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Prozess gegen ehemaligen Belairer Pfarrer: Angeklagter demontiert sich selbst
Lokales 2 Min. 18.11.2016 Aus unserem online-Archiv

Prozess gegen ehemaligen Belairer Pfarrer: Angeklagter demontiert sich selbst

Prozess gegen ehemaligen Belairer Pfarrer: Angeklagter demontiert sich selbst

Foto: LW-Archiv/Marc Wilwert
Lokales 2 Min. 18.11.2016 Aus unserem online-Archiv

Prozess gegen ehemaligen Belairer Pfarrer: Angeklagter demontiert sich selbst

Michel THIEL
Michel THIEL
Der wegen Vergewaltigung angeklagte ehemalige Pfarrer von Belair gab am Freitag vor Gericht zu, entgegen vorheriger Aussagen an passivem Oralsex mit dem Opfer beteiligt gewesen zu sein - rechtlich gesehen ist damit ein Teil des Tatbestands der Vergewaltigung erfüllt.

 (mth) - Im Prozess gegen den ehemaligen Pfarrer von Belair, der 2008 einen Jugendlichen sexuell genötigt und vergewaltigt haben soll, kam am Freitagmorgen der Angeklagte zu Wort. Emile A. beschrieb, wie es während der Reise nach Taizé (F) aus seiner Sicht zu dem Vorfall gekommen sei. Während seiner gesamten Aussage blieb er bei der Darstellung, dass es das Opfer gewesen, sei, von dem die sexuellen Annäherungsversuche ausgingen.

Der Junge habe ihm bereits auf der Reise nach Frankreich „sexuelle Andeutungen gemacht“, sich im Schritt berührt, eindeutige Zeichen mit der Zunge gemacht und ihn während eines Zwischenstopps zu küssen versucht. Das Opfer dagegen hatte vor Gericht ausgesagt, dass jene Annäherungsversuche von dem Pfarrer ausgegangen seien.

Der Angeklagte behauptete, dass es bei einem anderen Ausflug in Luxemburg auch bereits zu einen Zwischenfall gekommen sei, den er persönlich als sexuell konnotiert empfunden habe. Der Junge habe einen Waschraum betreten, während er selbst beim Urinieren gewesen sei und sich neben ihn gestellt, um selbst zu urinieren.

Das Gericht bemerkte, dass dies auf Männertoiletten an sich nicht unüblich wäre und darin keine sexuelle Absicht zu erkennen sei. Der Angeklagte erwiderte, dass er nicht dieser Meinung sei und er das Verhalten des Jungen als sexuelle Aufdringlichkeit empfunden habe: „Wenn ein Erwachsener auf der Toilette ist, muss man als Jugendlicher warten, bis dieser fertig ist“.

Fellatio zugegeben

Für Erstaunen sorgten vor Gericht allerdings dann die Aussagen des Angeklagten, was die sexuellen Handlungen in einer Herberge in Taizé betraf. Er gab zu, dass der Junge seinen Penis in den Mund genommen habe. Der Angeklagte hatte dies zuvor zeitweise bestritten und nur die gegenseitige Masturbation zugegeben, welche unter den Tatbestand der sexuellen Nötigung fällt und einem vorherigen Urteil der Ratskammer des Berufungsgerichts zufolge mittlerweile verjährt wäre.

Der Anwalt der Zivilpartei, Me Rodesch, unterstrich diesen Sinneswandel des Angeklagten und wies darauf hin, dass dieser seine Aussage während des Verfahrens bereits zuvor mehrmals geändert habe. Während er gegenseitigen Oralsex gegenüber dem Untersuchungsrichter zugegeben habe, habe er diesen bei einer späteren Aussage dann wieder geleugnet oder angegeben, er „könne sich nicht erinnern“.

In einem Brief an das Erzbistum, mit dem er sich selbst anzeigen wollte, ging er gar nicht auf die Details der sexuellen Interaktion ein und am Freitag leugnete er nun lediglich, dass er selbst ebenfalls Oralsex an dem Jungen vollzogen habe - jene Darstellung also, die das Opfer selbst gab.

Während die widersprüchlichen Aussagen des Angeklagten ein schlechtes Licht auf dessen Glaubwürdigkeit werfen, nahm die Staatsanwaltschaft diese letzte Version offenbar zur Kenntnis, indem sie erneut nachfragte, ob der Angeklagte vom Opfer passiv Oralsex entgegengenommen habe - ein Akt also, der rechtlich gesehen einen Teil des Tatbestands der Vergewaltigung, nämlich eine Penetration, erfüllen würde.

Das Gericht muss nun beurteilen, ob dieser Akt unter Zwang, Einschüchterung oder gegen den eigentlichen Willen des Opfers stattfand. In diesem Fall wäre der Angeklagte schuldig zu sprechen.

Der Prozess wird am Dienstag mit den Plädoyers der Verteidigung sowie der Zivilpartei fortgesetzt, bevor es abschließend zur Strafforderung der Staatsanwaltschaft kommt.

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