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Reben sind der Hitze schutzlos ausgeliefert
Lokales 3 4 Min. 31.07.2019

Reben sind der Hitze schutzlos ausgeliefert

Mangels Regen trocknen die Böden in den Weinbergen zusehends weiter aus.

Reben sind der Hitze schutzlos ausgeliefert

Mangels Regen trocknen die Böden in den Weinbergen zusehends weiter aus.
Lex Kleren
Lokales 3 4 Min. 31.07.2019

Reben sind der Hitze schutzlos ausgeliefert

Anne-Aymone SCHMITZ
Anne-Aymone SCHMITZ
Die hochsommerlichen Temperaturen und die Dürre der vergangenen Wochen machen nicht nur Menschen und Tieren zu schaffen – auch die Trauben an der Mosel leiden.

Am Mittwoch stattete der Agrar- und Weinbauminister Romain Schneider den Privatwinzern an der Mosel einen Besuch ab, um mit ihnen bei einer Weinbergsbegehung über die Herausforderungen in diesem Wirtschaftszweig zu reden. 

„Eigentlich hätte das Treffen im April nach der Generalversammlung der Privatwinzer stattfinden sollen. Nach dem Tod von Großherzog Jean hatte es dann aber auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden müssen. Damals konnten wir nicht wissen, was bis dahin mit Blick auf die Witterung in den Weinbergen alles passieren würde“, sagte Erny Schumacher, der Präsident der Vereinigung der Privatwinzer. Damit spielte er auf die Wetterkapriolen an, die seit Mai diesen Jahres in den Weinbergen Schäden anrichten und den betroffenen Winzern zusätzliche Arbeit bereiten, weil die kaputten Trauben entfernt werden müssen. 

Im zweiten Anlauf klappt es

Als Treffpunkt für die Weinbergsbegehung hatten die Winzer den Moselort Ehnen ausgewählt. Und dies aus gutem Grund. Denn in Ehnen waren im Mai schon viele Reben vom Frost beschädigt worden, ehe ihnen auch noch Pilzkrankheiten wie Peronospora, Oidium und Esca, die fehlenden Regenmengen sowie die Hitze mit Temperaturen von 40 Grad Celsius zusetzten. 

In Ehnen waren im Mai schon viele Reben vom Frost beschädigt worden." 

 „Es gibt Winzer, deren Reben zu 70 oder gar 80 Prozent zerstört wurden“ erzählt Erny Schumacher. Außergewöhnlich sei bei den Frostschäden gewesen, dass es diesmal auch Weinbergslagen getroffen hat, die sonst nichts zu befürchten haben. Weinreben verkraften problemlos Temperaturen bis -4 Grad. Weil es diesmal aber einen halben Grad kälter wurde und in den Weinbergen viel Feuchtigkeit in der Luft gewesen sei, habe sich der Frost auf den Reben niedergelassen. Im Schnitt seien etwa 40 Prozent der Reben des Weinbaugebiets, die jungen Austriebe, an denen sich nachher die Trauben bilden, dadurch erfroren. Die betroffenen Pflanzen sprießen danach zwar noch einmal, aber diese zweiten Trauben haben kleinere Beeren. 

Im Herbst bei der Weinlese werden deswegen nicht nur kleinere Traubenmengen geerntet, sondern auch die Qualität von diesen Beeren ist nicht mehr so gut wie die der ersten. 

Hitze erwünscht, aber nicht zu viel

Doch damit nicht genug. In den vergangenen Wochen hat auch das hochsommerliche Wetter mit der brühenden Hitze den Reben geschadet. Erny Schumacher stellt fest: „Reben mögen zwar die sommerlichen Temperaturen. Die rezente Hitze war ihnen dann doch zu viel.“ Damit die Luft die Feuchtigkeit von den Blättern und den Früchten der Weinreben trocknen kann, entblättern die Winzer teilweise die Reben. Künftig müssten die Winzer sich überlegen, ob sie dies noch in diesem Ausmaße tun. Denn während der Hitzewelle habe sich die Entblätterung als Nachteil erwiesen. Die nicht mit Blättern bedeckten Trauben erlitten einen Sonnenbrand. Als sichtbares Anzeichen dafür haben sich deren Beeren schwarz verfärbt und sie sind ausgetrocknet. In der ganzen Region seien Trauben verbrannt und könnten nicht mehr gelesen werden, so Schumacher. 

Die nicht mit Blättern bedeckten Trauben erlitten einen Sonnenbrand"

Ein weiteres Thema sind die Pilzkrankheiten. Peronospora und Oidium heißen die häufigsten. Seit einigen Jahren breitet sich aber auch der Esca-Pilz zusehends in den Weinbergen aus. Er wurde zum allerersten Mal im Elsass an Traubenblättern festgestellt. Seit einigen Jahren gibt es ihn auch vermehrt an der luxemburgischen Mosel. Dies bereite den Winzern Sorgen, weil zwar nach Schutzmitteln geforscht wird, es derzeit aber noch kein wirklich wirksames Mittel gegen den Pilz gibt, sagt Erny Schumacher. Demnach müssen sich die Winzer auf eine Weinlese mit wenig Trauben einstellen.


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