Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Prozess um mutmaßlichen Kindesmissbrauch: „Aber Papa macht das auch“
Lokales 04.02.2015

Prozess um mutmaßlichen Kindesmissbrauch: „Aber Papa macht das auch“

Der Prozess begann am Mittwoch am Bezirksgericht Luxemburg.

Prozess um mutmaßlichen Kindesmissbrauch: „Aber Papa macht das auch“

Der Prozess begann am Mittwoch am Bezirksgericht Luxemburg.
Anouk Antony
Lokales 04.02.2015

Prozess um mutmaßlichen Kindesmissbrauch: „Aber Papa macht das auch“

Seit Mittwoch sitzt ein 45-jähriger Mann am Bezirksgericht Luxemburg auf der Anklagebank. Er wird verdächtigt, seine beiden Kinder über Jahre sexuell missbraucht zu haben. Der Angeklagte ist nur teilgeständig und versuchte vor Gericht, seine Handlungen herunterzuspielen.

Die Justiz wurde im Oktober 2010 eingeschaltet, als die damals neunjährige Tochter in Gegenwart ihrer Mutter und ihrer Großeltern alarmierende Dinge über ihren Vater erzählte. Ein Radiobeitrag über einen Missbrauchsfall führte zu einem Gespräch, während dem ihre Mutter ganz allgemein sexuelle Annäherungen thematisierte und ihrer Tochter einschärfte, sich sofort mitzuteilen, falls sie jemals unsittlich berührt würde. Die Tochter sei daraufhin ganz blass geworden und habe gesagt: „Aber Papa macht das auch. Was ist denn mit Papa?“ Daraufhin habe die Mutter die Kinder ärztlich untersuchen lassen und den Vater mit der Aussage konfrontiert. Dieser habe jedoch zunächst alles abgestritten.

Ein zweiköpfiges Ermittlerteam der Kriminalpolizei verhörte anschließend die Kinder sowie die restlichen Familienangehörigen. Dabei erhärtete sich der Verdacht, dass der Angeklagte sowohl seine Tochter wie auch seinen zur Tatzeit sechsjährigen Sohn über Jahre sexuell missbraucht haben könnte – die Tochter könnte schon ab dem Alter von dreieinhalb Jahren zum Opfer dieser Übergriffe geworden sein. Beide Kinder sagten aus, dass ihr Vater abends vor dem Zubettgehen mit ihnen „gekuschelt“ habe oder im Badezimmer nackt und mit erigiertem Penis aufgetaucht sei. Dabei soll es zu Berührungen im Intimbereich sowie zu analen und vaginalen Penetrationen mit den Fingern gekommen sein – ein Sachverhalt, der den Tatbestand der Vergewaltigung erfüllen würde, falls das Gericht ihn als erwiesen ansehen sollte.

Der Angeklagte streitet letzteren Vorwurf kategorisch ab und versuchte zumindest am Mittwoch vor Gericht, sein Verhalten zu verharmlosen. Er habe sehr wohl mit seiner Tochter gekuschelt und zwei Mal sei ihm dabei „die Hand ausgerutscht“, wobei es sich aber „nicht um einen bewussten sexuellen Akt“ gehandelt habe. Seinen Sohn dagegen will er nie sexuell missbraucht haben. Zu den vom Kind angesprochenen Berührungen sei es lediglich „bei der Pflege“ gekommen.

Der Prozess wird am Donnerstagnachmittag mit den Plädoyers der Verteidigung und der Zivilparteien sowie dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft abgeschlossen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Portrait eines Tyrannen
Vor der Kriminalkammer begann am Montag der Prozess gegen einen 59-jährigen Mann der am 7. Januar 2015 seine Frau in der Rue du Fossé in Esch/Alzette mit sechs Kopfschüssen hingerichtet hatte.
Am 7. Januar 2015 erschoss der Angeklagte seine 51-jährige Ehefrau in Esch/Alzette, weil diese sich scheiden lassen wollte.
Urteilsverkündung: Acht Jahre Haft wegen Kindesmissbrauchs
Am Mittwoch fiel das Urteil gegen einen Mann aus Sandweiler, der seine eigenen Kinder jahrelang sexuell missbraucht haben soll. Die Kriminalkammer verurteilte den Angeklagten zu einer achtjährigen Gefängnisstrafe, davon fünf Jahre auf Bewährung.