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Prozess: "Medium" betrügt Opfer um mehr als 115.000 Euro
Lokales 2 Min. 12.12.2019

Prozess: "Medium" betrügt Opfer um mehr als 115.000 Euro

Die Liste der Anklagepunkte gegen Sekou D. ist lang: Der 27-Jährige muss sich wegen Betruges, Diebstahls, Ausnutzung eines Schwächezustands und Geldwäsche vor Gericht verantworten.

Prozess: "Medium" betrügt Opfer um mehr als 115.000 Euro

Die Liste der Anklagepunkte gegen Sekou D. ist lang: Der 27-Jährige muss sich wegen Betruges, Diebstahls, Ausnutzung eines Schwächezustands und Geldwäsche vor Gericht verantworten.
Foto: Nico Muller
Lokales 2 Min. 12.12.2019

Prozess: "Medium" betrügt Opfer um mehr als 115.000 Euro

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Er machte verzweifelten Menschen Hoffnung, versprach ihnen Unterstützung von Geistern. Dafür kassierte er hohe Geldbeträge ein. Nun steht der Mann vor Gericht.

Sekou D. spricht mit Geistern. Mit ihrer Hilfe löst er Familien- und Beziehungsprobleme, heilt schwere Krankheiten – so verspricht er es zumindest. Das „Grand Médium“ bietet seine Dienste unter den Namen Jamal Jamsel und Professor Diama an, veröffentlicht Anzeigen im Internet und verteilt seine Visitenkarten in Briefkästen, bis dass Polizisten ihn schließlich im Juni 2018 verhaften.

Betrug, Diebstahl, Ausnutzung eines Schwächezustands (Abus de faiblesse) und Geldwäsche: Die Liste der Anklagepunkte gegen Sekou D. ist lang. Der 27-jährige Mann muss sich zurzeit vor dem Bezirksgericht Diekirch verantworten, da er mehrere Personen innerhalb von zwölf Monaten um insgesamt mehr als 115.000 Euro gebracht haben soll. Mehr als die Hälfte des Betrages stammt von einem einzigen Opfer.

Sekou D. spricht Maria A.* erstmals im Januar 2018 in ihrem Restaurant an, sagt, er wisse von ihren gesundheitlichen Problemen und er könne ihr helfen. Er erzählt von seinen heilenden Kräften, wie er ein Mädchen aus Fels, angeblich, vom Krebs geheilt hat. Die damals 45-Jährige vertraut ihm, gibt ihm 1.700 Euro für seine Dienste.


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Als die Heilung aber nicht einsetzt, sagt Sekou D. mehrmals, dass die Geister ein weiteres Opfer verlangen. Unter anderem sollen zehn schwarze und weiße Rinder in einem vermeintlichen heiligen Wald geschlachtet werden. Die Tiere bekommt Maria A. nie zu Gesicht, bezahlt aber für das Opfer etwa 20.000 Euro.

Nachdem die Frau bereits insgesamt 55.000 Euro für verschiedene Rituale gezahlt hat, fordert Sekou D. weitere 30.000 Euro. Immer wieder verspricht er ihr, dass die Geister das Geld schon bald zurückzahlen werden. Die Geister hatten ihm allerdings verschwiegen, dass sein Opfer mittlerweile Verdacht geschöpft und die Polizei eingeschaltet hat. Die Beamten überwachen die Übergabe des Geldes, verhaften ihn.

Die Geister, die er rief

Durch die Auswertung seiner Telefone konnten zahlreiche weitere Opfer identifiziert werden. Ihre Geschichten ähneln sich, mehrmals soll Sekou D. auch Druck ausgeübt und sie zu Zahlungen gedrängt haben. So erzählte er etwa einer Frau, ihr Mann könnte sterben, wenn sie nicht zu einem Opfer bereit wäre.

Seinen Glauben an die Geister hat Sekou D. bis heute nicht verloren. So schildert er es auch einem Psychiater. Dessen Einschätzung zufolge ist Sekou D. allerdings vollkommen schuldfähig. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mann wieder seine Dienste als Medium anbieten wird, sei zudem sehr hoch.


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Vor Gericht zeigt Sekou D. wenig Einsicht, sagt, dass er keine betrügerischen Absichten gehabt und das Geld nur für die Opfer und Rituale gebraucht habe. Behalten habe er es nicht. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft zeigt sich von den Schilderungen des Angeklagten allerdings nicht überzeugt. Er fordert eine Haftstrafe von drei Jahren, die nur unter der Bedingung, dass Sekou D. seine Opfer entschädigt, zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Maria A. will indes ihr Geld zurück und fordert ein Schmerzensgeld in Höhe von 50.000 Euro. Die Richter fällen ihr Urteil am 30. Januar.

*Name von der Redaktion geändert


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