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Prozess: Ein Dealer ohne Drogen
Lokales 2 Min. 18.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Prozess: Ein Dealer ohne Drogen

Polizeitaktik im Kampf gegen den Drogenhandel: Straßenabschnitte werden abgesperrt und dann mit Drogenspürhunden abgeschritten. Wer flüchtet, wird kontrolliert.

Prozess: Ein Dealer ohne Drogen

Polizeitaktik im Kampf gegen den Drogenhandel: Straßenabschnitte werden abgesperrt und dann mit Drogenspürhunden abgeschritten. Wer flüchtet, wird kontrolliert.
Foto: Steve Remesch / LW-Archiv
Lokales 2 Min. 18.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Prozess: Ein Dealer ohne Drogen

Bei seiner Festnahme stand er unter Verdacht mit Kokain zu handeln. Doch es wurde keines gefunden. Wegen seines extrem hohen Blutwertes fordert die Anklage nun aber eine Verurteilung wegen Besitzes.

(str) -  Es ist ein etwas ungewöhnlicher Drogenprozess: Einem Mann aus Nigeria, der als mutmaßlicher Rauschgifthändler festgenommen wurde, wird Drogenbesitz vorgeworfen. Dabei konnten bei seiner Verhaftung keine Drogen sichergestellt werden. Eine Analyse offenbarte allerdings einen extrem hohen Kokainwert in seinem Blut.

Großrazzia im Bahnhofsviertel

Hintergrund des Gerichtsverfahren ist eine Polizeiaktion am 29. März dieses Jahres. Dabei hatten 28 Polizisten an strategischen Orten im Bahnhofsviertel Stellung bezogen und so ganze Straßenzüge blockiert. Dann schritten die Beamten die Straßen mit einem Drogenhund ab. Bei 23 Passanten schlug der Hund an. Zwei Personen wurden einer Scanneruntersuchung unterzogen, weil der Verdacht bestand, sie hätten Drogen verschluckt. Bei drei weiteren Personen wurde Kokain sichergestellt. Gegen drei mutmaßliche Drogendealer wurde im Anschluss Anklage erhoben – darunter Lawrence O., der Angeklagte in diesem Prozess.


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Vor den Strafrichtern beteuerte er gestern, er sei kein Drogendealer, er habe an jenem Abend nur mit Freunden mehrere Joints geraucht, diese seien aber derart stark gewesen, dass er sich kaum noch erinnern könne. Sehr genau erinnerte er sich aber daran, warum er versucht hatte, den Polizisten zu entkommen: Er habe seinen Pass verloren.

Die Polizei zeichnete jedoch ein anderes Bild des Ablaufs. Lawrence O. habe beim Anblick der Polizei sofort die Flucht ergriffen. Als die Beamten ihn dann gestellt hätten, habe er sich mit Leibeskräften gegen eine Festnahme gewehrt. Zudem habe er sehr deutliche Schluckbewegungen gemacht, was den Verdacht nahegelegt habe, dass er Drogen verschluckt habe, um so einer Strafverfolgung zu entgehen.

Durchsuchung ohne Ergebnis

Eine Durchsuchung brachte keine Drogen zum Vorschein. Und auch der Verdacht der Beamten bestätigte sich zunächst nicht: Bei einer Scanneruntersuchung wurden keine Fremdkörper in Speiseröhre und Magen erkannt.

Vielsagend war dann aber die Blutanalyse des Verdächtigen: Diese offenbarte einen enorm hohen Kokainwert von 4 700 ng/ml. Selbst bei starken Konsumenten liegt dieser Wert jedoch üblicherweise nur bei rund 300 ng/ml.

Zwölf Monate Haft gefordert

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft wertete dies im Prozess als deutlichen Hinweis dafür, dass Lawrence O. bei seiner Festnahme sehr wohl im Besitz von Kokain war, dieses verschluckt hatte – und sich die zum Verkauf vorbereiteten Kugeln dann im Magen auflösten. Das Vorgehen des Beschuldigten und dessen hohe Toleranz angesichts der Blutwerte entspreche jenen eines sehr erfahrenen Konsumenten und Dealers, meinte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft weiter.

Um ihn als letzteren zu überführen, fehlten dann aber offensichtlich Beweise: Wegen des erwiesenen Drogenbesitzes forderte die Anklägerin eine Haftstrafe von zwölf Monaten – wobei sie sich einem teilweisen Strafaufschub nicht widersetze. Das Urteil ergeht am 16. Januar.


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