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Prozess: Betrüger erfindet Darts-Turnier
Lokales 17.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Prozess: Betrüger erfindet Darts-Turnier

Das Urteil der Strafkammer ergeht am 16. Januar.

Prozess: Betrüger erfindet Darts-Turnier

Das Urteil der Strafkammer ergeht am 16. Januar.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 17.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Prozess: Betrüger erfindet Darts-Turnier

In einem Prozess wegen Betrugs und Vertrauensbruchs forderte die Staatsanwaltschaft am Dienstag 15 Monate Haft für 48-jährigen Mann.

(str) - Er habe nicht mehr klar denken können. Nach seiner Scheidung sei er zuerst in den Alkohol gefallen, habe dann seinen Job verloren und schließlich auch noch Drogen konsumiert, so versuchte sich am Dienstag ein 48-jähriger Mann am Bezirksgericht Luxemburg zu verteidigen, dem mehrfacher Betrug und Vertrauensbruch vorgeworfen wird.

Doch diese Ausrede wollte die vorsitzende Richterin nicht gelten lassen: „Ihr Vorgehen setzt allerdings sehr wohl umfangreiche Überlegungen voraus“, hielt sie dem Beschuldigten entgegen.

100 Euro für fiktive Werbung

Der Mann aus dem Süden des Landes wird beschuldigt, sich als Mitglied eines Darts-Vereins ausgegeben zu haben, um örtlichen Geschäftsleuten dann Werbeflächen in einer Begleitbroschüre für ein angebliches, internationales Turnier zu verkaufen. Marco H. ist jedoch weder Mitglied in einem solchen Sportverein, noch hatte er mit der Organisation einer derartigen Veranstaltung zu tun. Er hatte schlicht hohe Schulden und brauchte dringend Geld.

Für die falschen Werbeanzeigen verrechnete er den Geschäftsleuten jeweils zwischen 100 und 120 Euro. Fünf Betroffene erstatteten schließlich Anzeige bei der Polizei. Einer von ihnen hob allerdings im Zeugenstand hervor, dass es seiner Auffassung nach wohl Hunderte Opfer gebe, die entweder den Betrug noch nicht bemerkt, oder schlicht wegen des geringen Schadens auf eine Anzeige verzichtet hätten.

Der Beschuldigte gab die ihm vorgeworfenen Taten ohne Umschweife zu und sprach sein Bedauern aus. Wie sich zeigte, kam seine Einsicht aber recht spät, denn auch, nachdem er von der Polizei verhört worden war, verkaufte er weiter falsche Werbeanzeigen – ein weiteres Strafverfahren ist deswegen noch anhängig.

Arbeit und Drogentests

Wie er am Dienstag im Prozess erklärte, sei ihm dann aber beim Untersuchungsrichter klar geworden, dass er sein Leben ändern müsse. Er habe dieses inzwischen auch wieder im Griff. Und auch dabei war der Einfluss des Untersuchungsrichters wohl entscheidend.


Gericht - Prozesser - Photo : Pierre Matgé
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Dieser hatte dem 48-Jährigen nämlich nur unter strengen Auflagen eine Haftverschonung gewährt: Er muss einer geregelten Arbeit nachgehen, sich regelmäßig Drogentests unterziehen, auf Alkohol verzichten und damit beginnen, seine Schulden zu tilgen.

Wie sich im Prozess zeigte, hat Marco H. sich das zu Herzen genommen. Das nahm auch die Vertreterin der Anklage zur Kenntnis.

Sie forderte dennoch eine Haftstrafe von 15 Monaten, bei der sie sich aber nicht einer Aussetzung zur Bewährung unter Auflagen widersetze. Das Urteil ergeht am 16. Januar.


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