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Prozess: 56-Jähriger soll zwei Fahrzeuge in Brand gesetzt haben
Lokales 2 Min. 13.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Prozess: 56-Jähriger soll zwei Fahrzeuge in Brand gesetzt haben

Die Richter fällen ihr Urteil am 4. Februar.

Prozess: 56-Jähriger soll zwei Fahrzeuge in Brand gesetzt haben

Die Richter fällen ihr Urteil am 4. Februar.
Foto: Lex Kleren
Lokales 2 Min. 13.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Prozess: 56-Jähriger soll zwei Fahrzeuge in Brand gesetzt haben

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Innerhalb von 24 Stunden brennt es in Esch/Alzette 2018 zweimal. Die Spur führt schnell auf die Fährte von José P. Dieser will aber nur für einen Brand verantwortlich sein - allerdings sei alles nur ein Unfall gewesen.

Um 0.47 Uhr und 20 Sekunden verlässt ein Mann am 1. April 2018 ein Mehrfamilienhaus am Benelux-Platz in Esch/Alzette. Er hält ein Stück Stoff in seiner linken Hand, geht zielstrebig auf einen Parkplatz vor einer Apotheke. Dann verschwindet er wieder aus dem Blickfeld der Kamera.

Sein Schatten bleibt allerdings sichtbar, es scheint, als würde der Mann sich bücken. Sekunden später ist auf den Überwachungsbildern zu sehen, wie der Mann wieder in das Wohnhaus zurückgeht. 19 Sekunden dauert die Sequenz, wenig später steht auf dem Parkplatz ein Seat Ibiza in Flammen.

Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass José P. der Mann auf den Bildern ist. Der 56-Jährige musste sich nun Ende der vergangenen Woche vor dem Bezirksgericht Luxemburg verantworten. Ihm wird allerdings nicht nur das Feuer vom 1. April zur Last gelegt, sondern auch ein Brand am Vortag. Nur etwa 50 Meter vom zweiten Brandort entfernt, steht gegen 1.40 Uhr am 31. März in der Rue de Belvaux ein Motorrad in Flammen. Das Fahrzeug lehnt an einem Mehrfamilienhaus, das Feuer beschädigt die Fassade, greift aber nicht auf das Gebäude über.

Auch für diesen Brand gibt es Überwachungsaufnahmen, die einen Mann, der dem Angeklagten ähnlich sieht, Minuten vor Ausbruch des Feuers in der Nähe des Tatorts zeigen. Die Ermittler finden zudem an beiden Tatorten Überreste von in brennbarer Flüssigkeit getauchten Stofffetzen.

Heiße Fährte

Die Spur führt schnell auf die Fährte von José P. Der Mann wohnt nicht nur in dem Mehrfamilienhaus gegenüber des zweiten Brandorts, sondern ist auch polizeibekannt. Bereits 2016 wurde José P. in zweiter Instanz zu 30 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, weil er 2014 in Esch/Alzette einen Lastwagen in Brand gesteckt hatte.


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Einem psychiatrischen Gutachter zufolge leidet José P. unter einer Zwangsstörung, es gebe eindeutige Hinweise, dass der Mann ein Pyromane ist. So habe er etwa die Feuer ohne ersichtliches Motiv gelegt. Aufgrund dieser Störung sei der Mann vermindert Schuldfähig, könne aber für die Taten verantwortlich gemacht werden.

Vor Gericht bestreitet José P. vehement für den Brand am 31. März verantwortlich zu sein. Er sei zum Tatzeitpunkt zu Hause gewesen. Den Brand am 1. April habe er aber verursacht – allerdings sei alles nur ein Unfall gewesen.

Er habe Nasenbluten bekommen und sich das Blut mit einem Tuch abgewischt. In den Stoff habe er dann eine noch brennende Zigarette, die er nicht mehr rauchen wollte gelegt und alles in Richtung Wagenreifens geworfen. So sei das Feuer entstanden.


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Einem Experten zufolge ist diese Version des Tathergangs mehr als unwahrscheinlich. Unter anderem, weil Überreste eines Brandbeschleunigers in dem Stofffetzen festgestellt wurden. Auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft findet die Erklärungen des Angeklagten wenig überzeugend. Er fordert eine Haftstrafe von fünf Jahren.

Die Besitzer der beiden Fahrzeuge verlangen vom Angeklagten indes Schadensersatzzahlungen in Höhe von insgesamt 5.500 Euro. Die Richter fällen ihr Urteil am 4. Februar.