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Prinz Jean: freiwillig verzichtet
Lokales 3 Min. 28.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Prinz Jean: freiwillig verzichtet

Prinz Jean: "Mit 13 Jahren wurde mir gesagt, ich würde nie Großherzog werden. Ich müsste mein Leben selbst aufbauen. Das habe ich zu meinem größten Glück getan".

Prinz Jean: freiwillig verzichtet

Prinz Jean: "Mit 13 Jahren wurde mir gesagt, ich würde nie Großherzog werden. Ich müsste mein Leben selbst aufbauen. Das habe ich zu meinem größten Glück getan".
Foto: Gerry Huberty
Lokales 3 Min. 28.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Prinz Jean: freiwillig verzichtet

Erst 2005 will Prinz Jean erfahren haben, dass ein Zeuge ihn in Zusammenhang mit der Bommeleeër-Attentatsserie gebracht hatte. "Zuerst habe ich laut gelacht, weil ich es nicht glauben konnte“, sagte Jean am Donnerstag.

(str) - Erst 2005 erfuhr Prinz Jean eigenen Angaben zufolge, dass ein Zeuge ihn in Zusammenhang mit der Bommeleeër-Attentatsserie gebracht hatte. Sein Bruder Henri habe ihn am Telefon informiert. „Zuerst habe ich laut gelacht, weil ich es nicht glauben konnte“, sagte Jean am Donnerstag aus. „Bis mein Bruder mir sagte, die Sache sei ernst.“

Ein regelrechter Schock sei es dann gewesen, als er erfuhr, dass es bereits Mitte der 80er Jahre diesbezügliche Gerüchte in Luxemburg gegeben habe. „Ich bin nie darüber informiert worden“, sagte Prinz Jean. „Ich habe in Paris gelebt und 80 Stunden die Woche gearbeitet.“

Er könne nicht glauben, dass Jean nie von den Gerüchten erfahren habe, meinte Verteidiger Me Gaston Vogel. Schließlich habe Untersuchungsrichter Prosper Klein bereits 1987 eine Pressekonferenz einberufen, um den Gerüchten ein Ende zu bereiten.

„Nichts gewusst“

„Ich habe den Eid geleistet“, hielt dem Prinz Jean entgegen. „Ich habe zuvor niemals von den Gerüchten erfahren. Hätte ich etwas davon gewusst, hätte ich sicher anders reagiert.“ In Paris habe aber tatsächlich jemand einmal eine Bemerkung gemacht, er sei das mit den Knallfröschen in Luxemburg gewesen, doch er habe nicht weiter darüber nachgedacht. Nach 2005 sei er von der Polizei verhört worden, da habe er sich nicht einfach an die Presse wenden können. Er habe halt gehofft, dass die Presse irgendwann richtig und falsch unterscheiden könne.

Wie sich am Donnerstag zeigte, verdankt es Prinz Jean seiner Ex-Frau, dass er heute überhaupt ein Alibi für jenes Attentat vorlegen kann, in dessen Vorfeld der Zeuge Eugène Beffort ihn unweit des Tatorts gesehen haben will. Hélène Vestur hatte nämlich einen achtseitigen Brief wiedergefunden, den sie zwei Tage nach dem Findel-Anschlag an Jean geschrieben hatte. In einem Abschnitt ärgerte sie sich darüber, dass er nicht, wie versprochen, vor dem Abendessen von einer Jagd auf dem „Domaine de l'étoile“ der Familie Giscard d'Estaing zurückgekehrt war. Daraufhin wurde den Ermittlern ein Kopie des Jagdbuches, mehrere Fotos und ein Attest von Louis Giscard d'Estaing übergeben, mit dem seine Anwesenheit bei der Jagd belegt werden sollte.

Ben Geiben habe er nicht gekannt, er habe ihn aber einmal bei einem Empfang in der luxemburgischen Botschaft in Paris gesehen. In Sandhurst sei er nicht im Umgang mit Sprengstoff ausgebildet worden. Er habe keinen Kontakt zur CIA gehabt und sei weder Mitglied der „World Anti-Communist-League“ gewesen, noch habe er auf einem WACL-Kongress einen Vortrag gehalten.

„Entscheidung für meine Ehefrau“

Auf seine Thronfolgerrechte habe er freiwillig verzichtet, erklärte Prinz Jean. Bei möglichen Thronfolgern gebe es eine Regel: Die Heirat müsse von den Eltern akzeptiert werden. Das sei nun einmal nicht der Fall gewesen. Deshalb habe er sich gemeinsam mit seinem Vater für den Verzicht entschieden. Er habe studiert, in Amerika gelebt und sei mit einer Frau zusammen gewesen, die ein uneheliches Kind erwartete.

„Für mich war es eine logische Entscheidung – für meine beruflichen und familiären Pläne“, erklärte Jean. Seinen royalen Titel habe er nie abgegeben. Auch habe er entgegen dem, was Jean-Claude Juncker am Dienstag ausgesagt hatte, seine Thronfolgerrechte nie zurückbekommen. Als Henri Großherzog wurde, habe dieser Jeans Kindern den Titel „Altesses royales, princes de Nassau“ zuerteilt. Das sei wohl verwechselt worden.

Guillaume: Keine Erinnerung

Die Anhörung von Prinz Guillaume war am Donnerstag nur von kurzer Dauer. Er erinnerte zunächst daran, dass er im Jahr 2000 einen schweren Autounfall hatte und tagelang im Koma lag. Die schweren Verletzungen hätten zu einem Gedächtnisverlust geführt, erklärte Guillaume. Betroffen seien vor allem die letzten zehn Jahre vor dem Unfall. So könne er sich weder an seine Hochzeit erinnern, noch an die Geburt seiner ersten drei Kinder. Auch an die Attentatsserie habe er keinerlei Erinnerung. Zu der Zeit, das wisse er aber nur aus Papieren, sei er im Ausland zur Schule gegangen.

Die Verteidigung räumte ein, dass unter diesen Umständen eine Befragung wohl kaum Sinn mache. Es gebe keine Möglichkeit festzustellen, wieweit die Amnesie des Prinzen gehe. Dennoch fragte Me Vogel, ob Guillaume an einem Attentat teilgenommen habe. Der Prinz verneinte. Einen blauen Volkswagen-Bus habe er Mitte der 80er Jahre auch nicht gehabt.


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