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Pulvermühle: Ein Bauvorhaben sorgt für Aufsehen
Lokales 5 Min. 26.07.2017 Aus unserem online-Archiv

Pulvermühle: Ein Bauvorhaben sorgt für Aufsehen

Derzeit läuft die Sanierung auf dem Industriegelände auf Hochtouren.

Pulvermühle: Ein Bauvorhaben sorgt für Aufsehen

Derzeit läuft die Sanierung auf dem Industriegelände auf Hochtouren.
Foto:Gerry Huberty
Lokales 5 Min. 26.07.2017 Aus unserem online-Archiv

Pulvermühle: Ein Bauvorhaben sorgt für Aufsehen

Nadine SCHARTZ
Nadine SCHARTZ
Ein Wohnungsbauprojekt auf dem ehemaligen Industriegelände in Pulvermühle sorgt für Aufsehen. Doch nicht nur das vergiftete Gelände wirft Bedenken bei den Bürgern auf.

(nas) - Findet eine Informationsversammlung an einem Dienstagnachmittag um 17 Uhr und mitten in den Sommerferien statt, muss das Thema den Bürgern doch sehr unter den Nägeln brennen, damit sie den Weg dorthin finden.

Die Bauarbeiten auf dem ehemaligen zwei Hektar großen Areal, auf dem einst die Firmen „Secalt“ und „Express Nettoyage à sec“ angesiedelt waren, scheinen ein solches Thema zu sein. Immerhin zog es bei der von der Stadt Luxemburg einberufenen Informationsversammlung  zum Teilbebauungsplan "Polvermillen"  über 50 interessierte Bürger an. Viele davon sind bereits Mitglied im neu gegründeten Interessenverein "Silip" ("Syndicat d'intérêts locaux et d'initiative Pulvermuhl"), der von Malou Muschang geleitet wird.

Auch vonseiten der verantwortlichen Parteien war man auf alles vorbereitet, hatten sich am Rednertisch doch zahlreiche Experten von u.a. der Stadt Luxemburg, der Naturverwaltung, der "Inspection du Travail et des Mines" sowie des Bauträgers "Immobel Luxembourg S.A."  im "Centre Sociétaire" in Cents eingefunden.

Über 50 Bürger nahmen an der Bürgerversammlung teil.
Über 50 Bürger nahmen an der Bürgerversammlung teil.
Foto: Nadine Schartz

Erst die Brücken, dann die Baugenehmigung

Wer erwartete, dass die anwesenden Bürger gleich auf die Barrikaden gehen würden, irrte jedoch. Zu Beginn präsentierte die Leiterin des "Service de l'Urbanisme" der Stadt Luxemburg, Sonja Gengler,  das Projekt im Detail (siehe untenstehenden Überblick) und ging dabei auch auf die erforderliche Verbreiterung und Verstärkung der beiden Brücken, die einerseits von der Rue du Fort Moulin und anderseits vom Boulevard Patton aus kommen, ein. Eines ist jedoch klar: "Ohne diese Arbeiten darf der PAP nicht realisiert werden", unterstrich Stadtbürgermeisterin Lydie Polfer. Und fügte hinzu: "Wir geben vorher keine Baugenehmigung."

Bis dato konnten die nötigen Arbeiten allerdings noch nicht aufgenommen werden, da die Besitzverhältnisse von einem Brückenteil noch nicht geklärt waren. Erst am  Dienstagmorgen - also wenige Stunden vor der Bürgerversammlung - sollen der Bauträger und der Eigentümer eine Einigung gefunden haben. Ist diese in trockenen Tüchern, könnte auch dieses Vorhaben in Angriff genommen werden.

In der Zwischenzeit soll eine provisorische Brücke vom Boulevard Patton in das neue Wohnviertel führen - diese kann jedoch erst nach der vollständigen Sanierung auf dem Areal der ehemaligen Wäscherei errichtet werden.

Ab 1948 war die Firma Secalt auf dem Areal. (FOTO: FRANÇOIS BUNY, COPYRIGHT PHOTOTHÈQUE VDL)
Ab 1948 war die Firma Secalt auf dem Areal. (FOTO: FRANÇOIS BUNY, COPYRIGHT PHOTOTHÈQUE VDL)
(Foto: François Buny, Copyright Phototèque VDL)

Sanierung bis zu sieben Meter in der Tiefe

A propos Sanierung: Laut Carmen Nickels von der Naturverwaltung sei diese auf dem Gebiet der Firma Secalt - wo an verschiedenen Stellen vor allem Öl und Benzin im Boden gefunden wurden - fast vollständig abgeschlossen. Hier sei die Belastung höchstens zwei bis drei Meter in der Tiefe vorhanden gewesen.

Schwieriger hingegen sei die Sanierung auf dem Gelände der Wäscherei: Bis zu sieben Meter in die Tiefe muss die Wiederherstellung des Bodens aufgrund der eingedrungenen Lösungsmittel erfolgen.

