Prozess nach Überfall auf "Parking Aldringen"

Die Parkhausräuber und die Frage nach dem Safe

Der Überfall ereignete sich einen Tag bevor das Parkhaus seine Türen schloss.
Der Überfall ereignete sich einen Tag bevor das Parkhaus seine Türen schloss.
Foto: Anouk Antony

(SH) - „Ich befand mich auf der Nachtschicht, als ich plötzlich Geschrei hörte. Als ich aufblickte, habe ich zwei maskierte Männer gesehen. Anfangs dachte ich an einen schlechten Witz. Dann sah ich jedoch eine Tasche, aus der die Täter etwas Schwarzes nahmen. In meinen Augen eine Waffe. Ich habe Panik bekommen und wollte in einen Hinterraum flüchten, um mich in Sicherheit zu bringen. Die Tür zu diesem Raum war jedoch verschwunden“, erinnert sich der ehemalige Wächter des „Parking Aldringen“ an jenen Überfall, zu dem es in der Nacht zum 27. Februar 2015 gekommen war. Eine Erklärung zur „verschwundenen Tür“ gibt es in der Verhandlung nicht.

Der Parkwächter erzählt weiter: Er habe sich dann aus Reflex auf den Boden gelegt und um sein Leben gebangt. Auch sein Handy habe er den Tätern gegeben. Er wisse jedoch nicht mehr, ob er dies auf Anforderung der Einbrecher oder freiwillig getan habe.

Die Täter schlugen unterdessen mit einem Schraubenschlüssel die Glastür der Wächterkabine ein und sicherten sich einen Teil der Einnahmen aus der Tageskasse – etwas mehr als 1.600 Euro. Auch den Safe wollten sie mitgehen lassen, dieser passte jedoch nicht in die dafür vorgesehene Tasche. Dennoch rollten sie ihn auf einem Bürostuhl in Richtung Ausgang. „Als ich die Räder des Stuhls hörte, traute ich mich wieder aufzublicken. Dann habe ich die Polizei verständigt“, erklärt der Wächter weiter.

DNS-Spuren überführen Täter

Als die Beamten vor Ort ankamen, hatten die beiden Täter bereits die Flucht ergriffen. Anhand von DNS-Spuren am Tatort konnten jedoch Franck A. und Jean-Claude S. ermittelt werden. Beide mussten sich am Donnerstag vor Gericht verantworten. Dabei gaben sie zu, den Überfall durchgeführt zu haben – in den Details wichen ihre Versionen jedoch voneinander ab. Während Jean-Claude S. sagte, er sei davon ausgegangen, dass ein Auto nach dem Überfall auf die Täter warten würde, sprach Franck A. von einer Flucht mit dem Bus. Der Safe hätte seinem Plan zufolge in einem Müllcontainer transportiert werden sollen.

Einig waren sie sich unterdessen, dass sie keine Waffe benutzt hatten. In der Tat steht die Frage, ob die Täter eine Waffe bei sich trugen, im Raum. Franck A. und Jean-Claude S. streiten dies ab. Die Ermittler tappen im Dunkeln, denn auf Bilder der Sicherungskameras konnten sie nicht zurückgreifen: Diese waren einen Tag vor der definitiven Schließung des Parkhauses wegen Bauarbeiten bereits nicht mehr in Funktion.

Angeklagt ist zudem Raymond D., der als Wächter im Parkhaus arbeitete. Ihm wird vorgeworfen, Franck A. und Jean-Claude S. darüber informiert zu haben, wo sich der Safe befand und dass die Kameras nicht funktionierten. Im Gegenzug hierzu hätte er einen Teil der Beute einstreichen sollen. Raymond D. stritt dies allerdings ab.

Der Prozess wird am 20. Oktober fortgesetzt.

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