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Prozess im "Hells Angels"-Umfeld: Beweismaterial gestohlen und mit ins Gefängnis genommen
Lokales 04.04.2017 Aus unserem online-Archiv

Prozess im "Hells Angels"-Umfeld: Beweismaterial gestohlen und mit ins Gefängnis genommen

Prozess im "Hells Angels"-Umfeld: Beweismaterial gestohlen und mit ins Gefängnis genommen

Foto: Marc Wilwert/LW-Archiv
Lokales 04.04.2017 Aus unserem online-Archiv

Prozess im "Hells Angels"-Umfeld: Beweismaterial gestohlen und mit ins Gefängnis genommen

Michel THIEL
Michel THIEL
Boban B. wollte wissen, was eine Freundin gegen ihn ausgesagt hatte. Da er in Untersuchungshaft saß und über seinen Anwalt keinen Zugriff auf die Vernehmung bekam, half er sich kurzerhand selbst.

(mth) - Wegen eines Erpressungsversuchs, dem Besitz unerlaubter Waffen sowie des Diebstahls von Beweismaterial müssen sich seit Dienstagmorgen ein 31-Jähriger sowie fünf seiner Bekannten vor Gericht verantworten.

Das Besondere an dem Prozess: der Hauptangeklagte mit Verbindungen zu den "Hells Angels" sitzt derzeit wegen Drogenhandels in Untersuchungshaft. Boban B. stahl fünf DVDs einer Ermittlungsakte aus dem Büro des Untersuchungsrichters, wo er zu einer Vernehmung geladen war.

Auf den Datenträgern war die mehrstündige Videovernehmung seiner Ex-Freundin, die in einem anderen Verfahren gegen ihn ausgesagt hatte. Er setzte die Frau ebenfalls unter Druck, mehrere seiner Freunde halfen ihm dabei.

Die DVDs wurden in seiner Zelle im "Centre pénitentiaire de Luxembourg" gefunden und waren nicht einmal versteckt. Auf die Frage der vorsitzenden Richterin, wie er die Aufnahmen mit ins Gefängnis gebracht habe, sagte B., er habe diese während der Durchsuchung bei seiner Rückkehr ins Gefängnis unter einem Stapel Unterlagen versteckt. Die Wärter hätten nichts bemerkt. Er "habe nur sehen wollen, was seine Freundin gegen ihn ausgesagt habe".

B. und den anderen Angeklagten wird konkret vorgeworfen, die Ex-Freundin mit mehreren hundert Kurzmitteilungen, Telefonanrufen und Botschaften auf sozialen Netzwerken belästigt und unter Druck gesetzt zu haben. B. soll der Frau zudem gedroht haben, Nacktfotos von ihr zu veröffentlichen, falls sie eine Klage wegen Stalkings nicht zurückziehe.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.


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