Noch bevor die Bürger schließlich ihre Fragen stellen konnten, unterstrich Lydie Polfer, dass diese zwar nun einige Zeit mit einer Baustelle leben müssten, danach sei die Pulvermühle ein ganz anderer Stadtteil. "Ein neues Kapitel öffnet sich für das Viertel", so die Bürgermeisterin weiter.

Nur ein halber Spielplatz

Doch genau das ist eine der Unklarheiten, welche die Einwohner plagen. Malou Muschang vom Interessenverein: "Zurzeit leben 344 Personen im Viertel, nach der Fertigstellung des Wohnungsbauprojektes werden es zwischen 900 und 1.000 Bürger sein, genauso viel wie etwa in Pfaffenthal und Grund. In puncto Infrastrukturen haben wir im Gegensatz zu diesen Stadtteilen nichts zu bieten...außer einen halben Spielplatz. Mehr nicht!"  Und sie fügte hinzu: "Wir wollen, dass Pulvermühle eine gewisse Autonomie erhält."

Doch damit nicht genug.  Mit dem Bauprojekt befürchten die Bürger, dass der bereits bestehende Mangel an Parkplätzen noch verstärkt werde. Dass die Verantwortlichen immer wieder wiederholten, dass pro Wohnung ein Stellplatz im PAP vorgesehen sei und, dass immer mehr Personen auf ein Auto verzichten würden (Lydie Polfer) überzeugte sie jedoch wenig.

Demnächst wollen die Verantwortlichen des Interessenvereins sich nun mit dem Schöffenrat zusammensetzen, um die Wünsche und Bedenken in Bezug auf u.a. den Parkplatzmangel und die fehlenden Infrastrukturen im Detail zu thematisieren.

Noch mehr Kontrollen

Wie zu erwarten war, kam denn auch das vergiftete Areal zur Sprache. Aufgrund der in den vergangenen Wochen aufgetretenen Staubwolken warf Malou Muschang die Frage auf, ob alle Sicherheitsvorkehrungen bei der Sanierung getroffen worden seien - vor allem, da sie und andere Einwohner erst kürzlich dadurch unter Juckreiz gelitten hätten. Es seien sämtliche Vorschriften eingehalten worden und man würde unter größter Vorsicht vorgehen, hieß es. Mit der Aussage, dass die  ITM in Zukunft noch verstärkt ein Auge darauf werfen wolle, schienen die Anwesenden sich durchaus sicherer zu fühlen, wie aus dem ein oder anderen Kopfnicken zu erkennen war.

Nach gut zwei Stunden schien  die Mehrheit der Anwesenden dem PAP etwas gelassener entgegen zu sehen. Auch wenn Themen, wie das vermehrte Verkehrsaufkommen, die Parkplätze, aber auch das Überschwemmungsrisiko im neuen Wohnbaugebiet, sicher längst noch nicht vom Tisch sind.

Fünf Häuser sind auf der Liste der schützenswerten Gebäude eingetragen und werden in das Bauvorhaben integriert.
Fünf Häuser sind auf der Liste der schützenswerten Gebäude eingetragen und werden in das Bauvorhaben integriert.
Foto: Pol Aschman, Copyright Phototèque VDL

Ein langwieriger Prozess

Zum Bauprojekt:

  • Am 29. Juni 2015 machte der Gemeinderat den Weg für das Bauvorhaben frei.
  • Ab dem 13. Juli 2015 hing der Teilbebauungsplan während 30 Tagen öffentlich aus. 
  • Am 20. Juli 2015 fand eine Bürgerversammlung zu diesem Projekt statt. Lediglich sechs Einwohner hatten sich dort eingefunden.
  • Nach einem Monat war keine Reklamation bezüglich des PAP in der Gemeinde eingegangen.
  • Am 14. Dezember 2015 verabschiedete der Gemeinderat den PAP schließlich.
  • Am 8. März 2016 erfolgte die ministerielle Zusage.
  • Das betroffene Areal hat eine Größe von zwei Hektar, wovon 1,5 Hektar bebaut werden. 56 Ar muss der Bauträger an die Gemeinde abtreten. 11,2 Ar sind als öffentliche Grünzone vorgesehen.
  • Insgesamt werden 210 Wohneinheiten - 17 triplex-ähnliche Häuser sowie Appartements -  entstehen, was einer Fläche von 25.362 Quadratmetern entspricht. Einige bestehende Gebäude werden in das Vorhaben integriert. Darüber hinaus sollen 1.660 Quadratmeter Büroflächen in das Projekt integriert werden.
  • Da es sich um eine autofreie Zone handeln wird, sehen die Pläne den Bau einer Tiefgarage (ein Fahrzeug pro Wohnung) vor.

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