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Prozess: Wenn sich Zeugen mit Tankstellenräubern prügeln
Lokales 3 Min. 12.11.2019

Prozess: Wenn sich Zeugen mit Tankstellenräubern prügeln

Am Morgen des 15. August 2017 sucht die Kriminalpolizei am Tatort nach Spuren.

Prozess: Wenn sich Zeugen mit Tankstellenräubern prügeln

Am Morgen des 15. August 2017 sucht die Kriminalpolizei am Tatort nach Spuren.
Foto: Lex Kleren/LW-Archiv
Lokales 3 Min. 12.11.2019

Prozess: Wenn sich Zeugen mit Tankstellenräubern prügeln

Bei einem Überfall am 15. August 2017 auf eine Tankstelle in Frisingen feuern die Täter mehrfach auf aufmerksame Zeugen. Seit Dienstag und noch bis Freitag müssen sie sich nun vor der Kriminalkammer verantworten.

(str) - Sie kommen am 15. August 2017 gerade aus dem Urlaub zurück und als sie die Grenze in Frisingen überqueren, sehen sie an einer Tankstelle zwei vermummte und bewaffnete Männer, die zwei Frauen bedrohen.

Die vier Passanten zögern nicht lange und entschließen sich, nicht nur die Polizei zu rufen, sondern auch dazu, sich selbst einzumischen.

Inzwischen haben die Täter die zwei Tankstellenangestellten in den Tresorraum geführt und zum Öffnen des Geldschranks gezwungen. Sie erbeuten allerdings nur den Kassenbestand – knapp 1.500 Euro. Doch ihre Freude an der Beute wird nur von kurzer Dauer sein: Sie verlieren das Geld und die Ermittler sind ihnen schnell auf der Spur.

Das zeigte sich am Dienstag, zwei Jahre und fast drei Monate nach der Tat, beim Prozessauftakt vor der Kriminalkammer.

Täter schießt auf die Zeugen

Die Augenzeugen erwarten die Räuber gleich bei der Ausgangstür und versuchen, sie zu stellen. Der erste Räuber, der die Geschäftsräume verlässt, bedroht seine Kontrahenten mit einer Waffe, feuert in die Luft und flüchtet. Er ist flink und kann entkommen.

Der zweite Täter ist wenige Augenblicke später weit weniger schnell. Die vier jungen Männer entreißen ihm die Plastiktüte mit der Beute und bei einer Rangelei auch die Schusswaffe. Dann kann auch er flüchten.

Wir waren wütend, weil die auf uns geschossen hatten. Deshalb sind wir hinterher und haben uns mit ihnen geprügelt.

Zeuge im Prozess

„Es war leichtsinnig, ihnen hinterherzulaufen“, meinte einer der vier Helfer gestern im Zeugenstand. Ein Zweiter erklärte: „Wir waren wütend, weil die auf uns geschossen hatten. Deshalb sind wir hinterher und haben uns mit ihnen geprügelt.“

Doch auch die Täter wollen sich nicht geschlagen geben. Ein Fluchtfahrer erwartet sie bereits auf dem naheliegenden Park&Ride-Parkplatz. Als der erste Täter die Rangelei mit seinem Komplizen wahrnimmt, öffnet er die Beifahrertür und schießt erneut auf die Verfolger. Dann, als auch der Mittäter es bis an Bord geschafft hat, prescht der Wagen über die französische Grenze und verschwindet.

Fahndung mit schnellem Erfolg

Die Auswertung der Videoaufnahmen der Tankstelle ist wenig ergiebig, Sie zeigt aber, dass die Täter bereits um vier Uhr morgens, zwei Stunden vor der Tat, an der Tankstelle auf der Lauer liegen. Die Täter tragen Sturmhauben, einer eine Jogginghose mit auffälliger Aufschrift, die, wie gestern angedeutet wurde, im weiteren Prozessverlauf wohl noch eine Rolle spielen wird.

Die Überprüfung der Kennzeichen des Fluchtwagens führt dann aber zu einem schnellen Erfolg: Sie ergibt, dass der Wagen einem älteren Mann aus der Nähe von Metz gehört. Es zeigt sich zudem, dass der Mann zwei Söhne hat, von denen einer einschlägig vorbestraft ist. Eine Überwachung wird eingeleitet. Bereits am Morgen danach stürmen französische und luxemburgische Polizisten das Wohnhaus des Verdächtigen.

Verdächtiger nennt Namen

Es werden Beweismittel sichergestellt. Der Tatverdächtige gesteht noch am selben Tag, am Überfall beteiligt gewesen zu sein. Später räumt er ein, den Fluchtwagen gefahren zu haben und nennt auch die Namen seiner Komplizen.


Raub Tankstelle Goedert Frisange, Foto Lex Kleren
Überfall in Frisingen: Tankstellenräuber gehen leer aus
Zwei bewaffnete Männer haben am frühen Dienstagmorgen eine Tankstelle in Frisingen überfallen. Dabei kamen ihnen aber vier Zeugen in die Quere.

Bis zu deren Festnahme wird – offenbar aus prozeduralen Gründen – aber noch fast ein Monat vergehen. Allerdings werden ihre Telefongespräche während dieser Zeit überwacht und auch daraus ergeben sich Hinweise auf eine Täterschaft. So stiftet etwa einer der Verdächtigen seine Mutter an, ihm ein falsches Alibi zu geben.

Darüber hinaus entpuppt sich auch die Freundin eines der beiden Beschuldigten als sehr auskunftswillig. Wie der leitende Ermittler am Dienstag vor der Kriminalkammer erklärte, offenbart sie im Polizeiverhör ein umfangreiches Detailwissen im Zusammenhang mit dem Überfall.

Die beiden vom ersten Festgenommenen genannten Mittäter bestreiten indes jegliche Tatbeteiligung. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.


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