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Prozess um Kokain- und Marihuanahandel im großen Stil: Im Dunstkreis der „Hells Angels“
Lokales 5 Min. 19.10.2017

Prozess um Kokain- und Marihuanahandel im großen Stil: Im Dunstkreis der „Hells Angels“

Drei der Angeklagten entstammen dem Umfeld der Luxemburger „Hells Angels“.

Prozess um Kokain- und Marihuanahandel im großen Stil: Im Dunstkreis der „Hells Angels“

Drei der Angeklagten entstammen dem Umfeld der Luxemburger „Hells Angels“.
Foto: EastNews/LW-Archiv
Lokales 5 Min. 19.10.2017

Prozess um Kokain- und Marihuanahandel im großen Stil: Im Dunstkreis der „Hells Angels“

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Zehn Personen, darunter mehrere Männer aus dem Umfeld der „Hells Angels“ müssen sich wegen Drogenhandels im großen Stil vor Gericht verantworten.

(str) - Zehn Personen, darunter mehrere Männer aus dem Umfeld der „Hells Angels“ müssen sich wegen Drogenhandels im großen Stil vor Gericht verantworten. Der Hauptangeklagte soll knapp 1,36 Millionen Euro durch den Verkauf von Kokain und Marihuana eingenommen haben.

900 Kilogramm Kokain direkt per Containerschiff aus Kolumbien soll Feti P., der Vizepräsident der Antwerpener „Hells Angels“ im dortigen Hafen in Empfang genommen haben. Die heiße Ware wurde den Ermittlungen zufolge dann über das Netzwerk der Motorradgang auf den europäischen Markt gebracht.

Bei der Verhaftung von Feti P. und 22 mutmaßlichen Mittätern im Juni 2014, wurden außerdem 500 Kilogramm Drogen und 600.000 Euro in bar beschlagnahmt. Das anhängige Gerichtsverfahren in Belgien steht noch aus.

Vermittlung in Buschrodt

Dennoch muss sich Feti P. gemeinsam mit seinem ebenfalls aus dem Umfeld der „Hells Angels“ stammenden Komplizen Geert D. seit dem 3. Oktober auch in Luxemburg vor Gericht verantworten. Wie die Ermittlungen zeigten, war der Großhändler aus Antwerpen nämlich in finanzielle Not geraten – auch wegen vorangegangener Erfolge der Zoll- und Polizeibehörden in Belgien.

Um seinen Pflichtanteil in Höhe von fünf Prozent nicht an den „Club“ abtreten zu müssen, soll sich Feti P. mit einem Luxemburger zusammengetan haben, Boban B., den er im Vereinsbau der Rockergang in Buschrodt kennengelernt hatte. Ein weiterer klarer Regelverstoß, denn Geschäfte zwischen Anwärtern, wie Boban B. zum damaligen Zeitpunkt einer war, und Vollmitgliedern wie Feti P. sind untersagt. Zudem darf es keinen Kontakt zwischen einem Anwärter aus einem Land und einem Vollmitglied aus einem anderen Land geben. Das Drogengeschäft hätte also nur zwischen Vollmitgliedern erfolgen dürfen.

1,36 Millionen Euro Gewinnertrag

Der Kontakt nach Antwerpen öffnete für Boban B. den Ermittlungen zufolge die Tür zum internationalen Drogengeschäft. Das Kokain wurde zum Kilopreis von rund 30.000 Euro eingekauft und anschließend in Mengen von jeweils mehr als einem Kilo weiterverkauft. Die Ermittler gehen davon auf, dass auch hier wieder das Netzwerk der „Hells Angels“ entgegen der Vereinsregeln von Nutzen war, und dass ein Großteil der Ware von Luxemburg aus u. a. nach Saarlouis, Mannheim und Köln weiterverkauft wurde.

Boban B. der seit 2007 keiner geregelten Arbeit nachgegangen sein soll, habe, wie die Ermittler im Prozess aufzeigten, einen sehr pompösen Lebenswandel geführt. Für die Ermittler war dieser übrigens recht einfach nachzuvollziehen, da der Beschuldigte, auf Facebook vor mehr als 5.000 Freunden ununterbrochen mit seinem Luxusleben prahlte – so etwa mit mindestens vier Rolexuhren und mehreren Sportwagen, darunter einem 800-PS-starken Porsche. Die Ermittler gehen davon aus, dass Boban B. binnen zwei Jahren insgesamt 1,36 Millionen Euro verdient haben könnte.

