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Prozess: Mann tritt schwangere Frau in den Bauch, um Kind zu töten
Lokales 3 Min. 27.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Prozess: Mann tritt schwangere Frau in den Bauch, um Kind zu töten

Nachdem das Opfer seine Aussagen widerrufen hat, müssen die Richter nun entscheiden, welcher ihrer Darstellungen sie mehr glauben sollen: jener bei der Polizei oder jener vor Gericht.

Prozess: Mann tritt schwangere Frau in den Bauch, um Kind zu töten

Nachdem das Opfer seine Aussagen widerrufen hat, müssen die Richter nun entscheiden, welcher ihrer Darstellungen sie mehr glauben sollen: jener bei der Polizei oder jener vor Gericht.
Foto: Lex Kleren
Lokales 3 Min. 27.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Prozess: Mann tritt schwangere Frau in den Bauch, um Kind zu töten

Ein 28-jähriger Mann wird beschuldigt, seine Lebensgefährtin schwer misshandelt zu haben. Doch die will nicht gegen den Vater ihres neugeborenen Kindes aussagen.

(str) - Die Tatvorwürfe gegen den 28-jährigen Franzosen sind schwerwiegend: Ihm wird neben anderen Gewalttätigkeiten gegenüber seiner schwangeren Freundin auch vorgeworfen, dieser Faustschläge und Fußtritte in den Bauch verpasst zu haben, um das ungeborene Kind zu töten. Doch im Prozess bestreitet er diese Taten und auch das mutmaßliche Opfer will seine Aussagen zurückziehen. Das Verhalten des Mannes im Gerichtssaal erzählt allerdings eine andere Geschichte.

Gewalt auf der Tagesordnung

Es ist ein Fall voller Widersprüche: Er sagt, er habe noch nie auch nur einer Fliege etwas zuleide getan. Später räumt er ein, er habe seiner 27-jährigen Freundin lediglich Ohrfeigen verpasst, weil er sie vom Kokainkonsum abbringen wollte – weil sie schwanger war und er kein behindertes Kind wollte.

Doch eigentlich begannen die Schläge bereits kurz nach Beginn ihrer Beziehung, im November 2018, wie Polizeiberichte belegen.

Opfer: „Gelogen für Kokain“

Sie sagt, sie habe bei der Polizei stets gelogen, damit diese ihren Freund kurz mal fernhalte, damit sie in Ruhe Drogen konsumieren könne. Dabei habe sie stets übertrieben. Die Verwundungen, die die Polizeibeamten festgestellt hätten, würden von nigerianischen Drogendealern stammen, nicht von ihrem Freund.

So habe sie, die damals im dritten Monat schwanger war, auch gelogen, als sie im Mai 2019 bei der Polizei aussagte, ihr Freund habe ihr sowohl mindestens viermal mit der Faust in den Bauch geschlagen als auch sie mit dem Fuß getreten – nach der Ankündigung: „Je vais te faire tomber l’enfant“.

Zeugenaussage aus zweiter Hand

Diese Darstellung wurde allerdings auch von einer Augenzeugin bei der Polizei bestätigt. Im Prozess musste die Zeugin dann aber einräumen, dass sie selbst nur die Auseinandersetzung gesehen habe, nicht aber die Schläge. Von diesen habe ihr ein weiterer ihr nicht namentlich bekannter Augenzeuge erzählt, woraufhin sie den Notruf gewählt habe.

Im Prozess schienen weder die Richter noch die Staatsanwaltschaft den Beteuerungen des Angeklagten und des mutmaßlichen Opfers Glauben zu schenken. Die 27-jährige Frau vermittelte zudem den Eindruck, alles daran setzen zu wollen, den Vater ihres nun Anfang Dezember geborenen Sohnes schützen zu wollen.

Anklage fordert vier Jahre Haft

Bei dem mutmaßlichen Angriff im Mai schienen weder Mutter noch Kind Schaden davongetragen zu haben. Allerdings ist der Säugling stark untergewichtig und befindet sich deshalb immer noch auf der Intensivstation.

Die Vertreterin der Anklage forderte letztlich eine Haftstrafe von vier Jahren gegen den Angeklagten und das wegen Körperverletzung in einer Partnerschaft und versuchter Abtreibung. Sie führte zudem aus, dass der Angeklagte bereits im Mai nach seiner Festnahme auf dem Weg zur Untersuchungshaft den begleitenden Polizisten angekündigt hatte, falls das ungeborene Kind überlebe, werde er Drogenabhängige bezahlen, damit diese „die Drecksarbeit erledigen“ würden.

Drohungen im Gerichtssaal

Im Prozess zeigte sich der 28-Jährige von einer ähnlich bedrohlichen Seite. Während seine Anwältin vor den Richtern auf die Strafforderung der Staatsanwaltschaft reagierte, machte er deutliche bedrohliche Gesten gegenüber der 27-Jährigen. Jenseits der Blicke der Richter zeigte er seiner Freundin in Anlehnung an die Strafforderung mehrfach vier Finger, ballte dann die Faust und zog eine bedrohliche Grimasse. Später deutete er mit der rechten Hand eine Pistole an und einen Schuss in Richtung seiner Verteidigerin.


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Nach dem Ende der Verhandlung versuchte die junge Frau, ihrem Freund vor dem Gerichtssaal laut schluchzend Fotos des neugeborenen gemeinsamen Sohnes zuzustecken. Dabei kam es erneut zu einem Wutausbruch des Angeklagten, der damit endete, dass vier Polizisten den Mann überwältigen und abführen mussten.

Die Richter müssen nun entscheiden, ob die düstere Märchenstunde des mutmaßlichen Opfers bei der Polizei erfolgte, oder erst beim Widerruf im Gerichtssaal. Das Urteil ergeht am 23. Januar.


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