Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Radpiste 15: Die Unscheinbare

Radpiste 15: Die Unscheinbare

Radpiste 15: Die Unscheinbare

Radpiste 15: Die Unscheinbare


von Steve REMESCH/ 11.09.2019

Fotos: Steve Remesch

Unterwegs in Luxemburg: Die Radpiste PC 15 zwischen der Hauptstadt und Mersch ist weitaus spannender, als sie es vermuten lässt


Sommerserie: Unterwegs in Luxemburg
Es muss nicht immer der teure Urlaub in der Ferne sein. Auch im beschaulichen Großherzogtum gibt es so einige Plätze, die später im Fotoalbum eine gute Figur machen.

Rund 600 Kilometer Länge umfasst das Luxemburger Radwegenetz. Das sind 23 verschiedene nationale Radpisten unterschiedlicher Streckenlänge und Schwierigkeit. Bislang sind diese Wege, die größtenteils getrennt vom Autoverkehr verlaufen, weniger für den alltäglichen Nutzen als Fahrradpendler als für Freizeitaktivitäten geeignet – es sind kaum direkte Strecken darunter, die es erlauben, schnell von A nach B zu gelangen. 

Aber auch der Freizeitaspekt wird oft unterschätzt. Die heimischen Radpisten sind eher keine Rennstrecken für ambitionierte Sportler. Vielmehr erlauben sie es, das Land in all seinen Facetten auf eine entspannte und zeitgemäße Art und Weise zu entdecken. Besonders unscheinbar erscheint dabei die Piste cyclable 15 zwischen Walferdingen und Mersch. 

Aber sie ist durchaus spannend. Insbesondere die sieben Abenteuerspielplätze entlang des Radweges machen sie beispielsweise für Familienausflüge sehr interessant. Dazu kommt ihre ausgesprochen zentrale Lage, ihr durchweg flaches Profil und, dass sie quasi ganz vom Autoverkehr getrennt ist.


Interaktive Karte: Ausflugtipps für jeden Tag
Die „grouss Vakanz“ bietet die ideale Gelegenheit, um das Land von einer neuen Seite zu entdecken. Hier gibt es Inspiration.

Zudem verläuft sie auf ganzer Länge entlang einer Eisenbahnlinie. Somit ist auch die Rückfahrt entweder am Ende der knapp 19 Kilometer langen Wegstrecke oder von einem der sieben Bahnhöfe, die unterwegs angesteuert werden können, abgesichert. Gut zu wissen: In Luxemburg fahren Fahrräder kostenlos Zug.

Als Startpunkt für den Weg nach Mersch bietet sich der Stadtpark an. Die Liftfahrt vom Pescatore-Park zum Pfaffenthal hat auch nach drei Jahren nichts von ihrem Charme eingebüßt. „Kanner, o Kanner, o quel bonheur, mir hunn elo en Ascenseur“, ist denn auch in den Fensterscheiben in den Gassen der Unterstadt zu lesen.

Von hier aus geht es unter den Festungstoren hindurch zur Rue Laurent Menager – hier noch der Beschilderung PC  1 nach – über die Alzette-Brücke zum Parc Laval. Hier erwartet Kinder bereits der erste Abenteuerspielplatz – mitsamt Drahtseilbahn.


Weiter geht es im Anschluss durch die Rue Raspert nach Dommeldingen. Dieser Teil ist zwar verkehrsberuhigt, aber nicht autofrei.


An den Krommlängten in Beggen verabschiedet sich dann die PC 1, die PC  15 beginnt. Hier kann der Beschäftigungsinitiative co-labor beim Bio-Gemüseanbau zugesehen werden. Gerne geben die Mitarbeiter auch Auskunft zu ihrem Werken.

In Bereldingen folgt dann ein weiterer POI, ein Point of interest, wie es heutzutage im Tourismus-Jargon heißt. In der Cité Grand-Duc Jean lebt eine Familie, die wohl eine ganz besondere Liebe zum Comic-Helden Tintin verbindet. Das ganze Haus ist farbenfroh dekoriert und die Fassade mit Szenen aus der Tim-und-Struppi-Serie bemalt.

Zudem beginnt sich die Alzette von ihrer schönsten Seite zu zeigen. Wer sich ein bisschen Zeit nimmt, wird auf der verbleibenden Strecke viele Wasservögel zu sehen bekommen. 

In Walferdingen wartet dann in der Nähe der Sportanlagen der nächste Abenteuerspielplatz.

In Helmsingen gibt es für Luxemburger Verhältnisse recht exotische Sportarten zu entdecken. Denn hier trainieren und spielen die örtlichen Cricket- und Rugbymannschaften. Und bevor es weiter nach Heisdorf geht, folgt schon der nächste großflächige Spielplatz im Grünen.

Auf halbem Weg nach Bofferdingen gibt es mitten im Nirgendwo einen Picknick- und Spielplatz. Spannend sind hier die Holzhütten, die nicht nur eine tolle Kulisse abgeben, sondern auch Unterschlupf gewähren.

Vater und Tochter sind gerade fertig mit ihrem Picknick.
Vater und Tochter sind gerade fertig mit ihrem Picknick.


In Helmdingen wird die Radpiste 15 gar zur Kunstgalerie. Seit Ende Juli und bis zum Jahresende zeigt die polnische Künstlerin Magda Zagrzejewska auf einem Dutzend Schautafeln Fotografien, die sie zwischen Mai und Dezember 2018 in Lorentzweiler gemacht hat. Thema ist die Entwicklung des Urbanismus und der Architektur in der Alzettetal-Gemeinde.

Kurz vor Lorentzweiler gewährt eine Unwetterhütte Schutz und Unterschlupf – und ein Wasserhahn spendet frisches Trinkwasser. Wenige Meter weiter beginnt an dem Radweg der örtliche Skulpturewee.


Zwei Drittel der Strecke sind geschafft. Nun folgt ein Ausflug ins Grüne, unter der Autobahnbrücke hindurch und hin zu gleich zwei weiteren Spielplätzen – in Prettingen und Lintgen.


Auf dem letzten Teilstück nach Mersch bewahrheitet sich die Nationalhymne: „Wou d'Uelzecht durech d'Wisen zéit“ einmal mehr. Hier herrscht Ruhe. Die Wiesen und Felder in der Talsohle erscheinen endlos.

Bei Rollingen warten wollige Schafe am Zaun darauf, gestreichelt zu werden. Nahe Berschbach ziehen edle Pferde durch weite und sattgrüne Wiesen.


Wer noch nicht zum Picknicken gekommen ist, wird im Stadtpark in Mersch am Ufer des Sees sein Glück finden. Größere Abenteuerspielplätze als diesen dürfte es in Luxemburg nur wenige geben. Zudem wird auch hier örtliche Fotokunst gezeigt.

Von hier aus ist es denn auch nicht weit zum Merscher Bahnhof – wo die Rückreise komfortabel über die Schiene angetreten werden kann. Wer noch nicht müde ist, darf gerne bis nach Ettelbrück weiterfahren. Das verbleibende rund zwölf Kilometer lange Stück der PC  15 kommt allerdings nicht ganz ohne Steigung aus.



Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Sommerserie: Unterwegs in Luxemburg
Es muss nicht immer der teure Urlaub in der Ferne sein. Auch im beschaulichen Großherzogtum gibt es so einige Plätze, die später im Fotoalbum eine gute Figur machen.