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Prozess: Missbrauch oder falsche Anschuldigungen?
Lokales 2 Min. 15.03.2017 Aus unserem online-Archiv

Prozess: Missbrauch oder falsche Anschuldigungen?

Prozess: Missbrauch oder falsche Anschuldigungen?

Foto: Marc Wilwert/LW-Archiv
Lokales 2 Min. 15.03.2017 Aus unserem online-Archiv

Prozess: Missbrauch oder falsche Anschuldigungen?

Michel THIEL
Michel THIEL
Ein 36-Jähriger wurde ursprünglich wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung und Besitz von pädopornografischem Material angeklagt. Vor Gericht blieb nur die Nötigung und selbst hier bestehen Zweifel an den Anschuldigungen.

(mth) - Miguel D. beteuerte von Anfang an seine Unschuld, die Beweislage ist dürftig und eine Reihe von Zeugenaussagen und Indizien sprechen dafür, dass er unschuldig ist. Trotzdem musste der 36-Jährige sich am Mittwoch wegen sexueller Nötigung zweier minderjähriger Mädchen, darunter seiner Stieftochter, vor dem Bezirksgericht Luxemburg verantworten.

Die ihm vorgeworfenen Tatbestände gehen auf Ende 2010 beziehungsweise Ende 2011 zurück. D. soll seine Stieftochter, die ihn zuvor gebeten hatte, ihm den Rücken zu massieren, an den Brüsten und am Gesäß angefasst haben. Ein Jahr später soll er eine Freundin seiner Stieftochter in die Unterwäsche gegriffen haben. Die angeblichen Übergriffen waren 2014 ans Licht gekommen, nachdem die beiden Mädchen sich der Polizei anvertraut und Klage eingereicht hatten.

Die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft gingen zunächst über den Vorwurf der sexuellen Nötigung hinaus. Tatsächlich waren nach der Beschlagnahme der digitalen Geräte des Beschuldigten drei Fotos gefunden, die möglicherweise pädopornografischer Natur waren.

Weder Kinderpornos noch Vergewaltigung

Möglicherweise, da selbst der Vertreter der Staatsanwaltschaft dies vor Gericht als nicht zweifelsfrei erwiesen ansah und deswegen forderte, diesen Anklagepunkt fallen zu lassen. Tatsächlich wurden unter den über 100.000 Bildern, die auf den Rechnern des Angeklagten gefunden wurden, nur drei gefunden, die möglicherweise minderjährige Mädchen zeigen. Bewiesen oder beweisbar wäre dies laut Staatsanwaltschaft jedoch nicht.

Auch der ursprünglich zurückbehaltene Anklagepunkt der Vergewaltigung sollte keinen Bestand haben. Ursprünglich waren die Ermittler aufgrund der Aussagen der Freundin der Stieftochter davon ausgegangen, dass D. diese mit einem Finger vaginal penetriert hatte. Einer späteren Aussage zufolge soll er dem Mädchen allerdings nur in die Unterhose gefasst haben - ein Unterschied, der strafrechtlich sexuelle Nötigung von Vergewaltigung unterscheidet.

Die beiden Mädchen wollten vor Gericht ihren früheren Aussagen gegenüber den Ermittlern nichts hinzufügen. Der Anwalt des Angeklagten sah seinen Mandanten als Opfer falscher Anschuldigungen. Dessen Stieftochter sei mit diesem in Konflikt geraten, da sie mit seinen autoritären Erziehungsmethoden nicht klargekommen sei. Die Freundin habe lediglich versucht, den Beschuldigten weiter mit ebenfalls haltlosen Anschuldigungen zu belasten.

Für die Staatsanwaltschaft ist der Tatbestand der sexuellen Nötigung in zwei Fällen allerdings zurück zu behalten, auch wenn die beiden anderen Tatbestände nicht gegeben seien. Die Aussagen der beiden Opfer seien glaubwürdig und laut einem psychologischen Gutachten sei es kaum anzunehmen, dass die Mädchen die Übergriffe frei erfunden hätten.

Da der Angeklagte nicht vorbestraft sei und die Übergriffe punktuell stattgefunden hätten, sei jedoch von einer hohen Strafe abzusehen. Die Forderung lautete daher auf 12 Monate Haft auf Bewährung. Das Urteil fällt am 4. Mai.


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