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Prozess wegen versuchten Totschlags: Eine Kavalkade mit bitterem Ende
Vor dieser Gaststätte in Wasserbillig war es im März 2016 zu einer Massenschlägerei gekommen.

Prozess wegen versuchten Totschlags: Eine Kavalkade mit bitterem Ende

Foto: Gerry Huberty
Vor dieser Gaststätte in Wasserbillig war es im März 2016 zu einer Massenschlägerei gekommen.
Lokales 2 Min. 25.04.2017

Prozess wegen versuchten Totschlags: Eine Kavalkade mit bitterem Ende

Sophie HERMES
Sophie HERMES
Wegen ihrer Verwicklung in eine Schlägerei nach der Kavalkade im März 2016 in Wasserbillig müssen sich derzeit drei Männer vor Gericht verantworten. Einem der Angeklagten wird versuchter Totschlag vorgeworfen.

(SH) - "Er hatte eine Bierflasche in der Hand und schlug diese kaputt. Dann spürte ich einen Schlag im Gesicht", erklärte eines der Opfer einer Massenschlägerei am 5. März 2016 in Wasserbillig vor Gericht. Nach der Nachtkavalkade war es damals vor einer Gaststätte zu der Rangelei gekommen. Dabei waren zwei Männer und eine Frau derart schwer verletzt worden, dass sie zwischenzeitlich arbeitsunfähig waren. Den beiden Männern waren Schnittwunden am Hals, resp. am Kopf zugefügt worden, die mit mehreren Stichen genäht werden mussten.

"Er" bezieht sich auf David A., der sich seit Dienstag wegen versuchten Totschlags und Körperverletzung vor Gericht verantworten muss. Zwei weiteren Männern - einer von ihnen war am Dienstag nicht anwesend - wird wegen ihrer Beteiligung an der Schlägerei Körperverletzung vorgeworfen.

Chaos vor der Gaststätte

Das Opfer erklärte zum Auftakt des Prozesses, dass es gesehen habe, dass der Schlag von David A. kam. Auch habe er gesehen, wie David A. später seine Frau zu Boden gestoßen und einen weiteren Mann verletzt habe. Er selbst habe noch weitere Schläge abbekommen - und auch ausgeteilt. Von wem diese jedoch stammten, wisse er nicht. Es sei nämlich vor der Gaststätte innerhalb kürzester Zeit zu mehreren Schlägereien gekommen. Auch ein Polizist, der vor Ort war, sprach von einem Chaos. 30 bis 40 Menschen hätten sich angesammelt gehabt. Einige unter ihnen seien verkleidet gewesen und hätten Masken getragen. Auf David A., der etwas abseits stand, sei die Polizei aufmerksam geworden, nachdem die Opfer und einige Zeugen auf ihn gezeigt und erklärt hatten, dass die Schläge von ihm ausgegangen waren.

Unklarheit hätte es zunächst auch gegeben, was die Tatwaffe betrifft. Erst nach dem Einsatz hätten die Polizisten nämlich erfahren, dass es sich um eine kaputte Flasche gehandelt haben soll. Scherben seien vor der Gaststätte nicht mehr aufgefunden worden. Das Personal hätte diese bereits beseitigt gehabt. Eines der Opfer erklärte, einen Gegenstand in der Hand des Hauptangeklagten gesehen zu haben. Worum es sich hierbei jedoch genau handelte, konnte er nicht erkennen.

Hauptangeklagter streitet ab

Ursprung der Schlägerei soll unterdessen eine verbale Auseinandersetzung zwischen dem Hauptangeklagten und einer Frau gewesen sein. David A. sei daraufhin aufgebracht gewesen. Das Opfer habe versucht ihn zu beruhigen, jedoch ohne Erfolg. Vielmehr sei es dann zu der Schlägerei gekommen.

Der Hauptangeklagte selbst - am Dienstag trug er ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Je suis innocent" - hatte seine Verwicklung in die Tat abgestritten. "Er sagte uns, wir hätten den Falschen", erklärte ein Polizist. Auch gegenüber der psychiatrischen Gutachterin beteuerte er seine Unschuld. Der Angeklagte hatte allerdings während des Gespräches betont, dass er Jahre vor der Tat unter Suchtproblemen gelitten und unter Drogeneinfluss auch bereits ein aggressives Verhalten an den Tag gelegt hätte. Am Tag der Kavalkade hätte er jedoch keine Drogen genommen gehabt, sondern lediglich ein paar Bier getrunken.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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