Prozess um Drogenbande aus Longwy

Gemeinsam und doch jeder für sich

Die Anwälte haben das Wort

Die Bande belieferte den Ermittlungen zufolge Dealer und Konsumenten in Gaststätten in der Rue du Fort Neipperg und in der Rue de Bonnevoie.
Die Bande belieferte den Ermittlungen zufolge Dealer und Konsumenten in Gaststätten in der Rue du Fort Neipperg und in der Rue de Bonnevoie.
Foto: Steve Remesch/LW-Archiv

(str) - Keine qualifizierten Beweise und zu viele Mutmaßungen der Staatsanwaltschaft: So klang der Grundtenor aus den Plädoyers der sieben Verteidiger im Prozess gegen eine Drogenbande, die von Longwy aus Drogendealer und -konsumenten in Luxemburg versorgte.

Die zahlreichen Observierungen würden lediglich eines beweisen: Dass die Beschuldigten sich mit Bus und Bahn fortbewegten und andere Nigerianer besuchten.

„Mutmaßungen“

Die Telefonüberwachung sei zudem unvollständig, da sämtliche Gespräche, die im französischen Mobilfunknetz stattfanden, fehlen würden. Die Auswertung bestehe aus vielen Mutmaßungen. Und die Aussagen der Beschuldigten seien widersprüchlich. Die Anklage würde lediglich darauf beruhen, was die Staatsanwaltschaft denke, was geschehen sei.

Zudem würden außer den 332 Gramm Kokain, die in Longwy sichergestellt wurden, den 113 Gramm aus Bereldingen und den 126 Gramm aus Zolver keine konkreten Mengen genannt werden. Die Staatsanwaltschaft würde einfach behaupten, es ginge um „große Mengen“ Drogen, die an eine „hohe Zahl“ von Abnehmern weitergingen.

Besonders befürchten die Anwälte allerdings offensichtlich die Anwendung des Art. 10 aus dem Drogengesetz, der wesentlich höhere Strafen vorsieht, wenn der Drogenhandel innerhalb von einer kriminellen Organisation erfolgt.

Unisono betonten die Verteidiger, dass es in diesem Fall keine solche Organisation gebe. Es gebe keine autoritäre Hierarchie. Es gebe kein gemeinsames Ziel, da jeder der Beschuldigten auf eigene Faust mit Drogen gehandelt habe und es ginge letztendlich auch nur um geringe Mengen.

Verweis auf „Hells Angels“-Prozess

Zudem verwiesen mehrere der Anwälte auf den kürzlich abgeschlossenen „Hells Angels“-Drogenprozess, bei dem das Gericht in erster Instanz die Beweislast von einer ganzen Reihe von Indizien zurückgewiesen und auch die Täterstruktur nicht als kriminelle Organisation eingestuft hatte.

Wenn die Vertreterin der Staatsanwaltschaft am Montagnachmittag das Wort ergreifen wird, ist kaum davon auszugehen, dass sie die Ansicht der Verteidiger teilen wird. Denn die zum Prozessauftakt vorgetragenen Ermittlungsergebnisse haben sehr deutlich Hinweise für ein klar strukturiertes und systematisches Vorgehen der Täter, die als Nachfolger der „G33“-Bande aus Wasserbillig gelten, gegeben.

Fortsetzung folgt ...

Weiteren Einblick in die Entwicklung des Drogenhandels in Luxemburg wird dann voraussichtlich Mitte des Jahres der Prozess gegen eine weitere nigerianische Tätergruppe geben, der die Ermittler im Rahmen dieses Verfahrens auf die Spur gekommen waren.

Diese Täter, die auch von der Bande aus Longwy mit Kokain versorgt worden waren, hatten in Sandweiler-Gare nämlich eine etwas betuchtere Klientel bedient, als die anderen Gruppen, die im Bahnhofsviertel Straßenhandel betrieben