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„Radfahrer auf den Bürgersteig gezwungen“
Lokales 4 Min. 15.06.2018

„Radfahrer auf den Bürgersteig gezwungen“

Lëtzebuerger Vëlosinitiativ fordert schnellen und sicheren Radweg vom Bahnhof zur Oberstadt.

„Radfahrer auf den Bürgersteig gezwungen“

Lëtzebuerger Vëlosinitiativ fordert schnellen und sicheren Radweg vom Bahnhof zur Oberstadt.
Foto: Morris Kemp
Lokales 4 Min. 15.06.2018

„Radfahrer auf den Bürgersteig gezwungen“

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Kurzfristig wird sich im Bahnhofsviertel für Radfahrer nichts ändern. Erst mit dem Abschluss der anstehenden Bauarbeiten am Viaduc und der Tramtrasse wird es für sie einen direkten und sicheren Weg geben.

Nach einer Polizeikontrolle, die am Mittwochmorgen Radfahrer in der Avenue de la Gare ins Visier nahm, die verbotenerweise auf dem Bürgersteig fuhren, hält die Diskussion über die fehlenden Infrastrukturen für Radfahrer im Bahnhofsviertel weiter an. Es schält sich dabei deutlich heraus, dass viele Radfahrer keine sichere Alternative zur Fahrt auf dem Bürgersteig erkennen können.

Die Präsidentin der Lëtzebuerger Vëlos-Initiativ bringt das Problem auf den Punkt: „Es gibt keine gute, schnelle und direkte Verbindung zwischen dem Bahnhof und dem Fahrradweg am Viaduc“, so Monique Goldschmit.

Verantwortung auf Gemeindeebene

Es gibt lediglich einen Radweg vor der Avenue und einen danach, auf der Brücke zur Oberstadt. Es bleibt nur die Möglichkeit, das Bahnhofsviertel weiträumig zu umfahren, um legal und sicher ans Ziel zu gelangen.

Monique Goldschmit:"Den innerstädtischen Radverkehr gibt es offenkundig und der braucht Platz. Und der wird einfach nicht geschaffen."
Monique Goldschmit:"Den innerstädtischen Radverkehr gibt es offenkundig und der braucht Platz. Und der wird einfach nicht geschaffen."
Foto:Lex Kleren

Die Verantwortung für die Infrastrukturen im Bahnhofsviertel liegen laut Infrastrukturministerium einzig und alleine auf Gemeindeebene, also bei der Stadtverwaltung.

Das Ministerium ist ausschließlich für nationale Radwege zuständig und hat in diesem Sinne auch die Fahrradbrücke realisiert und wird auch den Radweg bauen, der entlang der Tramtrasse durch die Avenue de la Liberté führen wird – Fertigstellung im Frühjahr 2020.

Nach dem Pont Adolphe der Viaduc

Das Infrastrukturministerium ist zudem auch Bauträger für den in Kürze anstehenden Umbau der Al Bréck. Und auch der kündigt sich problematisch für Radfahrer an: Denn kurz nachdem die Fahrradbrücke unter dem Pont Adolphe wieder eröffnet wird, wird der Viaduc für lange Monate voll gesperrt.

Die Brücke wird verbreitert, um dort eine zusätzliche Busspur im Gegenverkehr einzurichten. Mittelfristig sollen nämlich in der Avenue de la Gare nur noch Busse verkehren.

Radfahrer, Fußgänger, Autos und Busse müssen sich während dieser Bauzeit den Pont Adolphe als einzige Direktverbindung zwischen Gare und Zentrum teilen. Und zum Pont Adolphe führt ebenfalls kein direkter Radweg vom Bahnhof aus. Es wird lediglich eine Umleitung zwischen beiden Brücken geben. „Wir haben schon vor Monaten in einem Brief an die Bürgermeisterin auf dieses Problem hingewiesen“, betont LVI-Präsidentin Goldschmit. Eine positive Antwort sei allerdings ausgeblieben.

