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Prügelei nach der Nachtschicht
Lokales 2 Min. 17.06.2019

Prügelei nach der Nachtschicht

Nach Dienstschluss hatten Polizisten am 14. Februar 2016 eine Diskothek in der hauptstädtischen Rue de Bouillon aufgesucht. Stunden später kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung.

Prügelei nach der Nachtschicht

Nach Dienstschluss hatten Polizisten am 14. Februar 2016 eine Diskothek in der hauptstädtischen Rue de Bouillon aufgesucht. Stunden später kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung.
Foto: Chris Karaba
Lokales 2 Min. 17.06.2019

Prügelei nach der Nachtschicht

Nach einem Discobesuch geraten in der hauptstädtischen Rue de Bouillon am Valentinstag 2016 Polizisten und Soldaten aneinander. Nun hat ihre Schlägerei ein Nachspiel vor Gericht.

(str) -  Es ist eine weitere Schlägerei vor immer der gleichen Diskothek in der hauptstädtischen Rue de Bouillon, mit der sich die siebte Strafkammer seit Montag beschäftigt. Doch dieses Verfahren hat eine Besonderheit: Denn auf der Anklagebank sitzen neben Polizisten auch Soldaten.

Dass der Fall überhaupt vor Gericht verhandelt wird, ist einem Zufall zu verdanken. Bei der Auswertung des Mobiltelefons eines Polizisten, gegen den in anderer Strafsache ermittelt wurde, stoßen Beamte der Inspection générale de la police, der Abteilung für interne Ermittlungen, auf einen verdächtigen SMS-Austausch.

Der 29-jährige Beamte, dessen Telefon untersucht wird, hat einen gewissen Bekanntheitsgrad als Freizeitwrestler, und bei der anderen Strafsache geht es um den Tatvorwurf der schweren Körperverletzung gegenüber einem anderen Polizeibeamten. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen beiden Fällen.

Polizist mit Baseballschläger

In der SMS-Diskussion äußert ein Polizist dem genannten Kollegen gegenüber seine Sorge über ein Video, in dem er bei einer Schlägerei mit einem Baseballschläger zu sehen sei. Man einigt sich darauf, zu sagen, man habe diesen den Kontrahenten bei der Auseinandersetzung abgenommen.

Die Ermittler, denen dieser Vorfall nicht bekannt ist, gehen der Sache auf den Grund und entdecken, dass es diese Schlägerei tatsächlich gab, der Polizeibericht vorrangig aus den selbst verfassten Aussagen der beteiligten Polizisten bestand, und die Sache wohl auch deswegen keine Folgen hatte, weil keiner von rund einem Dutzend Beteiligten Strafanzeige erstattet hatte.

Die Ermittler erhalten auch Zugriff auf das Video, mit dem ein Taxifahrer in der Rue de Bouillon den zweiten Teil der Auseinandersetzung festgehalten hatte. Und darin ist tatsächlich ein Polizist mit einem Holzknüppel zu sehen. Später ist auf dem Film zu erkennen, wie zwei Beamte diesen hinter einem Geländer in der Pétrusse verschwinden lassen.

Während das, was im Video zu sehen ist, kaum bestritten wird, gibt es zur Vorgeschichte widersprüchliche Aussagen. Die Polizisten, die nach Dienstschluss am Valentinstag 2016 die Diskothek in der Rue de Bouillon aufgesucht hatten, gaben im Verhör an, sie seien von einer Gang als Polizisten erkannt und angegriffen worden. Bei der Rangelei habe ein Beamter seinen Dienstausweis verloren. Als er dies bemerkt habe, sei er mit seinen Kollegen zurückgekehrt, um ihn zu holen. Als Vorsichtsmaßnahme hätten sie einen Axtstiel mitgenommen.

Soldaten statt einer Gang

Unter den Kontrahenten sind zwar mehrere junge Männer kapverdischer Herkunft, aber alle anderen stellten sich als Armeeangehörige heraus. Eine Verbindung zu irgendwelchen Gangs lässt sich nicht aufzeigen. Ihre Gemeinsamkeit besteht darin, dass sie wohl alle aus Differdingen stammen.

Für die Ermittler zeichnet vor allem die Darstellung einer Zeugin, der einzigen Beteiligten, die wohl nicht betrunken war, ein anderes Bild vom Ablauf. So habe tatsächlich ein Mann, der sich mit ihr und einem anderen Mann mehrere hundert Meter von der restlichen Gruppe entfernt hatte, den Polizisten zugerufen: „Dir sidd d'Flicke vun Déifferdeng“. Als dieser sich entfernt habe, hätten die Polizisten dann den anderen Mann zur Rede gestellt und ihn mit Fausthieben niedergestreckt. Durch die Schreie der Zeugin seien andere erst auf den Vorfall aufmerksam geworden.

Die Polizisten hätten sich dann entfernt und seien kurze Zeit später zurückgekehrt. Was dann geschah, ist – so weit erkennbar – im Video festgehalten. Der Prozess gegen insgesamt acht Angeklagte wird am Dienstagnachmittag fortgesetzt.


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