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Referenden am Sonntag: Was auf dem Spiel steht
Die Bürger aus Simmern haben ihren Entschluss bereits gefasst. Nun entscheiden die Bürger aus Hobscheid über eine gemeinsame Zukunft. (Foto und Text: Luc Ewen)

Referenden am Sonntag: Was auf dem Spiel steht

Foto: Luc Ewen
Die Bürger aus Simmern haben ihren Entschluss bereits gefasst. Nun entscheiden die Bürger aus Hobscheid über eine gemeinsame Zukunft. (Foto und Text: Luc Ewen)
Lokales 3 Min. 07.11.2014

Referenden am Sonntag: Was auf dem Spiel steht

Im Eischtal und in der Region Meysemburg werden die Bürger am Sonntag zu den Urnen gebeten. Im ersten Fall geht es um die Fusion von Hobscheid und Simmern zur "Gemeng Habscht". Im zweiten Fall wollen sich Nommern, Fels und Fischbach zur "Gemeng Meesebuerg" zusammenschließen.Vor allem für Simmern geht es um das Eingemachte.

(L.E.) - Bei den beiden Referenden an diesem Sonntag geht es jeweils um den Zusammenschluss von kleinen Gemeinden zu einer mittelgroßen. Während Nommer, Fels und Fischbach zur Gemeinde Meysemburg zusammenfinden sollen, geht es im Eischtal um die Fusion von Hobscheid und Simmern zur "Gemeng Habscht."

Pikant hier ist, dass die Bürger von Simmern diesmal nicht gefragt werden. Sie haben bereits mit "Ja" gestimmt und das Schicksal der kleinen Gemeinde liegt nun in den Händen der Bürger einer Nachbargemeinde, wieder einmal. Hatten von einigen Jahren doch bereits die Bürger aus Koerich bei einem Referendum einen Zusammenschluss mit Simmern verhindert.

Fusion im Eischtal: Vor allem Simmern hat viel zu verlieren.

Die Frage, was im Falle eines Neins der Bürger von Hobscheid auf dem Spiel steht, betrifft in erster Linie weniger sie selbst, als mehr die Bürger der Nachbargemeinde Simmern.

Sollte die Mehrheit der Bürger der Gemeinde Hobscheid am Sonntag mit „Ja“ auf die Aussage: „Ich bin einverstanden mit der Fusion der Gemeinden Hobscheid und Simmern mit Wirkung ab dem 1. Januar 2018“ antworten, so ebnet sie damit den Weg für die Schaffung der neuen „Gemeng Habscht“, die die Gemeinden Hobscheid und Simmern ablösen soll.

Das Konzept der Fusion fußt auf drei Säulen. Dabei handelt es sich um Investitionen in den Ortsteilen Simmern, Hobscheid und Eischen, die mit Hilfe der Dotationen, die der Staat im Falle einer Fusion zur Verfügung stellt, finanziert werden.

Die erste dieser Säulen betrifft das Unterrichtswesen. Derzeit ist Simmern in einer Partnerschaft mit der Gemeinde Tüntingen, was die Schulorganisation betrifft. Durch die Schaffung einer zentralen Schule verspricht man sich kürzere Schulwege. Gleiches gilt für die „Maison relais“, die in Simmern entstehen soll. Die Gemeindeväter erwarten in diesem Zusammenhang Synergieeffekte. So soll die bestehende Küche in Hobscheid künftig auch die Kantine in Simmern beliefern.

Bei der zweiten Säule geht es um betreutes Wohnen. Ein entsprechendes Gebäude mit ungefähr 40 Einheiten soll in Eischen entstehen.Drittens geht es um den Durchgangsverkehr in Hobscheid. Gemeinsam mit der Straßenbauverwaltung sollen verkehrsberuhigende Maßnahmen umgesetzt werden, die auch mit Hilfe der „Dotationen“ zur Fusion finanziert werden.

Die Bürger der Gemeinde Hobscheid sind demnach vor allem von den beiden letzten Säulen betroffen. Der Bürgermeister von Hobscheid Serge Hoffmann hatte aber bereits im Vorfeld durchblicken lassen, seine Gemeinde könne diese Investitionen notfalls auch alleine schultern.

Prekärer sieht es da schon in Simmern aus. Das Projekt Schule ist für die Gemeinde lebensnotwendig. Die jetzige Schulunion mit der Gemeinde Tüntingen läuft aus. Nachdem bereits zu fast allen Seiten nach Fusionspartnern Ausschau gehalten worden war - die Bürger von Koerich hatten den Simmer Bürgern bekanntlich bei einem Referendum einen Korb gegeben - ist Hobscheid sozusagen die letzte Hoffnung einer Gemeinde die, ihrem Bürgermeister Marco Boly zufolge, nicht über die kritische Masse an Einwohnern verfügt, um im Alleingang die Dienste zu finanzieren, die eine Gemeinde laut nationalen und europäischen Auflagen anbieten muss.

Meysemburg: Die Schaffung der fünftgrößten Gemeinde

Die fünftgrößte Gemeinde wäre Meysemburg freilich nur was die Fläsche angeht. Sollten die 4.500 Einwohner mit "Nein" stimmen, stünden auch hier einige Projekte auf der Kippe.

Dazu gehören das Schaffen einer regionalen Gewerbezone, die Verbindung des Trinkwassernetzes und Investitionen in dezentrale Schul- und Betreuungsinfrastrukturen.

Im Falle einer Fusion stehen allen Gemeinden sogenannte Dotationen zu. Es handelt sich um finanzielle Beihilfen des Staates, mit denen die genannten Projekte finanziert werden sollen. Ein Nein zur Fusion, heißt demnach auch ein Nein zu den Dotationen. Ob wirklich alle Projekte von kleinen Gemeinden im Alleingang geschultert werden können, ist dabei nicht nur im Falle Simmern fraglich. Ob eine Fusion aber wirklich nur Vorteile für die Bürger bringt, auch.

Letztendlich werden die Bürger am Sonntag entscheiden.


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