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Gilles Lousada in der Opferrolle
Lokales 3 Min. 28.01.2015 Aus unserem online-Archiv
Prozess um Raubüberfall auf Familie

Gilles Lousada in der Opferrolle

Der Angeklagte Gilles Lousada 2007 beim Prozess um zwei Überfälle auf Geldtransporter in Lamadelaine, 
wegen denen er bis heute in Haft sitzt.
Prozess um Raubüberfall auf Familie

Gilles Lousada in der Opferrolle

Der Angeklagte Gilles Lousada 2007 beim Prozess um zwei Überfälle auf Geldtransporter in Lamadelaine, 
wegen denen er bis heute in Haft sitzt.
ARCHIVFOTO: FKA
Lokales 3 Min. 28.01.2015 Aus unserem online-Archiv
Prozess um Raubüberfall auf Familie

Gilles Lousada in der Opferrolle

15 Jahre nach einem Banküberfall mit Geiselnahme in Rodange führten am Tatort gefundene DNS-Spuren zum Schwerverbrecher Gilles Lousada. Am zweiten Prozesstag gab er sich als Opfer eines Komplotts.

(mth) - DNS-Spuren am Tatort führten die Ermittler im vergangenen Herbst zum inhaftierten Schwerverbrecher Gilles Lousada. Er soll 1999 an einem Überfall auf eine Bank in Rodange beteiligt gewesen sein. Wenige Stunden vor dem Überfall hatten die mutmaßlichen Täter den Kassierer der Bank und dessen Familie in deren Zuhause aufgesucht und als Geiseln genommen.

Zum Auftakt der Sitzung am Mittwoch, dem zweiten Prozesstag, erklärten der leitende Ermittler, eine belgische sowie eine luxemburgische Expertin für forensische DNS-Analyse im Detail, wie es dazu kommen konnte, dass die in der Küche der überfallenen Familie gefundene DNS-Spur erst so spät, also 15 Jahre nach der Tat, Gilles Lousada und dem zweiten Angeklagten, Habès B., zugeordnet werden konnte. Ein dritter Mittäter, David Sciutti, wurde bereits 2013 zu 18 Jahren Haft verurteilt.

Eine wesentliche Rolle habe dabei die Tatsache gespielt, dass Frankreich erst seit Anfang 2010 im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit in der Verbrechensbekämpfung Daten wie Fingerabdrücke, Fahrzeugregister und DNS-Profile verurteilter Straftäter mit den Ermittlern anderer EU-Staaten teile. Hinzu kam, dass der in Frankreich wegen eines anderen Verbrechens inhaftierte David Sciutti im Rahmen einer von ihm gewünschten Wiederaufnahme seines Verfahrens eine Gegenexpertise von DNS-Spuren gefordert hatte.

Habès B. legt Geständnis ab

Damit lieferte er möglicherweise unabsichtlich zwei seiner Komplizen ans Messer, denn die Analyse ergab durch spätere Vergleiche und routinemäßige Überprüfungen, dass am Tatort des Raubüberfalls in Rümelingen DNS-Spuren von David Sciutti sowie zwei weiteren Personen auffindbar waren: Es muss sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft um Gilles Lousada und Habès B. gehandelt haben, was die DNS-Analyse mit „beinahe vollständiger Sicherheit“ beweise.

Die Aussagen von Habès B., der anschließend zu den Vorwürfen angehört wurde, machten das Gericht sowie die stellvertretende Staatsanwältin zunächst stutzig: Während der Angeklagte gegenüber den Ermittlern und dem Untersuchungsrichter ein recht umfassendes Geständnis abgelegt hatte, hielt er sich am Mittwoch vor Gericht zunächst mehr als bedeckt. Er habe bei der Tat zwar als Helfer mitgewirkt, aber er könne nicht zu seinen Mittätern aussagen, da man ihm zu verstehen gegeben habe, dass seine Familie die Konsequenzen tragen werde, falls er auspacke. Eine Aussage, die das Gericht zu einer kurzen Unterbrechung der Sitzung veranlasste, um über das weitere Vorgehen zu beraten. B. war dennoch nicht bereit, seine Komplizen während der öffentlichen Sitzung direkt zu belasten.

Misstrauen gegenüber den Ermittlern

Gilles Lousada dagegen wählte bei seiner Anhörung den sprichwörtlichen Angriff als beste Verteidigung: Er sei unschuldig, habe nichts mit der Tat zu tun, niemanden bedroht und könne nur mutmaßen, dass die DNS-Spuren am Tatort platziert worden seien, um ihn zu belasten. Zudem drückte er sein Misstrauen gegenüber den Ermittlern der Kriminalpolizei aus, die „zweifelhafte Methoden“ einsetzten.

Der Prozess wird am Donnerstagnachmittag fortgesetzt.

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- "Der Überfall zerstörte die Familie"

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