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Vier Jahre Haft gefordert
Lokales 2 Min. 17.12.2015 Aus unserem online-Archiv
Prozess um den Tod einer Polizistin

Vier Jahre Haft gefordert

In den frühen Morgenstunden des 5. Juni war es zu dem tragischen Unfall in Dippach gekommen.
Prozess um den Tod einer Polizistin

Vier Jahre Haft gefordert

In den frühen Morgenstunden des 5. Juni war es zu dem tragischen Unfall in Dippach gekommen.
Foto: Polizei
Lokales 2 Min. 17.12.2015 Aus unserem online-Archiv
Prozess um den Tod einer Polizistin

Vier Jahre Haft gefordert

Eine vierjährige Haftstrafe forderte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag für den 36-jährigen Mann, der für den Tod einer Polizistin bei einer Verkehrskontrolle verantwortlich ist.

(str) - Drei Mal war Pascal T. unter Alkohol- bzw. Drogeneinfluss im Straßenverkehr erwischt worden, bevor er am vergangenen 5. Juni im Rauschzustand eine Polizistin anfuhr und tötete. Eine Erklärung dafür, warum er sich ans Steuer setzte, obwohl ihm bewusst war, zu viel Alkohol getrunken zu haben, und wie es zum Unfall kam, konnte er nicht geben.

„Ich habe nichts gesehen, nichts bemerkt“, erklärte der Beschuldigte der vorsitzenden Richterin am Donnerstag. „Dann krachte es auf einmal. Der Airbag war nicht ausgelöst worden, deshalb dachte ich, ich hätte bloß irgendetwas erfasst“.

Pascal T. bestätigte damit zwar seine Aussage gegenüber dem Untersuchungsrichter, widersprach aber komplett jenen Angaben, die er gegenüber dem psychiatrischen Gutachter gemacht hatte. Dem hatte er gesagt, er habe die Polizistin mit dem Leuchtkegel sehr wohl gesehen, genau wie auch den Wagen am Fahrbahnrand.

"Gar nichts mehr mitbekommen"

Im Gerichtssaal konnte er diesen Widerspruch nicht wirklich erklären. Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass er in Schlangenlinien gefahren sei. „Das heißt, Sie waren so betrunken, dass Sie gar nichts mehr mitbekommen haben“, fragte ihn Richterin Sylvie Conter. „Weder, dass Sie den Wagen gerammt, noch dass die Polizistin mit dem Kopf gegen Ihre Windschutzscheibe geschleudert wurde“.

Er sei vielleicht zu sehr in Gedanken gewesen. Er habe danach viele Bilder des Unfalls im Kopf gehabt. Er habe den Kontrollposten vielleicht gesehen, aber nicht wirklich registriert, so Pascal T. Er verstehe heute selbst nicht, was passiert sei.

Bereits das vierte Mal

„Es tut mir wirklich furchtbar leid“, beteuerte er. „Für die Kinder, die Familie, den Lebenspartner der Frau, die durch meine Dummheit ihr Leben verloren hat“. Die Reue stelle man nicht in Frage, versicherte ihm die Richterin. Unerklärlich sei aber, dass er bereits drei Mal unter Alkohol- und Drogeneinfluss im Verkehr erwischt worden sei und trotzdem nichts dazugelernt habe.

Tatsächlich hatte Pascal T. im August 2010 einen selbst verschuldeten Unfall nur sehr knapp überlebt. Er war mit seinem Wagen ungebremst in Kirchberg in das Geländer der Unterführung am Kreisverkehr Serra gefahren. Sein Wagen wurde der Länge nach aufgeschlitzt und war bis zur Hinterachse gespalten. Der Motorblock war aufgrund der hohen Geschwindigkeit 152 Meter weit aus dem Wagen geschleudert worden.

Bei dem Unfall im August 2010 war Pascal T. lebensgefährlich verletzt worden. Rettungskräfte brauchten damals mehr als eine Stunde, um ihn aus dem Fahrzeugwrack zu bergen.
Bei dem Unfall im August 2010 war Pascal T. lebensgefährlich verletzt worden. Rettungskräfte brauchten damals mehr als eine Stunde, um ihn aus dem Fahrzeugwrack zu bergen.
Foto: Laurent Blum / Archiv

Zudem war er einmal – als Beifahrer – beim Drogenkonsum in einem Auto erwischt worden und im Mai 2014 mit 2,13 Promille am Steuer. Da trotz eines Promillewerts von 1,35 Promille beim Unfall im Jahr 2010 der Medikamentenkonsum als Unfallursache festgehalten wurde, galt Pascal T. 2014 als Ersttäter. Sein Führerscheinentzug wurde daher zur Bewährung ausgesetzt.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Marc Schiltz, forderte eine Haftstrafe von vier Jahren für den 36-Jährigen. Angesichts der Vorgeschichte des Angeklagten hielt er einen Strafaufschub nicht für angebracht. Falls es ihn doch gebe, sollte er die Hälfte der geforderten Haftstrafe nicht übersteigen. Dazu kommen Schadensersatzforderungen der Opferfamilie in Höhe von insgesamt 511 600 Euro.

Das Urteil ergeht am 20. Januar.


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