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Prozess um Drogendealer aus Longwy: Wenn selbst Mitangeklagte schmunzeln müssen
Das Hauptquartier der Bande befand sich in diesem Gebäude in der Nähe des Bahnhofs von Longwy.

Prozess um Drogendealer aus Longwy: Wenn selbst Mitangeklagte schmunzeln müssen

Foto: Lex Kleren
Das Hauptquartier der Bande befand sich in diesem Gebäude in der Nähe des Bahnhofs von Longwy.
Lokales 09.01.2018

Prozess um Drogendealer aus Longwy: Wenn selbst Mitangeklagte schmunzeln müssen

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Im Prozess um eine Drogenbande, welche Dealer in Luxemburg von Longwy aus mit Kokain versorgte, kamen am Dienstag die Angeklagten zu Wort.

(str) -  Wie weit die Ermittlungsergebnisse und die Selbstdarstellung von Drogendealern auseinander liegen können, zeigte sich gestern am zweiten Verhandlungstag im Prozess um eine siebenköpfige Drogenbande, welche Dealer in Luxemburg von Longwy aus mit Kokain belieferte.

„Ich weiß nichts von einer kriminellen Organisation und ich bin auch von niemandem der Boss“, erklärte etwa der Mann mit dem Szenenamen „Digital“, der als Anführer der Drogenbande angeklagt ist. „Ich habe lediglich gelegentlich und in geringeren Mengen Drogen verkauft“, stellte er klar. „Genau wie die anderen auch ausschließlich auf eigene Faust.“

Ansichtssache könnte man meinen, denn das aus den Ermittlungen hervorgegangene Bild des Mannes und seiner Clique ist ein gänzlich anderes: Die mindestens siebenköpfige Gruppe betrieb der Anklage zufolge einen strikt organisierten Drogenhandel, bei dem die Aufgaben klar geteilt waren.

Klare Organisationsstruktur

Unter dem Kommando von „Digital“, der auch die Beschaffung in den Niederlanden organisiert haben soll, war etwa ein Mitglied zur Aufbereitung der Drogenportionen eingeteilt, andere für den Import und die Versorgung von anderen Dealern sowie andere ausschließlich für den direkten Verkauf an Konsumenten.

Dabei hatte „Digital“ offenbar mitunter Schwierigkeiten mit der Disziplin seiner Mitarbeiter. So ging aus einer Telefonüberwachung recht deutlich hervor, dass er an jenem Tag redliche Mühe hatte, seine Leute dazu zu bringen, Kokain mit Bus und Bahn nach Luxemburg zu bringen.

Die vielen "Irrtümer" der Polizei

Im Prozess bestanden die Beschuldigten darauf, diese dokumentierten Fahrten jedes Mal lediglich für den Verkauf einer einzelnen Portion von etwa 0,5 Gramm in Kauf genommen zu haben. Dagegen sprechen allerdings sehr beeindruckende Drogenmengen, die den zahlreichen Telefongesprächen entnommen werden konnten und die hohen Bargeldsummen sowie Drogenmengen, die bei der Festnahme sichergestellt wurden.

Die Erklärungsversuche etwa jenes Mannes aus Bereldingen, bei dem die Polizei 113 Gramm Kokain sicherstellte und der bei vier Gelegenheiten einen einfachen "Irrtum" der Polizei erwog, erschienen dabei derart an den Haaren herbeigezogen, dass im Verhandlungssaal selbst die Mitangeklagten schmunzeln mussten.

Der Prozess wird am Mittwochvormittag mit den Plädoyers der Verteidigung fortgesetzt.


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