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Problemfall Lichtverschmutzung: Zu viel Licht
Wer hat die Milchstrasse schon einmal so gesehen?

Problemfall Lichtverschmutzung: Zu viel Licht

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Wer hat die Milchstrasse schon einmal so gesehen?
Lokales 24.05.2016

Problemfall Lichtverschmutzung: Zu viel Licht

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Lichtverschmutzung ist das Thema einer Konferenz am Mittwoch abend im Oekozenter Pafendall. Der Schweizer Experte Dr. Lukas Schuler informiert über den negativen Einfluss von künstlichem Licht auf Mensch und Tier.

(jag) - In der Regel sind es Astronomen, welche als erste auf das Problem aufmerksam werden: Unser Nachthimmel verdunkelt sich nicht mehr. Überall erstrahlt Licht, ob an Verkehrsachsen, Leuchtreklamen oder privaten Leuchtanlagen an Wohnhäusern. Ein Blick auf das nächtliche Satellitenfoto von Europa verdeutlicht es: Es gibt nachts kaum noch wirklich dunkle Landstriche. Und Hand auf's Herz: Wer hat die Milchstrasse schon einmal in ihrer ganzen Schönheit an einem völlig dunklen Ort gesehen?

"Oft wird das Argument der Sicherheit vorgebracht, um ja nur alle dunklen Ecken auszuleuchten. Dabei haben Studien gezeigt, dass der Mensch bereits mit viel weniger Beleuchtung zurecht kommt. Oft reicht schon das Licht des Vollmondes um sich nachts zurechtzufinden", so Dr. Lukas Schuler.

Keine dunklen Flecken mehr

Der Schweizer ist Präsident von Dark-Sky Switzerland und beschäftigt sich seit Jahren mit dem Phänomen der Lichtverschmutzung. "Sie ist überall dort vorhanden, wo das natürliche Umfeld künstlich aufgehellt wird und Mensch und Natur dadurch gestört werden", so Schuler.

Das Nachtlicht stört aber nicht nur die Astronomen, es hat Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier. Beim Mensch wird durch zu viel Licht der Hormonhaushalt gestört, Schlafstörungen können die Konsequenz sein, weil die innere Uhr verstellt wird. Bei Pflanzen, wie zum Beispiel Straßenbäumen, führt das künstliche Licht zu saisonalen Verschiebungen mit spätem Blattverlust. Im Winter kann die zu Froststress führen.

Tiere hingegen werden in ihrer Nachtruhe gestört oder regelrecht vom Licht angezogen. Fledermäuse verlagern ihre Jagdgebiete, Insektenpopulationen konzentrieren sich an beleuchteten Orten und fehlen dann anderswo als Futterquelle. Andere Nachtjäger verlieren wegen der Helligkeit ihre Tarnfähigkeit.

Rationelle Nutzung

"Wir sind nicht gegen öffentliche Beleuchtung sondern für eine rationelle Nutzung," so Schuler. "Generell sollte man Blauanteil im Licht vermeiden ebenso wie moderne LED's, Lampen sollte man runterdimmen oder dafür sorgen, dass sie nur nach unten abstrahlen. Nach oben ist jedes Licht verloren". Zugleich kann auf diese Weise Energie gespart werden.

Die Problematik ist auch in Luxemburg erkannt worden, in der Regierungserklärung wurde bereits eine Strategie angekündigt, um die Lichtbelastung zu reduzieren. Die Strategie soll jetzt auch konkret umgesetzt werden.   

 

             


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