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Prozess um Drogenhaus in Wasserbillig: 18 Jahre für nigerianischen „Paten“ gefordert
Lokales 3 Min. 07.02.2017

Prozess um Drogenhaus in Wasserbillig: 18 Jahre für nigerianischen „Paten“ gefordert

 Am 27. Oktober 2015 hatte die Polizei in Wasserbillig zugeschlagen.

Prozess um Drogenhaus in Wasserbillig: 18 Jahre für nigerianischen „Paten“ gefordert

Am 27. Oktober 2015 hatte die Polizei in Wasserbillig zugeschlagen.
Foto: Chris Karaba
Lokales 3 Min. 07.02.2017

Prozess um Drogenhaus in Wasserbillig: 18 Jahre für nigerianischen „Paten“ gefordert

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Hohe Strafen forderte die Staatsanwaltschaft am Dienstag gegen die Hinterleute eines nigerianischen Drogennetzwerkes aus Wasserbillig. Der mutmaßliche „Pate“ soll für 18 Jahre in Haft – seine Komplizin zwölf Jahre.

(str) - Hohe Haftstrafen forderte die Staatsanwaltschaft am Dienstag gegen die Hinterleute eines nigerianischen Drogennetzwerkes aus Wasserbillig. Der mutmaßliche „Pate“ der kriminellen Organisation soll für 18 Jahre in Haft – seine Komplizin zwölf Jahre.

Als Hinterleute der Bande, gelten Joseph E., der Eigentümer und Betreiber des Gebäudes in der Grand-Rue in Wasserbillig, von dem aus die Bande operierte, die Hausverwalterin Bekky T. und der Großhändler Victor N. alias „Paul Henry“.

Joseph E. und Bekky T. wird vorgeworfen, großen finanziellen Profit aus dem Drogenhandel der Bewohner des Hauses in Wasserbillig gezogen zu haben. Nachgewiesen werden konnten ihnen Einnahmen in Höhe von 136 000 Euro und das nur in den letzten Monaten vor der Razzia und den einhergehenden Festnahmen.

Aktive Rolle

Die beiden Hauptangeklagten hätten darüber hinaus eine aktive Rolle im Drogenhandel gespielt – auch wenn sie selbst keine Drogen in den Straßen der Hauptstadt verkauft hätten. Deshalb will die Staatsanwaltschaft Joseph E. und Bekky T. auch für jene Straftaten belangen, die den mitangeklagten Straßenhändlern vorgeworfen werden. Mit dem „G33“ hätte das Paar eine organisierte Struktur geschaffen, die den florierenden Rauschgifthandel der Gruppe im hauptstädtischen Bahnhofsviertel überhaupt ermöglicht habe.

Gemeinsam hätten Joseph E. und Bekky T. das „G33“ mit eiserner Hand geführt und säumigen Zahler sowie unzufriedenen Mietern gedroht, sie bei der Polizei als Drogendealer zu denunzieren. Darüber hinaus hätten sie auch Anweisungen zum Drogenhandel gegeben – dazu gehöre etwa ein Verkaufsverbot in Wasserbillig und eine Kleiderordnung für das Bahnhofsviertel. „Sie ließen die Mieter die Drecksarbeit erledigen und diese dafür teuer bezahlen“, fasste die Vertreterin der Staatsanwaltschaft zusammen. Außerdem hätten sie die Ermittlungen aktiv behindert.

Schutzzone für Drogendealer

Mit dem „G33“ hätten Joseph E. und Bekky T. eine regelrechte Schutzzone für die Drogendealer geschaffen. Zudem hätten sie täglich den Zulieferer Victor N. ins Haus gelassen und somit eine regelmäßige Anlieferung von Drogen und Streckmitteln ermöglicht. Sie hätten dafür gesorgt, dass die Dealer im Schutz des Hauses Drogen portionieren und aufbereiten konnten. Die chemische Zusammensetzung des beschlagnahmten Rauschgifts lasse den Schluss zu, dass dieses tatsächlich dem Zwischenhändler aus Athus zugeordnet werden konnte.

Großhändler aus Antwerpen nicht angeklagt

Dessen Großhändler aus Antwerpen konnte ebenfalls identifiziert werden. Da er sich jedoch nie selbst in Luxemburg aufgehalten habe, wird er in diesem Prozess nicht belangt. Allerdings habe die Staatsanwaltschaft ihn bei den belgischen Strafverfolgungsbehörden denunziert.

Die Staatsanwaltschaft will die beiden auch nicht nur als Nutznießer des Drogenhandels anklagen, sondern auch für die Taten, die den 18 Straßenverkäufern angelastet werden. Denn ohne die von ihnen geschaffene Struktur seien diese in diesem Umfang gar nicht erst möglich gewesen.

Dazugelernt

Joseph E. habe sicherlich aus seinen früheren Verurteilungen wegen Drogenhandels dazugelernt. So habe er dafür gesorgt, dass das Rauschgift nicht mehr in den Gebäuden und Bars verkauft würde, sondern auf offener Straße. Er habe tunlichst jeglichen Kontakt zu Drogenkonsumenten vermieden, weil ihm das in einem früheren Verfahren zum Verhängnis geworden war. Genau wie zuvor habe Joseph E. wieder einen Zulieferer aus Belgien engagiert. Er habe allerdings darauf geachtet, direkten Telefonkontakt zum Großhändler zu vermeiden. Dieser sei deshalb stets über Mieter erfolgt.

Hohe Haftstrafen gefordert

Für die drei Hinterleute forderte die Staatsanwaltschaft dann am Dienstag auch hohe Haftstrafen: Joseph E. und Victor N. sollen für 18 Jahre ins Gefängnis. Bekky T. soll für zwölf Jahre in Haft. Für die drei Beschuldigten wurde zudem eine Geldstrafe und die Beschlagnahmung des Erlöses aus ihren Straftaten beantragt.

Für die 18 Straßenverkäufer, bei denen es sich nicht um Einzeltäter handele, sondern um einen Teil einer organisierten kriminellen Gruppe, beantragte die Staatsanwaltschaft Haftstrafen von zwischen sechs und zehn Jahren sowie Geldstrafen.

Zeugen und Beschuldigte im gleichen Zellenblock

In ihrem Strafantrag ging die Vertreterin der Staatsanwaltschaft im Übrigen auch auf die beiden Drogenkonsumenten ein, die als Zeugen vorgeladen waren und entgegen der Beweislage und früherer Aussagen plötzlich vehement bestritten hatten, Drogen bei Nigerianern gekauft zu haben. Eine Überprüfung habe ergeben, dass die Zeugen tatsächlich im gleichen Gefängnistrakt untergebracht sind, wie 15 der Angeklagten, gegen die sie aussagen sollten.

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