionelle Einsatzzentren

In jeder der vier neuen Regionen wird es ein Einsatzzentrum mit professionellen Feuerwehr- und Rettungskräften geben, so der "Projet de plan national d'organisation des services de secours“.

Reform des Rettungswesens: Vier professionelle Einsatzzentren

In jeder der vier neuen Regionen wird es ein Einsatzzentrum mit professionellen Feuerwehr- und Rettungskräften geben, so der "Projet de plan national d'organisation des services de secours“.
Karte: V. Feltgen, A. Decoville, pôle GEODE, CEPS/INSTEAD 2012
Lokales 4 Min. 23.07.2012

Reform des Rettungswesens: Vier professionelle Einsatzzentren

Lange wurde nur spekuliert, viel wurde diskutiert, jetzt liegt der druckfrische Reformplan der Luxemburger Rettungsdienste und Feuerwehren dem „Luxemburger Wort“ exklusiv vor. Auf 82 Seiten erläutern die Reformer, wie ihrer Vorstellung nach das Rettungswesen im Großherzogtum aussehen soll. Und auf Retter und Feuerwehrleute wird so einiges an Veränderungen zu kommen.

(str/mig) - Immer wieder sickerten in den vergangenen Monaten Einzelheiten aus Gremien und Beratungssitzungen zu der Reform der Rettungsdienste an die Öffentlichkeit. Ein Gesamtbild von dem, was der „Projet de plan national d'organisation des services de secours“ werden sollte, ergab sich allerdings nicht. Dem Luxemburg Wort liegt Innenminister Halsdorfs druckfrischer Reformplan nun exklusiv vor und der hat es in sich.

Ein komplette Umstrukturierung steht den lokalen Feuerwehrkorps und den regionalen Einsatzzentren bevor. Keine Revolution, aber eine tiefgehende Veränderung der Ideen, heißt es zu Beginn des Texts.

Schlüsselelement soll hierbei die territoriale Reorganisation sein, nicht als Endzweck, sondern als Mehrwert. Ziel ist es die Effizienz und Schnelligkeit der Rettungsdienst zu erhöhen. Nach Maximal zehn Minuten sollen erste Einsatzkräfte an einem Brandort sein, fünf Minuten später die Verstärkung. Innerhalb der „golden hour of shock“ sollen Opfer nach einem schweren Verkehrunfall in der Notaufnahme ankommen. Das sind maximal 15 Minuten bis zur Erstversorgung, 30 für die Bergung und Stabilisierung und weitere 15 für die Fahrt zum Krankenhaus.

"First Responder" an vorderster Front

Die Rettungsdienste werden laut Reformplan in vier Kategorien eingeordnet. Sogenannte „First Responder“ stehen ganz am Anfang der Einsatzkette. Diese ersten Notfallretter sollen Patienten noch vor Entreffen der Ambulanz oder des Notarzts betreuen. Dieses Konzept soll bereits kurzfristig in einzelnen Regionen als Testprojekt umgesetzt werden. Sie sind Teil der neugeschaffenen „Centres de Première Intervention“ (CPI), die wiederum in zwei Kompetenzstufen unterteilt sind.

Die Aufgaben der „Centres de Première Intervention – Local“ (CPI-L), die aus kleineren Feuerwehrkorps hervorgehen sollen, beschränken sich auf örtliche Brandbekämpfung, technische Aufgaben und Erste Hilfe. Die „Centres de Première Intervention - Groupementaux“ (CPI-G) werden außerdem zur Unterstützung anderer lokaler Korps eingesetzt. Zudem sollen sie auch bei Verkehrsunfällen als Vorhut ausrücken.

Überall dort wo bereits heute Einsatzzentren der Protection Civile bestehen, sollen diese mit der örtlichen Feuerwehr zusammengelegt werden. Die neuen Einheiten der „Centre d'Incendie et Secours de Renfort“ (CIS-R) unterstützen umliegende CPI, betreiben zudem einen Ambulanzdienst und befreien Unfallopfer mit Schneidgerät aus Unfallfahrzeugen. 

Neues Einsatzzentrum in Mutfort

Da eine landesweite Abdeckung mit den bestehenden Einsatzzentren nicht möglich ist, wird beispielsweise ein neuer CIS-R in Mutfort für den Raum Contern, Lenningen und Wormeldingen geschaffen. Auch andere, größere Corps sollen aufgewertet werden. In den CIS-R sollen freiwillige Helfer von einzelnen professionellen Angestellten unterstützt werden.

In Ettelbrück, Mertert, der Stadt Luxemburg und Esch/Alzette soll es genau umgekehrt sein. In vier „Centres d'Incendie et de Secours d'Appui“ (CIS-A) arbeiten professionelle Einsatzkräfte und werden dabei von Freiwilligen unterstützt. Die Hauptaufgabe der CIS-A ist es den untergeordneten CIS-R im Einsatz zur Hand zu gehen.

Entlohnung für Freiwillige nach französichem Vorbild

Für reichlich Gesprächstoff hatte in den vergangenen Monaten auch die Entlohnung des Freiwilligendienstes gesorgt. Ohne konkrete Zahlen zu nennen, wollen die Reformer vom 1 Euro bzw. 4 Euro-Modell absehen und sich am französischen Vorbild orientieren. Dort werden maximal zwischen 7,45 und 11,20 Euro pro Stunde je nach Dienstgrad und Einsatz bezahlt.

Auch die Grundstruktur des Rettungswesens wird neu geregelt: Heute untersteht der Zivilschutz dem Staat, die Feuerwehren den Gemeinden. Beide werden nun organisatorisch und verwaltungstechnisch unter einem Dach vereint. Das administrative und organisatorische Rückgrat der Rettungsdienste bildet das établissement public administratif, eine hierarchisch strukturierte öffentliche Verwaltungsstelle.

Verwaltung unter einem Dach

An der Spitze steht ein paritätisch besetzter Verwaltungsrat mit politischen Vertretern des Staates und der Gemeinden. Der Verwaltungsrat ist der Arbeitgeber sämtlicher Mitarbeiter (professionelle und freiwillige). Die staatlichen Vertreter werden für ein Mandat von fünf Jahren gewählt, die kommunalen für sechs Jahre.

Um sicherzustellen, dass alle Gemeinden repräsentiert sind, sitzen im Verwaltungsrat jeweils drei Vertreter (CIS-A, CIS-R und CPI) aus dem Norden, dem Süden, dem Zentrum und dem Osten. Bei diesen Vertretern muss es sich um gewählte Kommunalpolitiker handeln. Präsident des Verwaltungsrates ist der für die Rettungsdienste zuständige Minister oder sein Vertreter. Ein Kommunalvertreter wird zum Co-Präsidenten ernannt. In Abwesenheit des Ministers leitet er die Sitzungen.

+++ Update Montag 23.07.12 +++

Das Innenministerium hat eineZusammenfassung mitsamt den dazugehörigen Anhängen veröffentlicht. Zudem steht auch auch der integrale Reformplan zum Download als PDFbereit.