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Prozess in Diekirch: Von Jägern und Mördern
Lokales 16.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Prozess in Diekirch: Von Jägern und Mördern

Laut Kläger soll Armand Clesse Jäger nicht nur in einer RTL-Sendung öffentlich diffamiert haben, sondern auch bereits in den Jahren 2013 und 2014 – wie Youtube-Videos belegen würden.

Prozess in Diekirch: Von Jägern und Mördern

Laut Kläger soll Armand Clesse Jäger nicht nur in einer RTL-Sendung öffentlich diffamiert haben, sondern auch bereits in den Jahren 2013 und 2014 – wie Youtube-Videos belegen würden.
Foto: Claude Piscitelli
Lokales 16.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Prozess in Diekirch: Von Jägern und Mördern

In einem Prozess um Diffamierung und Beleidigung musste sich am Montag ein Tierrechtler vor dem Strafgericht verantworten.

(str) - Er wollte den Prozess als Bühne für seine Überzeugungen als Jagdgegner nutzen. Das gelang dem Tierrechtler Armand Clesse am Montag vor dem Bezirksgericht Diekirch aber nur zum Teil, denn im Vordergrund standen die juristischen Fragen.

Der ehemalige Universitätsprofessor Clesse hatte im vergangenen Februar in einer RTL-Radiosendung Jäger und Jagd heftig kritisiert. Dabei bezeichnete er Jäger als barbarisch und die Jagd als vorsätzlichen Mord.

Privatklage von zwei Jägern

Letzterer Punkt bewegte schließlich zwei Jäger zu einer Privatklage (Citation directe) wegen Diffamierung und Beleidigung gegen den Tierrechtler. Sie forderten eine strafrechtliche Verurteilung von Clesse und jeweils 2.500 Euro Schadenersatz.

Trotz eindringlicher Warnung des vorsitzenden Richters im Gerichtssaal keine Debatte für oder gegen die Jagd zu führen, trug Armand Clesse ein insgesamt 22-seitiges Plädoyer vor, das er selbst als Angriffsschrift bezeichnete. Dabei hob Clesse etwa hervor, dass zwischen Recht und Ethik unterschieden werden müsse. Der Mensch vergreife sich am Leben und das stehe diesem genau wie in Abtreibungsfragen nicht zu.

„Wollte niemanden beleidigen“

Zu den Tatvorwürfen selbst sagte er nur wenig: Er habe niemanden gezielt beleidigen wollen, er habe lediglich Jäger ganz allgemein als das darstellen wollen, was sie seiner Auffassung nach auch seien. Es gehe um eine Praxis, die er verurteile, nicht um Einzelpersonen. Ein ihm vorgeworfener Auschwitz-Vergleich sei zudem völlig aus dem Kontext gerissen worden.


Jagd Jäger
Jagdgegner am 16. Dezember vor Gericht
Am 16. Dezember muss sich der Tierrechtler Armand Clesse am Bezirksgericht Diekirch wegen Verleumdung verantworten. Kläger sind zwei Jäger.

Der Anwalt der beiden klagenden Jäger unterstrich, die Aussagen von Clesse würden weit über die freie Meinungsäußerung hinausgehen. Jagd sei ein Recht und Jäger als Mörder darzustellen eine Verleumdung.

Dem widersprach erwartungsgemäß der Verteidiger von Armand Clesse. Die Jäger hätten keinen Schaden erlitten und Clesse habe die Jäger auch nie direkt als Mörder bezeichnet, so der Anwalt. Die harsche Kritik sei nicht entehrend gewesen. Sein Mandant sei freizusprechen.

Staatsanwaltschaft: Beleidigung, nicht Diffamierung

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, dem es bei einer Privatklage quasi als dritte Partei frei steht, eine Verurteilung zu beantragen, sah den Tatbestand der Diffamierung als nicht erwiesen an. Die Kläger seien keiner präzisen Tat bezichtigt worden.

Allerdings habe Clesse die Jäger sehr wohl beleidigt und dies auch noch im Verhandlungssaal wiederholt. Deshalb sei er zu verurteilen. Das Strafmaß überließ er den Richtern.

Das Urteil ergeht am 7. Februar.


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