Vorerst keine Änderung

Gegenüber dem „Luxemburger Wort“ stellt der Mobilitätsschöffe der Stadt Luxemburg, Patrick Goldschmidt am Freitagabend klar, dass in der derzeitigen Konfiguration der Avenue de la Gare die Einrichtung einer den gesetzlichen Bestimmungen entsprechenden Radpiste nicht möglich sei.

„Fahrradverkehr auf dem Bürgersteig entsprechend der Etude Concept Piétons zu reglementieren, ist derzeit ebenfalls nicht möglich, weil die Breite des Gehwegs durch die Stadtmöbel und die Terrassen der Gaststädten eingeschränkt ist“, so Patrick Goldschmidt. „Die gesamte nutzbare Fläche des Bürgersteigs muss auch tatsächlich genutzt werden, um die sichere Abwicklung des hohen Fußgängeraufkommens zu garantieren.“ Fußgänger seien immerhin die schwächste Kategorie der Verkehrsteilnehmer.


Polizei nimmt Radfahrer ins Visier
Es war eigentlich nur eine Verkehrskontrolle wie andere auch. Dennoch hat sie in sozialen Netzwerken für teils sehr hitzige Diskussionen gesorgt. Und eigentlich offenbarte sie ein strukturelles Problem im Bahnhofsviertel.

Für die Fahrt mit dem Fahrrad zwischen Bahnhof und Oberstadt verweist der Stadtschöffe auf den im März 2013 eingerichteten Radweg im Gegenverkehr durch die Rue du Fort Neipperg zum Boulevard d'Avranches. Mit der Umgestaltung der Avenue de la Gare in Abstimmung mit der Trambaustelle und der Verbreiterung des Viaduc würde auch in der Al Avenue eine abgetrennte und reservierte Fahrspur für Fahrräder bis zum Bahnhof und darüber hinaus eingerichtet. Zudem werde ein Gesamtprojekt für Infrastruktur und Superstruktur für den Bahnhof und die Seitenstraßen erstellt.

Eine naheliegende Lösung

Doch bis dahin werden noch viele Radfahrer sich einen möglichst schnellen Weg zwischen Bahnhof und Oberstadt suchen – laut Anzeigetafel an sonnigen Tagen weit mehr als 1.000.

Lösungsvorschlag: Radfahrern die Benutzung der Busspur erlauben.
Lösungsvorschlag: Radfahrern die Benutzung der Busspur erlauben.
Foto: Morris Kemp

Dabei liegt eine schnelle Lösung eigentlich nahe: Die Stadtverantwortlichen müssten dafür lediglich die Busspur vom Bahnhof in Richtung Oberstadt bis in Höhe des Arbed-Gebäudes auch für Radfahrer freigeben. Busse dürften auf diesem Teilstück ohnehin kaum schneller als mit 30 km/h unterwegs sein und Radfahrer demnach keine schwerwiegende Verkehrsbehinderung darstellen. Ab der Rue Heinrich Heine könnte der Radweg dann entlang des Boulevard de la Pétrusse zum Pont Adolphe führen.

Platz für Radfahrer

Die derzeitige Situation ist für die LVI nicht weiter haltbar und ein Gesamtkonzept der Stadt will man auch nicht erkennen. „Für die Radfahrer gibt es immer mehr Einschnitte“, betont Monique Goldschmit. „Den innerstädtischen Radverkehr gibt es offenkundig und der braucht Platz. Und der wird einfach nicht geschaffen. Die Verantwortlichen zwingen die Radfahrer quasi, den Bürgersteig zu benutzen, um sich sicher fortzubewegen.“


Velo op der Gare Foto: Morris Kemp
Plattfuß
35 Radfahrer wurden am Mittwochmorgen in der Avenue de la Gare gebührenpflichtig verwarnt. Sie benutzten unerlaubterweise den Bürgersteig. Die Stadt Luxemburg sollte angesichts der Baustellensituation Alternativkonzepte vorlegen.

Außerdem würden, wenn überhaupt, dann auch noch falsche Entscheidungen getroffen. „An den Zuwegen zu den neuen Radpisten entlang der Tramtrasse wird wieder nur auf eine gemischte Nutzung der Bürgersteige gesetzt“, erklärt Monique Goldschmit. „Damit werden immer neue Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern provoziert.“


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