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Prozess: Geiselnehmer vereiteln Fluchtversuch
Lokales 2 Min. 29.11.2019

Prozess: Geiselnehmer vereiteln Fluchtversuch

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

Prozess: Geiselnehmer vereiteln Fluchtversuch

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.
Foto: Lex Kleren
Lokales 2 Min. 29.11.2019

Prozess: Geiselnehmer vereiteln Fluchtversuch

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Er will mit einem arabischen Prinzen Geschäfte machen und gerät dabei in die Falle von Verbrechern. Die Warnsignale sieht das Opfer bis zum Schluss nicht.

Eine Kopfwunde, ein teils abgerissenes Ohr und eine gebrochene Rippe: Die Verletzungen, die seine Peiniger Louis R.* nach einem Fluchtversuch am 12. Dezember 2012 zufügen, sind schmerzhaft, aber sie heilen im Laufe der Zeit. Den Schock, den die Geiselnahme hinterlässt, merkt man dem 57-Jährigen sieben Jahre später allerdings noch an.

Im Zeugenstand spricht Louis R. leise, wählt seine Worte mit Bedacht, wenn er von den Ereignissen jenes Dezembers erzählt, in dem er von einem vermeintlichen Prinzen und dessen Sicherheitschef als Geisel genommen wurde. „Es fühlt sich so an, als sei an jenem Abend ein Teil von mir gestorben“, sagt er am Ende seiner Aussage.

Ali A. und Redda B. sitzen seit Dienstag gemeinsam mit zwei mutmaßlichen Komplizen auf der Anklagebank. Sie sollen Louis R. am 12. Dezember in seiner Wohnung in Luxemburg-Eich überfallen haben. Zuvor hatte Redda B. sich als Sicherheitschef eines arabischen Prinzen ausgegeben, der Investitionen tätigen will.


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Die Täter geben sich im Dezember 2012 gegenüber ihren Opfern als Vertreter einer arabischen Herrscherfamilie aus. Dann zeigen sie allerdings ihr wahres Gesicht.

Nach einigen Besprechungen kommt es zu einem Treffen in der Wohnung von Louis R. Dort zeigen die Männer ihr wahres Gesicht. Sie zücken Waffen, bedrohen den Mann. „Sie sagten, es sei nichts Persönliches, es gehe ihnen nur ums Geld“, erzählt Louis R.

Er wird an ein Bett gefesselt, als einer der Täter das Haus verlässt, versucht er, zu entkommen. Der vermeintliche Prinz hindert ihn allerdings daran, schlägt ihm mit einer Hantel auf den Hinterkopf. Dabei wird Louis R. am Ohr verletzt. Später erhält er Tritte in den Bauch, eine Rippe bricht.

Im Rückspiegel

Im Nachhinein kommen ihm viele Dinge verdächtig vor, antwortet Louis R. auf die Frage der vorsitzenden Richterin, ob die Geschichte vom arabischen Prinzen ihn nicht stutzig gemacht hätte. Als ein Mitarbeiter einer Treuhandgesellschaft ihm von den neuen potenziellen Kunden erzählte, sei er zwar skeptisch gewesen, der Mann habe ihn aber beruhigt. Weitere Warnsignale habe er nicht bemerkt. „Ich hätte misstrauischer sein müssen. Ich war aber naiv.“


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Die Männer zwingen ihn nicht nur, 140 000 Euro von einem Firmenkonto abheben und in die Wohnung bringen zu lassen. Er muss auch Uhrenhändler zu einem Treffen im Gebäude einer Treuhandgesellschaft einladen, wo es zu einer weiteren Geiselnahme kommt. Von den Angeklagten fordert Louis R. mehr als 375.000 Euro Schmerzensgeld.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

*Name von der Redaktion geändert


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