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Proben für den Ernstfall: Feuerwehr erkundet Tramfahrzeuge
Nicht nur für Passagiere, Tramführer und andere Verkehrsteilnehmer ist die Tram ein Novum. Auch die Rettungsdienste müssen sich an den Neuzugang gewöhnen. Die permanent unter Strom stehende Hochspannungsleitung macht Einsätze in ihrer unmittelbarer Umgebung zu einem heiklen Unterfangen.

Proben für den Ernstfall: Feuerwehr erkundet Tramfahrzeuge

Foto: Lex Kleren
Nicht nur für Passagiere, Tramführer und andere Verkehrsteilnehmer ist die Tram ein Novum. Auch die Rettungsdienste müssen sich an den Neuzugang gewöhnen. Die permanent unter Strom stehende Hochspannungsleitung macht Einsätze in ihrer unmittelbarer Umgebung zu einem heiklen Unterfangen.
Lokales 11 1 3 Min. 17.06.2017

Proben für den Ernstfall: Feuerwehr erkundet Tramfahrzeuge

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
Ab Dezember fährt mit der Tram ein neuer Verkehrsteilnehmer durch Luxemburg-Stadt. Dies ist auch für die Rettungskräfte eine ganz neue Situation – und eine Herausforderung. Aus diesem Grund wird die Feuerwehr derzeit im Umgang mit der Straßenbahn geschult.

(DL) - Bis zu 450 Personen pro Fahrzeug schnell, bequem und sicher von A nach B bringen – das soll die Tram ab kommendem 10. Dezember jeden Tag, von frühmorgens bis spätabends. Doch wie bei jedem Verkehrsmittel kann es auch bei der Tram zu Zwischenfällen kommen. Ob nun ein Passagier oder sogar der Fahrer von einem Unwohlsein befallen wird, ein Unfall passiert, sich Rauch entwickelt, ein Feuer ausbricht oder sich ein Unglück in der Nähe der ständig unter Strom stehenden Oberleitung ereignet – es gibt viele Situationen, die einen Einsatz der Rettungsdienste erforderlich machen.

Um im Fall der Fälle schnell, effizient und ohne sich selbst in Gefahr zu bringen eingreifen zu können, müssen die Einsatzkräfte die Tramfahrzeuge und ihre Besonderheiten bis ins Detail kennen. Aus diesem Grund werden die Feuerwehren aus dem Dienstbereich entlang der Tramtrasse, also die hauptstädtische Berufsfeuerwehr, aber auch die freiwilligen Wehren aus Niederanven und Hesperingen, derzeit von Luxtram-Mitarbeitern mit dem neuen Verkehrsmittel vertraut gemacht.

Sehen Sie hier unsere Videoreportage:

François Ceglie ist „Responsable de formation“ bei Luxtram und als solcher nicht nur für die Ausbildung der Fahrer, die im August beginnt, sondern auch für die Schulung der Rettungsdienste zuständig. „Man muss bedenken, dass die Tram nicht anhält wie ein Auto. Der Bremsweg ist viel länger als bei einem leichten Fahrzeug“, erklärt er. In der Schulung werden die Rettungskräfte dafür sensibilisiert. Im Führerstand können sie sich zudem in die Position eines Tramfahrers hineinversetzen, sehen, wie ein solcher die Situation wahrnimmt.

Was die Einsatzkräfte ebenfalls wissen müssen, ist, wo und wie sie das aus sieben Modulen bestehende Tramfahrzeug notfalls anheben können. Dies haben sie nun mit ihrem eigenen Material geprobt.

Rund um die Uhr unter Spannung

Besonders wichtig ist außerdem die Stromversorgung. Auf dem Großteil der Strecke verkehrt die Tram dank einer Oberleitung. Und diese steht 365 Tage im Jahr und 24 Stunden auf 24 unter Hochspannung, erklärt Ceglie. Also auch nachts, wenn keine Tram verkehrt.

Zwischen der Roten Brücke und dem Hauptbahnhof gibt es hingegen keine solche Leitung. Hier stellt die Tram an jeder Haltestelle mittels einer Art Kufe einen Kontakt zu einem dritten Gleis im Boden her und wird so mit Strom versorgt. Die Feuerwehr muss mit diesen Installationen genaustens vertraut sein, handelt es sich dabei doch im Falle eines Einsatzes um ein potenziell hochgefährliches Umfeld.

Wie François Ceglie berichtet, kann die Feuerwehr jederzeit eine Notabschaltung bei Luxtram beantragen. Der „Poste de commande centralisé“, also die zentrale Leitstelle auf dem Gelände des „Tramsschapp“ in Kirchberg, ist rund um die Uhr von einem Luxtram-Mitarbeiter besetzt. Bei der Schulung erfahren die Feuerwehrmänner jedoch auch, wie 
sie die Trambahn gegebenenfalls selbst außer Spannung setzen.

Erste "Ausfahrt" im Juli

Parallel zu diesen Schulungen schreiten die Arbeiten an der Tramtrasse voran. Was den Fuhrpark angeht, so wurden inzwischen vier Tramfahrzeuge aus der Fabrik des spanischen Herstellers CAF in Saragossa geliefert. Für den ersten Streckenabschnitt werden deren insgesamt neun benötigt. Die Straßenbahn wird ab Dezember vorerst nur zwischen Luxexpo und Roter Brücke, möglicherweise sogar bis zum Großen Theater, fahren. Bis 2021 soll dann die komplette Strecke über 16 Kilometer von Findel bis Cloche d'Or bedient werden.

Derzeit werden im „Tramsschapp“ diverse Tests an den Gefährten durchgeführt. In der zweiten Juli-Hälfte wird dann erstmals eine Tram das Gelände des Tramdepots verlassen – für eine allererste Probefahrt in der großen, weiten Welt ...

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