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Verkehrssünder anders bestrafen
Lokales 3 Min. 22.01.2016 Aus unserem online-Archiv
Reaktionen zum Urteil im Fall Grisius

Verkehrssünder anders bestrafen

Der Tod von Yasmine Grisius sorgte über die Landesgrenzen hinaus für Empörung und Betroffenheit.
Reaktionen zum Urteil im Fall Grisius

Verkehrssünder anders bestrafen

Der Tod von Yasmine Grisius sorgte über die Landesgrenzen hinaus für Empörung und Betroffenheit.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 3 Min. 22.01.2016 Aus unserem online-Archiv
Reaktionen zum Urteil im Fall Grisius

Verkehrssünder anders bestrafen

Michel THIEL
Michel THIEL
Das Urteil gegen den Fahrer, der für den Tod der Polizistin Yasmine Grisius verantwortlich ist, sorgt derzeit für heftige Diskussionen. Die Frage steht im Raum, ob Wiederholungstäter bei schweren Verkehrsdelikten härter bestraft werden sollten.

(mth) - Vier Jahre Gefängnis, die Hälfte davon zur Bewährung, sowie ein Fahrverbot von 90 Monaten und eine Geldstrafe von 2000 Euro. So lautete das Urteil in erster Instanz gegen den 36-jährigen Pascal T., der im vergangenen Juni die Polizistin und zweifache Mutter Yasmine Grisius während einer Verkehrskontrolle angefahren und tödlich verletzt hatte. T. stand unter Alkoholeinfluss und hatte zudem Marihuana konsumiert.

Nachdem das Urteil am Mittwoch bekannt wurde, machte sich umgehend ein Sturm der Entrüstung in den sozialen Netzen breit - die Strafe sei nicht hart genug, so die überwiegende Meinung.

Strafgesetz weitgehend ausgeschöpft

Objektiv gesehen schöpften die Richter den vom Strafgesetzbuch vorgegebenen Rahmen weitestgehend aus, indem sie sich an die Maximalstrafe von fünf Jahren wegen fahrlässiger Tötung annäherten.

Zu bedenken ist auch, dass der Verurteilte Unfallfahrer neben dem strafrechtlichen Aspekt auf zivilrechtlicher Ebene den Hinterbliebenen der Polizistin immerhin eine Entschädigungssumme von insgesamt 300.000 Euro zahlen muss - eine Strafe, die für den arbeitslosen Täter sicherlich eine schwere Bürde darstellen wird.

Bedenklich ist allerdings auch die Tatsache, dass Pascal T. bereits zuvor zwei Mal wegen Alkohols am Steuer aufgefallen war. 2010 hatte er einen schweren Unfall erlitten, woraufhin ein Blutalkoholwert von 2,7 Promille festgestellt wurde. Knapp ein Jahr vor dem tödlichen Unfall der Polizistin wurde er ein weiteres mal stark angetrunken mit 2,14 Promille im Auto erwischt. Erlaubt sind bekanntlich in Luxemburg 0,5 Promille.

Auch, wenn man die oft überzogen emotionalen Schnellschüsse aus den sozialen Netzwerken ausklammert, wo zum Teil drakonische Strafen wie lebenslange Haft und Fahrverbot gefordert werden, so sollte es dennoch erlaubt sein zu fragen, ob das Strafgesetz bei Wiederholungstätern, die ihr eigenes Leben und das anderer durch ihr verantwortungsloses Verhalten aufs Spiel setzen, noch angemessen ist.

Erst erziehen, dann hart bestrafen

Der Vorsitzende der "Association des victimes de la route", Raymond Schintgen, findet das Urteil eher enttäuschend: "Wir sind tatsächlich nicht ganz glücklich, was das Urteil anbelangt, vor allem deswegen, weil es sich um einen Wiederholungstäter handelt. Auch wenn die Haftstrafe mit vier von fünf Jahren fast der möglichen Höchststrafe entspricht, finden wir es bedenklich, dass die Hälfte davon zur Bewährung ausgelegt wurde. Eben gerade deshalb, weil der Täter sich nicht zum ersten mal alkoholisiert ans Steuer gesetzt hat und daher hätte wissen müssen, was er riskiert". Schintgen würde sich die Einführung einer pädagogischen Strafe bei Ersttätern sowie eine Verschärfung der Strafen bei Wiederholungstätern wünschen.

Der Vorsitzende der "Sécurité Routière" Paul Hammelmann will das aktuelle Urteil nicht direkt kommentieren, da es sich bei jedem Unfall um einen Einzelfall handele, dessen besondere Umstände vom Gericht eingeschätzt werden müssten. Allgemein würde er sich jedoch die Einführung eines neuen Tatbestands im Strafgesetzbuch wünschen, der eine grobe Fahrlässigkeit mit Gefährdung Dritter unter Strafe stellen würde, auch ohne dass es zu einem Unfall kommt.

Die Einführung eines solchen Deliktes, der bereits in Frankreich unter der Bezeichnung "mise en danger de la vie d'autrui" existiert, wäre nach Ansicht Hammelmanns wirkungsvoller: "Es geht dabei ja nicht um die Konsequenzen eines Unfalls, sondern um das Verhalten des Fahrers. Wenn es einen solchen Straftatbestand in Luxemburg gegeben hätte, wäre der Fahrer im aktuellen Fall schon zuvor viel konsequenter bestraft worden und es wäre nie zu dem tragischen Unfall gekommen".

Sowohl Hammelmann als auch Schintgen könnten sich außerdem weitere Maßnahmen wie die Einführung einer obligatorischen elektronischen Wegfahrsperre mit Alkoholpegelmessung vorstellen. Dies natürlich nur für Fahrer, die bereits einmal mit Alkohol am Steuer erwischt wurden.


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