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Prozessauftakt um Drogenbande aus Longwy: Filmreifes Festnahmeszenario
In diesem Mehrfamilienhaus in Bereldingen entdeckten die Ermittler 113 Gramm Kokain unter der Waschmaschine eines Dealers.

Prozessauftakt um Drogenbande aus Longwy: Filmreifes Festnahmeszenario

Foto: Lex Kleren
In diesem Mehrfamilienhaus in Bereldingen entdeckten die Ermittler 113 Gramm Kokain unter der Waschmaschine eines Dealers.
Lokales 2 Min. 08.01.2018

Prozessauftakt um Drogenbande aus Longwy: Filmreifes Festnahmeszenario

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Zum Prozessauftakt um eine nigerianische Drogengruppe, die von Longwy aus Dealer in Luxemburg versorgte, gab am Montag ein Polizist Einblick in die Ermittlungen.

(str) - Kaum hatte der Bus aus Longwy am 13. Dezember 2016 die Luxemburger Grenze überschritten, schlugen Spezialkräfte der Polizei zu. Ihr Ziel: die Festnahme eines Mannes mit dem Szenenamen „Digital“, dem Kopf einer der damals bedeutendsten Drogenbanden des Landes, der seit Montag der Prozess gemacht wird.

Das Klicken der Handschellen war dann auch das Startzeichen für die französische Polizei. Diese stürmte im Zentrum von Longwy das Hauptquartier der siebenköpfigen Gruppe, die der nigerianischen organisierten Kriminalität zugerechnet werden kann.

Kokainkugeln in der Kloschüssel

Wie ein Ermittler am Montag zum Prozessauftakt aussagte, waren hier in der von „Digital“ angemieteten Wohnung gerade drei weitere Beschuldigte dabei, Kokain für den Verkauf in Luxemburg vorzubereiten. 332 Gramm Kokain und 514 Gramm Streckmittel wurden sichergestellt. Dazu 11.000 Euro Bargeld.

Im Obergeschoss wurden zwei weitere Männer überwältigt. Doch diese hatten offensichtlich noch Zeit, um Beweise zu vernichten: In der Kloschüssel schwammen nämlich noch zwei fertig verpackte Kugeln Kokain.

Ärger in Bereldingen

Ärger sollte den Sicherheitskräften an diesem Tag allerdings vor allem eine Festnahme in Bereldingen bereiten. Während die strikt organisierte Gruppe vorrangig Dealer in der Hauptstadt mit Drogen versorgte, hatten die Ermittler hier einen Rauschgifthändler im Visier, von dem sie wussten, dass er bald einen Kunden bei sich zu Hause empfangen würde. Die Drogenfahnder wollten den Mann mit dem Szenenamen „Chucks“ beim Rauschgiftverkauf auf frischer Tat erwischen.

Der Kunde kam, stellte seinen Wagen auf einem Nachbargrundstück ab und die Ermittler konnten beobachten, wie das Licht in der Waschküche des Mehrfamilienhauses anging. Als er das Kokain übergeben wollte, schlugen die Beamten zu. „Chucks“ setzte sich mit Leibeskräften zur Wehr, der Kunde versuchte zu entkommen, doch beide wurden gestellt.

Drogenversteck unter der Waschmaschine

Bei einer ersten Hausdurchsuchung wurden zwar 9.300 Euro in bar entdeckt, aber keine Drogen. Erst als die Beamten ein zweites Mal ansetzten, fanden sie unter der Waschmaschine des Verdächtigten ein Lederetui mit insgesamt 113 Gramm Kokain.

Da der Verdächtige inzwischen derartig deutliche Zeichen von Unwohlsein offenbarte, dass die Polizisten einen Arzt verständigten, war er bei der zweiten Durchsuchung in der Waschküche nicht anwesend. Die Beamten hätten ihm die Drogen untergeschoben, stellte er später klar. Doch DNS-Spuren an Etui und Drogenverpackungen konnten ihm zugeordnet werden.

Auch im Krankenhaus, wo er ärztlich untersucht wurde, setzte „Chucks“, ein wenn auch nicht besonders groß gewachsener aber desto kräftiger gebauter Mann, sich dermaßen zur Wehr, dass acht Polizisten und drei Krankenhausmitarbeiter notwendig waren, um ihm Handschellen anzulegen.

Der Prozess wird am Dienstagnachmittag fortgesetzt.


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