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Prozess um Geiselnahmen: Täter erhalten lange Haftstrafen
Lokales 3 Min. 08.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Prozess um Geiselnahmen: Täter erhalten lange Haftstrafen

Im Dezember 2012 überfallen die Täter einen Geschäftsmann in seiner Wohnung in der Montée St-Crépin in Luxemburg-Stadt und nehmen ihn als Geisel. Er bleibt nicht ihr einziges Opfer.

Prozess um Geiselnahmen: Täter erhalten lange Haftstrafen

Im Dezember 2012 überfallen die Täter einen Geschäftsmann in seiner Wohnung in der Montée St-Crépin in Luxemburg-Stadt und nehmen ihn als Geisel. Er bleibt nicht ihr einziges Opfer.
Foto: Steve Remesch / LW-Archiv
Lokales 3 Min. 08.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Prozess um Geiselnahmen: Täter erhalten lange Haftstrafen

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Im Dezember 2012 kommt es zu zwei Überfällen und Geiselnahmen in Luxemburg-Stadt. Nun, mehr als sieben Jahre später, wurden die Täter vor Gericht verurteilt.

Ende 2019 mussten sich vier Männer wegen Straftaten im Zusammenhang mit  zwei Geiselnahmen und Raubüberfällen im Dezember 2012 in Luxemburg-Stadt verantworten. Die Richter fällten am Mittwoch in dem Fall ihr Urteil in erster Instanz.

Sie verurteilten den Hauptangeklagten Redda B. zu einer Haftstrafe von 18 Jahren, Ali A., einen Mittäter, zu 15 Jahren Gefängnis. Daniel V., der für den Verkauf des Diebesguts verantwortlich war - unter anderem Uhren im Einkaufswert von einer Million Euro -, wurde indes zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren, davon vier auf Bewährung, verurteilt.


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Im Dezember 2012 gewinnt Redda B. das Vertrauen von mehreren Geschäftsleuten. Dann zeigt er gemeinsam mit seinem Komplizen seine wahren Absichten.

Mohamed F., der sich als Vertrauensperson um die Geschäfte von Redda B. gekümmert haben soll, erhielt eine Haftstrafe von fünf Jahren, von denen drei auf Bewährung ausgesetzt wurden. Die vier Männer wurden zudem zu Schadensersatzzahlungen in Höhe von insgesamt rund 572.000 Euro verurteilt.

Alle Parteien haben nun 40 Tage Zeit, um Berufung gegen das Urteil in erster Instanz einzulegen.

Redda B. hatte sich im Dezember 2012 mehreren Geschäftsleuten als Vertreter eines arabischen Prinzens ausgegeben, der Beträge in Milliardenhöhe investieren will, und so ihr Vertrauen gewonnen. Er lockte sie in eine Falle und schlug dann gemeinsam mit Ali A. zu. Ein Rückblick auf die Geschehnisse:

Der Traum vom großen Geld

Eigentlich sollte Redda B. im Dezember 2012 im Gefängnis sitzen. Doch der damals 42-Jährige hat andere Pläne. Bereits im Oktober taucht der mehrfach vorbestrafte Mann bei einem Haftausgang unter, am folgenden Tag überfällt er gemeinsam mit Ali A. und zwei Komplizen mehrere Geschäftsleute in Paris. Die Männer entkommen. Weitere Opfer finden sie im Dezember in Luxemburg, wo es zu zwei Geiselnahmen und Überfällen kommt.

Redda B. gilt als der Kopf hinter den Verbrechen. Er gibt sich als Sicherheitsexperte eines arabischen Prinzen aus, der Beträge in Milliardenhöhe investieren will. Über eine Anwaltskanzlei in Paris wird schließlich der Kontakt mit Mitarbeitern einer Treuhandgesellschaft in Luxemburg hergestellt.


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Das Unternehmen mit Sitz im Hauptstadtviertel Mühlenbach empfängt Redda B. mit offenen Armen – seine Geschichte wird nicht ausreichend überprüft. Es kommt zu einem Treffen in Luxemburg, bei dem Redda B. angibt, dass der vermeintliche Prinz während seines Aufenthalts im Großherzogtum teure Uhren kaufen will.

Einer der Mitarbeiter des Unternehmens kontaktiert daraufhin Louis R.*, da dieser einen Fonds mit Sammleruhren verwaltet. Redda B. blendet auch diesen Geschäftsmann. Am 12. Dezember soll es zu einem Treffen mit dem vermeintlichen Prinzen in der Wohnung von Louis R. in Luxemburg-Eich kommen. Royalen Besuch erhält er aber nicht. Ali A. stößt zu dem Treffen hinzu, die beiden Männer zücken ihre Waffen und überfallen den Mann. Sie ziehen ihm eine Sprengstoffweste – die sich später als falsch herausstellt – an und nehmen ihn als Geisel. Ali A. und Redda B. erbeuten mehr als 140 000 Euro in bar.

Wie Gott in Frankreich

Doch damit nicht genug: Am folgenden Tag wird der vermeintliche Prinz bei einem im Vorfeld vereinbarten Treffen in den Gebäuden der Treuhandgesellschaft mit Uhrenhändlern aus dem In- und Ausland in Mühlenbach erwartet. Es kommt zu einem weiteren Überfall, die Täter entkommen mit Uhren im Einkaufswert von rund einer Million Euro, nehmen einen der Mitarbeiter der Firma als Geisel und lassen ihn erst in Paris wieder frei.

Dort trifft Redda B. auch die beiden Mitangeklagten, Daniel V. und Mohamed F. Der Spanier Daniel V., ein Schmuckhändler aus Marbella (E), soll sich um den Verkauf der Uhren kümmern. Wenige Tage später führt der Weg von Redda B. ebenfalls in die spanische Hafenstadt. Er mietet dort eine Villa, lebt mit seiner Entourage, zu der auch Mohamed F. zählt, in Saus und Braus. Das Räuberglück hält nicht lange. Bereits im Januar wird Redda B. bei einer Verkehrskontrolle verhaftet.


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Daniel V. und Mohamed F. bleiben ihm treu. Ermittlungen zufolge sollen sie sogar versucht haben, Redda B. aus seiner Haft zu befreien. Der Plan scheitert, Redda B. wird in ein anderes Gefängnis verlegt. Die luxemburgischen, spanischen und französischen Ermittler schlagen daraufhin im April 2013 zu. In Spanien und Frankreich werden mehrere Personen verhaftet – unter ihnen auch Ali A., David V. und Mohamed F.


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