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Prozess um Überfall auf älteres Ehepaar: Höchststrafe gefordert
Lokales 3 Min. 03.07.2017 Aus unserem online-Archiv

Prozess um Überfall auf älteres Ehepaar: Höchststrafe gefordert

Die Staatsanwaltschaft strich die Zielstrebigkeit, die kriminelle Energie und die Gewaltbereitschaft der Täter hervor.

Prozess um Überfall auf älteres Ehepaar: Höchststrafe gefordert

Die Staatsanwaltschaft strich die Zielstrebigkeit, die kriminelle Energie und die Gewaltbereitschaft der Täter hervor.
Foto. Steve Remesch
Lokales 3 Min. 03.07.2017 Aus unserem online-Archiv

Prozess um Überfall auf älteres Ehepaar: Höchststrafe gefordert

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Zielstrebig, mit hoher krimineller Energie und außerordentlicher 
Gewaltbereitschaft seien die Täter beim Überfall auf ein älteres Ehepaar in Senningen vorgegangen. Deshalb forderte die Staatsanwaltschaft am Montag zehn Jahre Haft.

(str) - Die drei Männer hätten die ältere Dame im Einkaufszentrum ins Visier genommen, sie dann bis nach Hause verfolgt. Als die 85-jährige Frau dann zu Hause angelangt sei, gemeinsam mit ihrem 87-jährigen Mann dazu angesetzt habe, die Einkäufe aus dem Auto zu laden, seien die Täter über ihre Opfer hergefallen. Sie hätten der Frau auf sehr brutale Weise den Schmuck vom Körper gerissen, sie dabei schwer verletzt und den Mann mit Fäusten zu Boden geschlagen. Erst beim Anblick von Tatzeugen seien sie geflohen. So schilderte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft den Tatablauf aus der Sicht der Ermittler.

Im Visier der Überwachungskameras

Sehr schnell sei man drei Tatverdächtigen auf die Spur gekommen. Zwei davon sitzen auf der Anklagebank, der Dritte wird noch immer mit internationalem Haftbefehl gesucht. „Wir wurden durch ihr verdächtiges Benehmen auf die drei Männer aufmerksam“, erklärte die Substitutin am Montag.

Auf den Überwachungsbildern habe man nachvollziehen können, wie sie der 85-jährigen Frau in der „City Concorde“ gefolgt seien. Zudem hätten sie von der Körpergröße und der Kleidung auf die Täterbeschreibung gepasst.

Entgegen der Andeutungen eines Verteidigers im Prozess, habe nicht der Umstand, dass sie der Gemeinschaft der „Gens du voyage“ angehörten, sie zu Verdächtigen gemacht. Denn das sehe man ja wohl kaum auf den Bildern von Überwachungskameras.

Auffälliges Wendemanöver

Ganz deutlich sei hingegen der immer noch flüchtige Kevin Perstner auf dem Parkplatz zu erkennen gewesen, wie er auf den Wagen der Opfer gewartet habe und gleich, nachdem dieser vorbeigefahren sei, zu seinen Komplizen ins Auto gestiegen sei. Besonders auffällig sei auch das Wendemanöver der Verdächtigen gewesen, als die späteren Opfer erst nach einem Umweg den Parkplatz verlassen hatten.

„Das waren die Elemente, die zu den Anfangsermittlungen gegen die drei Männer geführt haben“, bekräftigte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft.

Die Bilder der Verdächtigen seien dann an die Behörden der Nachbarländer geschickt worden. In Frankreich habe man zunächst einen Mann identifizieren können, später die beiden anderen. Zudem habe sich herausgestellt, dass das Täterfahrzeug von einem der Verdächtigen bei einem Luxemburger Unternehmen gemietet worden sei.

DNS auf dem T-Shirt des Opfers

Der entscheidende Durchbruch dürfte dann die Identifizierung der DNS vom Verdächtigen, Désiré S., auf dem T-Shirt des 85-jährigen und schwer verletzten Opfers gewesen sein. Wie eine DNS-Expertin im Prozess hervorgehoben hatte, waren diese Spuren sogar in größerer Menge auf dem T-Shirt vorhanden als die DNS der Trägerin. Dies sei nur durch direkten Kontakt möglich. Die Ausrede des Beschuldigten, er sei an jenem Tag wohl in der Eisdiele im Einkaufszentrum zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, habe wohl kaum Bestand, meinte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft.

Die Zeugen, die die Täter beim Raub in Senningen gesehen hatten, hätten die Beschuldigten zwar nicht formell erkannt, sie hätten aber auch nicht ausgeschlossen, dass es sich um die Räuber gehandelt habe.

Dass die Zeugen von einer dunklen Mercedes-A-Klasse als Täterfahrzeug gesprochen hätten und die Beschuldigten einen dunkelgrauen Mercedes GLA fuhren, sei nachvollziehbar. Schließlich hätten die Zeugen sie nur von vorne gesehen. Der sichtbarste Unterschied zwischen beiden Modellen liege dann bei einem Höhenunterschied von knapp vier Zentimetern.

Zehn Jahre Gefängnis gefordert

Désiré S. sei durch die Zeugen- und Opferbeschreibung sowie durch seine DNS als Täter identifiziert. Da die beiden Angreifer von großer Statur gewesen seien, so wie eben Désire S. und Kevin Perstner, und eine dritte Person im Wagen wartete, sei davon auszugehen, dass es sich dabei um Ringo P. gehandelt habe. Dieser habe an der Verfolgung der Opfer und der Vorbereitung der Tat teilgenommen. Ringo P. habe nicht ignorieren können, was geschah. Deshalb sei er als Mittäter zu verurteilen.

Für beide Beschuldigten forderte die Staatsanwaltschaft schließlich wegen gewaltsamen Diebstahls und Bildung einer kriminellen Vereinigung eine Haftstrafe von zehn Jahren. Sie seien zielstrebig und mit hoher krimineller Energie vorgegangen. Sie hätten ihre Opfer mit völlig disproportionierter Gewalt misshandelt und trotz der erdrückenden Beweislast keine Reue gezeigt. Deshalb sei die Höchststrafe angebracht.

Das Urteil ergeht am 13. Juli.


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