Kokain und Marihuana im Schulhof

Wenig Erkenntnisse gibt es indes dazu, an wen jener Teil des Kokains verkauft wurde, der nicht ins Ausland ging. Eine Menge konnten die Ermittler allerdings Paulo D. zuordnen, der im Prozess ebenfalls auf der Anklagebank sitzt. Ihm wird angelastet, nicht nur mindestens fünf Kilo Marihuana, sondern auch eine erhebliche Menge Kokain beispielsweise im Umfeld des Lycée Nic Biever in Düdelingen verkauft zu haben.

An der wenige hundert Meter entfernten Waldschoul sowie an der Primärschule in Lasauvage sollen zwei weitere Angeklagte, Patrick P. und David G. ebenfalls große Mengen Marihuana verkauft haben.

Drei Hauptangeklagte

Denn obwohl sich mit Kokain, das im Kilobereich verkauft wird, binnen kurzer Zeit sehr viel Geld verdienen lässt, war das nur eines von zwei Standbeinen im Geschäftsmodell der Hauptangeklagten Boban B., Kevin K. und Laura S. Unabhängig vom Kokainhandel und bereits bevor der Kontakt mit den „Hells Angels“ aus Antwerpen zustande kam, soll die Bande einen florierenden Marihuanahandel in Luxemburg betrieben haben. Die Ermittler gehen von mehreren hundert Kilogramm aus, legen sich aber auf eine Mindestmenge von 160 Kilogramm fest.

Die Ware kam aus den Niederlanden bzw. Belgien nach Luxemburg und wurde direkt vom Hersteller bezogen, der ebenfalls in diesem Prozess angeklagt ist. Dabei hatte es Boban B. den Ermittlungen zufolge auch darauf angelegt, den Zulieferer Frank V. zu bestehlen. Ein Feuer in einer Plantage verhinderte dies jedoch.

Am Drogenhandel – neben Kokain und Marihuana geht es auch um Amphetamine – sollen zudem die Luxemburger „Hells Angels“-Anwärter Luca S. und Daniel S. beteiligt gewesen sein. Auch sie sind in diesem Prozess angeklagt. Teil der Anklage sind außerdem eine ganze Reihe von Betrugsdelikten, die Boban B. im Zusammenhang mit Autoverkäufen in Esch/Alzette und dem Konkurs einer Metzgerei in Niederkerschen begangen haben soll. Der Prozess gegen die insgesamt zehn Angeklagten wird bis Mitte November dauern.

Letzte Warnung im Gerichtssaal

Mit Argusaugen wird das Gerichtsverfahren indes auch aus Belgien beobachtet. Das zeigte sich gleich am ersten Verhandlungstag in aller Deutlichkeit. So betrat kurz vor Sitzungsbeginn ein Mann die Zuschauerreihen im Gerichtssaal. Er setzte sich zunächst hin, stand dann aber wieder auf und zog demonstrativ seine Jacke aus.

Dabei drehte er sich, so dass jeder seine Lederkutte sehen konnte, mit der er sich als „Sergeant at arms“, als Waffenmeister der „Hells Angels“ aus Antwerpen, zu erkennen gab. Das Signal war angekommen: Feti P. widerrief plötzlich einen Großteil seiner vor dem Prozess getätigten Aussagen.

Edelclubs aus dem Schneider?

Eingeleitet worden waren die Ermittlungen übrigens, weil es konkrete Hinweise dafür gab, dass Boban B. am Verkauf von großen Mengen Kokain in zwei hauptstädtischen Edeldiskotheken, in der Rue des Bains und in der Rue Dicks, beteiligt sei.

Da dies bislang im Prozess nicht thematisiert wurde, ist möglicherweise davon auszugehen, dass entweder die Beweislage nicht ausreichend oder die Information unzutreffend war.

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Der Prozess soll bis Mitte November dauern.
Der Prozess soll bis Mitte November dauern.
Foto: Pierre Matgé

Zehn Angeklagte - eine Übersicht:

Im Prozess um den Drogenhandel im Dunstkreis der „Hells Angels“ sind insgesamt zehn Personen angeklagt:

Boban B., Laura S. und Kevin K. wird vorgeworfen, mehrere Hundert Kilogramm Marihuana, Dutzende Kilogramm Kokain und mehrere Kilogramm Amphetamine verkauft zu haben. Laura S. soll zwar nicht aktiv am Handel beteiligt gewesen sein, allerdings sehr wohl an der Geldwäsche.

Frank V. soll das Marihuana zugeliefert haben.

Feti P. und Geert D. sind angeklagt, das Kokain an Boban B. und Konsorten verkauft zu haben.

Luca S. soll am Handel beteiligt gewesen sein. Ein weiterer Komplize Daniel S. wird ein getrenntes Verfahren bekommen.

David G., Paulo D. und Patrick P. sind als Weiterverkäufer beschuldigt.

Boban B. werden zudem 24 Betrugsdelikte angelastet.





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