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„De Bëttel gëtt gehaangen op der neier rouder Bréck"
Lokales 5 3 Min. 06.02.2022 Aus unserem online-Archiv
Corona-Demo

„De Bëttel gëtt gehaangen op der neier rouder Bréck"

Vor der Philharmonie stimmten die Demonstranten ein von Gewaltfantasien geprägtes Lied an.
Corona-Demo

„De Bëttel gëtt gehaangen op der neier rouder Bréck"

Vor der Philharmonie stimmten die Demonstranten ein von Gewaltfantasien geprägtes Lied an.
Foto: Elena Arens
Lokales 5 3 Min. 06.02.2022 Aus unserem online-Archiv
Corona-Demo

„De Bëttel gëtt gehaangen op der neier rouder Bréck"

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Demonstranten stimmten besorgniserregende Gesänge an. Zu Ausschreitungen kam es nicht, in der Innenstadt aber zu unangemeldeten Aktionen.

Nachdem es bei unangemeldeten Corona-Protesten mehrmals zu Ausschreitungen gekommen war, will ein neu gegründetes Bürgerkollektiv eigenen Angaben zufolge eigentlich den Protesten der Impf- und Maßnahmengegner ein neues, friedlicheres Gesicht geben. Am Samstagnachmittag war allerdings bei einer Demonstration in der Hauptstadt ein mehr als besorgniserregender Gesang zu vernehmen. So sangen die Demonstranten vor der Philharmonie: „De Bëttel gëtt gehaangen op der neier rouder Bréck, well en ass komplett verréckt“.

Laut Polizeiangaben hatten sich am Samstagnachmittag rund 150 Personen auf dem Glacis versammelt, um an zwei verschiedenen angemeldeten Corona-Demos teilzunehmen. Die Polizei war mit einem größeren Aufgebot präsent. Besondere Vorkommnisse waren bei den Kundgebungen, die innerhalb des vorgesehenen Perimeters stattfanden, laut der Behörden nicht zu verzeichnen. Die Demonstrationen seien friedlich verlaufen.

Der Demonstrationszug des neu gegründeten Bürgerkollektivs nahm den Weg über die Rote Brücke zur Place de l'Europe. Vor der Philharmonie legten die Demonstranten Kerzen nieder und hielten Reden. Dort stimmten die Teilnehmer der Demo ihren von Gewaltfantasien geprägten Gesang an.

Bereits vor zwei Wochen hatte indes ein Mitbegründer des Bürgerkollektivs, der 32-jährige Ben S., mit Ausschreitungen bei Demonstrationen in Luxemburg gedroht. Und das, obwohl er kurze Zeit zuvor selbst zu friedlichen Protesten aufgerufen hatte. Seitdem hält der Mann sich weitgehend im Hintergrund. Er war aber nun auch am Samstag bei der Kundgebung präsent. 


Fotos der Demo / Foto: Gilles KAYSER
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Der Demonstrationszug trat schließlich gegen 16.10 Uhr wieder den Rückweg an. Die Gruppierung schloss sich wieder mit einer zweiten zurückgebliebenen Gruppe, der Saturday for Liberty-Bewegung, unweit des Glacis auf der Avenue John F. Kennedy zusammen. 

Kurz nach 17 Uhr zogen die Demonstranten dann wieder auf das Glacis-Feld und die Versammlung löste sich langsam auf. Durch die Kundgebungen war der Verkehr zeitweise gestört. Auch die Tram zirkulierte vorübergehend nicht. 

Unangemeldete Protestaktion

Für Samstag zirkulierte des Weiteren ein Aufruf für nicht angemeldete Protestaktionen in der Hauptstadt. Unter dem Deckmantel von „Spaziergängen“ sollten sich Demonstranten an verschiedenen Orten sammeln und dann in Richtung „Zentrum“ ziehen.


Servior dementiert die Aussage von Dr. Benoît Ochs, wonach 26 Personen in einem Altenheim nach einer Boosterimpfung gestorben seien.
Servior dementiert Aussage des umstrittenen Arztes
Dr. Benoît Ochs hatte am Mittwoch behauptet, dass in einem Altersheim in Niederkorn 26 Menschen nach einer Boosterimpfung verstorben seien. Servior dementiert.

Mehrere Impf- und Maßnahmengegner folgten denn auch dem Aufruf. Zu größeren Zwischenfällen kam es jedoch nicht. Wie eine Polizeisprecherin auf Nachfrage betonte, sei die Polizei in der Innenstadt präsent. Größere Menschenansammlungen oder Störungen der öffentlichen Ordnung seien allerdings nicht festgestellt worden. 

Auf Telegram veröffentlichte die Initiatorin der Luxemburger „Spaziergänge“-Bewegung, die 39-jährige Milanka J., indes ein Video, das etwa zwei Dutzend Personen beim „Spazierengehen“ in der Innenstadt zeigt. Unter den Teilnehmern ist auch der umstrittene Allgemeinarzt Dr. Benoît Ochs zu sehen. Der Mann fiel zuletzt unter anderem wegen Falschaussagen im Zusammenhang mit Nebenwirkungen der Corona-Impfung auf. Er wurde im vergangenen Jahr in erster Instanz wegen Verstößen gegen den Deontologiekodex der Ärzteschaft zu einem Berufsverbot von einem Jahr verurteilt. Ein Urteil in zweiter Instanz steht noch aus. 


Lokales, Prozess, Dr. Benoît Ochs, Foto: Luxemburger Wort/Anouk Antony
Umstrittener Arzt Ochs vor Gericht
In erster Instanz wurde Dr. Benoît Ochs zu einem Berufsverbot von einem Jahr verurteilt. Diese Entscheidung focht er nun an.

In Deutschland sind diese getarnten Demonstrationen bei Impf- und Maßnahmengegnern bereits weit verbreitet. Ebenfalls in Luxemburg finden solche „Spaziergänge“ seit Anfang Januar wöchentlich in mehreren Gemeinden des Landes statt. In der Regel montags versammeln sich einige Demonstranten vor Gemeindehäusern. Während es in Deutschland in der Vergangenheit bei solchen Aktionen bereits zu größeren Menschenansammlungen und Ausschreitungen kam, verliefen sie hierzulande bislang weitgehend friedlich.   

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