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Radonproblematik: Bis zu 20 Lungenkrebsfälle pro Jahr
Lokales 07.11.2016

Radonproblematik: Bis zu 20 Lungenkrebsfälle pro Jahr

Mit Hilfe dieser Dosimeter wurde der Radongehalt in den Wohnhäusern gemessen.

Radonproblematik: Bis zu 20 Lungenkrebsfälle pro Jahr

Mit Hilfe dieser Dosimeter wurde der Radongehalt in den Wohnhäusern gemessen.
Foto: Chris Karaba
Lokales 07.11.2016

Radonproblematik: Bis zu 20 Lungenkrebsfälle pro Jahr

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Das natürlich vorkommende Gas Radon ist radioaktiv und damit potentiell gesundheitsschädlich. Eine neue Messreihe zeigt, dass besonders ältere Gebäude im Norden des Landes betroffen sind.

(jag) - Die Abteilung Strahlenschutz des Gesundheitsamtes hat am 20. Januar eine neue Messreihe für das natürlich vorkommende radioaktive Gas Radon gestartet. Das Pilotprojekt wurde in 200 Wohnhäusern der Gemeinde Wahl durchgeführt, dies in Zusammenarbeit mit den Gemeindeverantwortlichen. In den Häusern wurden sogenannte Exposimeter angebracht und nach drei Monaten wieder eingesammelt.

Das natürlich vorkommende Gas entsteht durch den Zerfall von Uran. Es strömt durch Felsspalten nach oben und sammelt sich insbesondere in Kellerräumen ohne festen Betonboden. Dort können dann zum Teil sehr hohe Konzentrationen gemessen werden. 



Guter Standort

Wahl eignet sich für die Messungen besonders gut, weil hier zwei verschiedenartige geologische Schichten aufeinander treffen. Zudem stehen in dem Ort sowohl traditionelle Wohnhäuser als auch Neubauten. Während drei Monaten wurden 400 sogenannte Dosimeter in 200 Häusern angebracht. Anschließend wurden die Strahlungswerte bestimmt.    

Man geht davon aus, dass in Luxemburg rund 1000 Wohnhäuser Werte von über 1000 Becquerel pro Kubikmeter Luft enthalten. Eine Dosis, die zu Erkrankungen führen kann. "Bis zu 20 Fälle von Lungenkrebs dürften jährlich auf Radon zurückzuführen sein, so Gesundheitsministerin Lydia Mutsch. Damit wäre das Gas die zweithäufigste Lungenkrebsursache nach dem Rauchen. Rund ein Drittel der Bevölkerung dürfte dem Gas in ihren Wohnungen ausgesetzt sein. 

Radonatlas und Maßnahmen

Die Messresultate wurden gesammelt und fließen dann in einen Radonatlas. Dieser soll die Werte im gesamten Land erfassen. Luxemburg wird anhand dieser Messwerte einen nationalen Aktionsplan ausarbeiten wie er per EU-Direktive bis Februar 2018 Pflicht ist. Bereits im Juli wurden die betroffenen Anwohner über die Resultate informiert.

Insgesamt wurden 6 Orte untersucht, im Schnitt lagen die Messwerte zwischen 126 und 263 Bq pro Kubikmeter Luft. Allerdings wurden örtlich auch Spitzenwerte von über 1000 Bq/m3 festgestellt. Ab einem Wert von 600 Bq sollten die Anwohner bauliche Vorbeugemaßnahmen durchführen so Patrick Majerus von der Abteilung für Strahlenschutz. Diese werden zum Teil auch durch staatliche Sanierunsgbeihilfe unterstützt. Dazu gehören eine komplette Isolation des Kellerbodens sowie Entlüftungen. Hausbesitzer in Risikogegenden erhalten demnächst Post von den Gesundheitsbehörden. Diese stehen auch für Nachfragen zur Verfügung. (laboratoire.radioprotection@ms.etat.lu) 


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