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Prozess um Geiselnahme: Eines der Opfer erzählt von seinen Stunden als Geisel
Lokales 28.11.2019

Prozess um Geiselnahme: Eines der Opfer erzählt von seinen Stunden als Geisel

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

Prozess um Geiselnahme: Eines der Opfer erzählt von seinen Stunden als Geisel

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.
Foto: Lex Kleren
Lokales 28.11.2019

Prozess um Geiselnahme: Eines der Opfer erzählt von seinen Stunden als Geisel

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Die Täter versetzten ihre Opfer in Todesangst, um an ihre Beute zu kommen. Manche von ihnen leiden noch heute unter den Folgen der Geiselnahme.

Am Abend des 12. Dezember 2012 klingelt in den Büros eines Luxusuhrenherstellers in Genf (CH) das Telefon. Manuel F.*, ein Mitarbeiter, hebt ab. Sein Vorgesetzter bittet ihn, am folgenden Tag an einem Treffen mit einem arabischen Prinzen in Luxemburg teilzunehmen. Dieser wolle Uhren im Wert von mehreren Millionen Euro kaufen.

Mit hochwertigen Uhren im Gepäck fährt Manuel F. am folgenden Morgen nach Luxemburg. Eine Entscheidung, deren Folgen den 42-Jährigen heute noch belasten. Die Täter hätten an jenem Donnerstag sein Leben gestohlen, sagt der Mann gestern vor Gericht.

Seit Dienstag müssen sich dort Amri A. und Redda B. gemeinsam mit zwei mutmaßlichen Komplizen wegen zwei Raubüberfällen und Geiselnahmen verantworten. Redda B. soll als vermeintlicher Sicherheitschef eines arabischen Prinzen die Vertreter einer Treuhandgesellschaft kontaktiert haben.


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Am 12. Dezember 2012 sollen die Angeklagten den Inhaber der Firma in seiner Wohnung in Eich überfallen und als Geisel genommen haben. Am folgenden Tag gehen der vermeintliche Prinz und sein Sicherheitschef zu dem Treffen im Gebäude der Treuhandgesellschaft in Mühlenbach, dem auch Manuel F. beiwohnt.

Dieser wartet mit zwei weiteren Personen in einem Raum im ersten Stockwerk auf den Prinzen, erinnert der Mann sich im Zeugenstand. Redda B. stellt sich ihnen dort als Sicherheitschef vor, sie werden durchsucht, müssen die Uhren vorzeigen.

Nach Stunden des Wartens betritt Redda B. mit Amri A. den Raum. Sie bedrohen die Anwesenden mit Waffen und zwingen sie, alle Wertgegenstände auf den Tisch zu legen. Die Männer werden in den Keller gebracht, wo sich bereits mehrere Geiseln – darunter Schmuckhändler, die in anderen Räumen gewartet hatten – befinden.

Bleibende Schäden

Vor Gericht erzählt Manuel F., er sei wie gelähmt gewesen, habe nur an sein Kind denken können. Eine Geisel habe sich aber befreien können – und dann auch die anderen. Die Täter waren zu dem Zeitpunkt bereits geflüchtet, hatten einen Mitarbeiter des Unternehmens aber als Geisel mitgenommen.


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Nach der Tat arbeitet Manuel F. zunächst weiter, erleidet dann aber einen Zusammenbruch. Seit vier Jahren ist er eigenen Aussagen zufolge nicht mehr berufstätig. Er fordert 50 000 Euro Schmerzensgeld. Einem psychiatrischen Gutachter zufolge leiden auch andere Opfer unter bleibenden psychischen Schäden.

*Name von der Redaktion geändert


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