Reaktion auf Vogels Brief

Luxemburg, eine "erbärmliche elitäre Stadt"

Die Grand-Rue gehört zu den Haupteinkaufsstraßen in Luxemburg-Stadt.
Die Grand-Rue gehört zu den Haupteinkaufsstraßen in Luxemburg-Stadt.
Foto: Marc Wilwert

(ks) - Die Jugendorganisation von Déi Lénk, Jonk Lénk, das Künstlerkollektiv Richtung 22 und die Studierendenorganisation Unel haben den offenen Brief von Anwalt Gaston Vogel als Basis genommen, um ihrerseits ein Schreiben an Lydie Polfer, Bürgermeisterin der Stadt Luxemburg, zu senden.

Doch statt der Bettler nehmen diese Organisationen vielmehr die "Elite" ins Visier, die sich zum Shopping in die Stadt chauffieren lasse: "Leurs boutiques préférées prennent possession des points stratégiques de la Grand-rue. Louis Vuitton, Longchamp et compagnie emmerdent le commun des mortels."

Sprachlich orientieren sich die Autoren im gesamten Schreiben an dem offenen Brief von Gaston Vogel. So hatte dieser beispielsweise in Bezug auf Bettler in Luxemburg-Stadt geschrieben: "Ces inqualifiables prennent possession des points stratégiques de la Grand-rue. Ils emmerdent les passants, profitant de tout instant d'inattention pour les racketter."

Mehr Unterstützung für Arme gefordert

Auch einen Seitenhieb auf Vogel haben die Autoren untergebracht: "Les avocats microcéphales qui rôdent dans nos rues représentent un danger pour tous."

An die Bürgermeisterin geht die Frage, weshalb sie es zulasse, dass Geschäftsmänner "Recht und Ordnung" forderten, um "die Armut aus dem Sichtfeld ihrer reichen Kundschaft" zu entfernen.

In dem Brief fordern Jonk Lénk, Richtung 22 und Unel mehr Hilfe für sozial Schwache. Die Einkaufsstraße Grand-Rue sei kein "Schaufenster des Nation Brandings", sondern müsse ein Spiegelbild der Gesellschaft sein. Sie fragen, welche Eindrücke Touristen von dieser "erbärmliche elitären Stadt" mitnähmen: "Il ne faut pas s’étonner qu’ils n’aient plus aucune envie de revenir." Ein Satz, mit dem auch schon Gaston Vogel seinen Brief beendete.

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