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Prozess nach Arbeitsunfall: die Frage der Verantwortung
Lokales 2 Min. 18.02.2019

Prozess nach Arbeitsunfall: die Frage der Verantwortung

Lokales 2 Min. 18.02.2019

Prozess nach Arbeitsunfall: die Frage der Verantwortung

Ein Arbeitsunfall aus dem Jahr 2011 beschäftigt derzeit die Richter. Es bestehen aber Zweifel, inwiefern das angeklagte Unternehmen tatsächlich Verantwortung trägt.


Bei einem Sturz war ein Arbeiter schwer verletzt worden.
Bei einem Sturz war ein Arbeiter schwer verletzt worden.
Foto: Polizei

(SH) - Als sich am frühen Vormittag des 27. September 2011 auf der Baustelle des europäischen Rechnungshofes in der Rue Rue Alcide de Gasperi in Luxemburg-Kirchberg ein Teil eines mobilen Gerüstes löst, fällt ein Arbeiter von einer Plattform mehrere Meter in die Tiefe. Dabei wird er so schwer verletzt, dass er ins künstliche Koma versetzt werden muss. Zwar kann er nach zweieinhalb Monaten das Krankenhaus verlassen, allerdings leidet der mittlerweile 30-Jährige heute immer noch unter den Spätfolgen des Unfalls und ist weiterhin arbeitsunfähig. Zwei weitere Arbeiter hatten mehr Glück. Sie wurden nur leicht verletzt.

Auch über sieben Jahre später ist unterdessen weiterhin unklar, wer die Verantwortung für den Unfall trägt. Wohl musste sich der Geschäftsführer jenes Unternehmens, das das Baugerüst zur Verfügung gestellt hatte, nun vor Gericht verantworten. Abzuwarten bleibt aber, ob es zu einer Verurteilung kommen wird.

Denn die Experten waren sich wohl einig, dass es zu dem Unfall gekommen war, nachdem sich ein Blech verbogen hatte. Und dass es durch eine äußere Krafteinwirkung zu der Verbiegung gekommen war. Welche Einwirkung dies war, bleibt jedoch ungewiss. „Wir kennen den einen Grund nicht“, so einer der Experten.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sprach denn auch von Zweifeln. So seien wohl einige Fehler angesprochen worden – etwa dass Förder- und Sicherheitsseil an einem gemeinsamen Befestigungspunkt fixiert waren, dass das Blech elastischer hätte sein müssen und mögliche Probleme mit der Konformität. Ob diese jedoch in einem kausalen Zusammenhang mit dem Unfall – und somit den Verletzungen – stehen, sei nicht definitiv geklärt.

Arbeiter nicht eingewiesen

Die Verteidigung sieht den Fehler ohnehin nicht beim Unternehmen, das das Gerüst zur Verfügung stellte. In ihren Augen leistete sich eher vielmehr jene Firma, die mit den Arbeiten beauftragt worden war, ein Fehlverhalten. Denn bei jenen drei Personen, die im September 2011 verletzt worden waren, handelte es sich nicht um diejenigen, die von der nun angeklagten Gesellschaft über den Umgang mit dem mobilen Gerüst eingewiesen worden waren. „Sie hätten es nicht bedienen dürfen“, so die Aussage.

Die Verteidigung wies demnach auch die Schadenersatzforderungen zurück. Der schwer verletzte Arbeiter, der mittlerweile wieder in Polen lebt, hatte über eine Anwältin 75 000 Euro beantragt. Eine Versicherungsgesellschaft forderte die Kosten der medizinischen Versorgung – fast 150 000 Euro – zurück.

Die Richter geben ihr Urteil am 7. März bekannt.

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