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Prozess: Die höflichen Geiselnehmer
Lokales 05.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Prozess: Die höflichen Geiselnehmer

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

Prozess: Die höflichen Geiselnehmer

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.
Foto: Lex Kleren
Lokales 05.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Prozess: Die höflichen Geiselnehmer

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Erstmals sagte im Prozess einer der Geiselnehmer während der Sitzung aus. Er bestreitet seine Beteiligung nicht. An der Planung will er aber nicht beteiligt gewesen sein.

Ali A. und Redda B. lernen sich 2010 im Gefängnis kennen. Die beiden Männer freunden sich an, bleiben auch nach der Freilassung von Ali A. Anfang 2012 weiter in Kontakt. Eine Freundschaft mit Folgen, denn im Oktober 2012 flieht Redda B. in Frankreich aus dem Gefängnis, einen Tag später überfallen die beiden gemeinsam mehrere Geschäftsmänner, die sie unter einem falschen Vorwand zu einem Treffen in ein Hotel in Paris locken. Im Dezember 2012 finden sie weitere Opfer in Luxemburg.

Die beiden Männer müssen sich seit vergangener Woche gemeinsam mit zwei mutmaßlichen Komplizen wegen zwei Geiselnahmen und Raubüberfällen vor dem Bezirksgericht Luxemburg verantworten. Sie sollen am 12. Dezember 2012 einen Geschäftsmann in seiner eigenen Wohnung überfallen und als Geisel genommen haben. Die Täter erbeuten dabei mehr als 140.000 Euro Bargeld. Zuvor soll Redda B. sich als Sicherheitschef eines arabischen Prinzen ausgegeben haben, der in Luxemburg Geld investieren will.


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Die Täter geben sich im Dezember 2012 gegenüber ihren Opfern als Vertreter einer arabischen Herrscherfamilie aus. Dann zeigen sie allerdings ihr wahres Gesicht.

Am folgenden Tag kommt es dann in dem Gebäude einer Treuhandgesellschaft in Luxemburg-Mühlenbach bei einem Treffen mit Geschäftsleuten und Juwelieren zu einem weiteren Überfall. Sie fliehen mit wertvollen Uhren und Schmuck, nehmen eine der Geiseln mit. Stunden später lassen sie ihr Opfer in Paris wieder frei.

Der verschollene Zeuge

Dieser Mann galt zum Prozessauftakt noch als unauffindbar, denn ihm konnte seine Zeugenvorladung nicht zugestellt werden. Der ehemalige Mitarbeiter der Treuhandgesellschaft konnte nun dennoch kontaktiert werden und sagte am Mittwoch aus.

Im Zeugenstand konnte er sich kaum noch an die Geschehnisse erinnern, erwähnte in seiner Aussage zunächst nicht einmal, dass die Täter ihm eine Sprengstoffweste angelegt hatten. Diese entpuppte sich im Nachhinein als Attrappe.


Gericht - Prozesser - Photo : Pierre Matgé
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Der Mann schilderte seine Erlebnisse denn auch im Gegensatz zu anderen Opfern wenig traumatisch, bezeichnete das Verhalten seiner Geiselnehmer auf der Autofahrt nach Paris sogar als höflich und freundlich. Ihrem ersten Opfer hatten die Männer am 12. Dezember eine Rippe gebrochen und eine schwere Kopfwunde zugefügt.

In der Sitzung sagte erstmals auch einer der beiden Hauptangeklagten aus. Ali A. bestreitet die Vorwürfe nicht. Er gibt zu, an der Geiselnahme beteiligt gewesen zu sein. In die Planung sei er nicht einbezogen gewesen, er habe lediglich den Fluchtwagen organisiert. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.


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