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Ranghohes Mafia-Mitglied in Zolver festgenommen
Lokales 1 2 Min. 12.08.2019

Ranghohes Mafia-Mitglied in Zolver festgenommen

Ranghohes Mafia-Mitglied in Zolver festgenommen

Lokales 1 2 Min. 12.08.2019

Ranghohes Mafia-Mitglied in Zolver festgenommen

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Ein blutiger Konflikt zwischen kalabrischen Verbrecherorganisationen führt zu internationaler Verhaftungswelle - auch in Luxemburg.

Kurz vor Mittag schlugen Spezialeinheiten der Polizei am vergangenen Freitag in Zolver zu. Sie bremsten einen Wagen aus und überwältigten auf offener Straße einen jungen Mann. Er gilt als ranghohes Mitglied der kalabrischen Mafia.

Santo Rumbo – die kalabrische Justiz nennt seinen Namen und jene von 27 anderen Festgenommenen offen in einer Pressemitteilung – wird vorgeworfen, Teil der Führungsriege der „kanadischen 'Ndrangheta Connection“ zu sein. Gegen die Mitglieder dieser Gruppe wird im Großraum Toronto wegen Kokainhandels, Geldwäsche und illegaler Sportwetten ermittelt. Die Unternehmungen in Kanada werden den Behörden zufolge ausschließlich aus dem italienischen Siderno in Kalabrien gesteuert.

Santo Rumbo lebte seit kurzem in Luxemburg und wurde am Freitagmittag während einer Autofahrt von Spezialeinheiten der Polizei in Zolver festgenommen.
Santo Rumbo lebte seit kurzem in Luxemburg und wurde am Freitagmittag während einer Autofahrt von Spezialeinheiten der Polizei in Zolver festgenommen.

Der 30-Jährige, der nun in Zolver festgenommen wurde, soll 2014 innerhalb der 'Ndrangheta in Siderno die Geschäfte seines Vaters übernommen haben, als Letzterer zu einer Haftstrafe von 16 Jahren verurteilt wurde.

Zur Verbindung nach Luxemburg gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. LW-Informationen zufolge hielt sich Santo Rumbo seit Kurzem regulär im Großherzogtum auf. Hinweise darauf, dass er sich hierzulande einer Strafverfolgung entziehen wollte, gibt es demnach nicht.

Machtkampf eskaliert

Allerdings könnte sein Aufenthalt in Luxemburg in direktem Zusammenhang mit einem blutigen Machtkampf zwischen 'Ndrangheta-Clans in seiner Heimatstadt Siderno stehen – ein Konflikt, in dem er durchaus als gefährdet gilt.

Was die kalabrische Anti-Mafia-Behörde in ihrer Pressemitteilung schreibt, klingt wie aus dem Drehbuch eines klassischen Gangsterfilms. Doch es ist blutige Realität. Am 18. Januar 2018 war der stellvertretende Anführer des 'Ndrangheta-Clans Commisso, Carmelo Muia, getötet worden. Commisso gilt in Siderno als die „Mutter aller Clans“.

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Dieser Mord, der offenbar das Werk der aufstrebenden Salerno-Familie war, blieb nicht ungesühnt. So wurden in den folgenden Monaten die beiden Brüder des Salerno-Anführers getötet.

Ausgeführt wurden diese Vergeltungsschläge den Erkenntnissen der Anti-Mafia-Behörde zufolge von Mitgliedern der Muia- und Figliomeni-Familien, die beide dem Commisso-Clan unterstehen. Weitere Angriffe mit Kriegswaffen wurden befürchtet.


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Den Muia- und Figliomeni-Clans wiederum wird die Familie des nun in Zolver festgenommenen Santo Rumbo zugerechnet. Wie die Pressestelle der Justiz auf LW-Nachfrage bestätigte, erfolgte der Zugriff aufgrund eines internationalen Haftbefehls und wurde durch die Zielfahndungseinheit Enfast der luxemburgischen Kriminalpolizei koordiniert.

Auslieferungsverfahren läuft

Der Festgenommene wurde bereits am Freitagnachmittag einem Ermittlungsrichter vorgeführt, der Untersuchungshaft anordnete. Die Prozeduren zur Auslieferung nach Italien wurden eingeleitet.

Die 28 Festnahmen sind eine direkte Folge aus den Mordermittlungen. So konnte die Polizei durch gezielte Überwachung und Abhörmaßnahmen sowie laut Medienberichten auch durch den Einsatz eines verdeckten Ermittlers nicht nur die Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien nachvollziehen, sondern auch deren Strukturen offenlegen, die bis in die 1950er Jahre zurückgehen.



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