Reenactment am M3E: Geschichte zum Anfassen
Reenactment am M3E: Geschichte zum Anfassen
(c.k.) - Unter dem Titel „Fort Thüngen Rendezvous 2012 Histoire Vivante au M3E“ haben am vergangenen Wochenende an die hundert sogenannte „Reenactors“ aus Spanien, England, Luxemburg, den Niederlanden, Belgien und Frankreich in historischen Monturen und mit viel Schwarzpulver das militärische Leben des 17. und 18. Jahrhunderts szenisch nachgestellt.
Kanonen donnerten, Gewehre krachten, Fanfaren und Trommeln ertönten, als die Landsknechte und Reiter in der wilden Schlacht aufeinander prallten. Mit Spießen bewaffnete Kriegshaufen, fast wie riesige Igel aussehend, demonstrieren die Waffentechnik vergangener Zeiten.
Hohe Besucherzahlen an beiden Tagen
Als „Reenactment“ (Nachstellung) bezeichnet man die Neuinszenierung tatsächlicher historischer Ereignisse und gesellschaftlich relevanter Vorkommnisse in möglichst authentischer Weise. Vor den Augen des Publikums, das an beiden Tagen recht zahlreich erschienen war und großes Interesse an dem Geschehen bekundete, wurden auf den Außenmauern des ehemaligen Fort Thüngen auf dem Kirchbergplateau verschiedene Tätigkeiten des Militär- und Kriegslebens im 17. und 18. Jahrhundert vorgeführt. Fort Thüngen, benannt nach Baron von Thüngen, dem österreichischen Kommandanten der Festung, wurde im Jahre 1732 nach Plänen des Baumeisters Vaubans aus dem Jahr 1688 erbaut und symbolisiert als wichtiger Bestandteil der Befestigungsanlagen der Stadt Luxemburg besser als jedes andere Gebäude drei Jahrhunderte luxemburgische Militärgeschichte.
Etwas abseits des Schlachtengetümmels und des Exerzierens der Militärs erinnerte unter den alten Bäumen eine ganze Reihe von Soldatenzelten an die damaligen Lager der Landsknechte. In zahlreichen Lagerfeuern loderten die Flammen, köstliche Gerüche verbreiteten sich aus dampfenden Kesseln, eifrige „Tross-Weiber“ bereiteten das Essen für die Landsknechte. Diese detailgetreue Stimmung wusste die Besucher zu bezaubern und in ihren Bann zu ziehen.
Hoher Anspruch auf Authentizität
Der Anspruch auf Authentizität war, wie bei Reenactments üblich, selbstverständlich auch hier besonders hoch. Das englische Konzept der „Living History“ (lebendige Geschichte), das aus den 1960er-Jahren stammt, wird als lehrreiches Element in der Museumspädagogik eingesetzt und soll mit ansprechenden und wirklichkeitsgetreuen Inszenierungen dem Publikum wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über die Vergangenheit vermitteln. Dahinter steht die Überzeugung, dass sich erlebbare Geschichte besser einprägt als das bloße Zeigen von Bildmaterial und Objekten. Allerdings könne auf Letzteres nicht verzichtet werden, da es eine wichtige Informationsquelle des gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Zeitgeschehens ist und zum besseren Verständnis der spektakulären Shows beiträgt.
Im angelsächsischen Raum und in Skandinavien gehören solche Vorführungen längst zum Museumsalltag. In Luxemburg wurde am „Musée Dräi Eechelen“ ein vielversprechender Anfang gemacht – mit Erfolg.
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