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Prinz Guillaume als Bommeleeër?
Ex- Cegedel-Direktionsmitglied Alexis Kremer...

Prinz Guillaume als Bommeleeër?

Foto: Gerry Huberty
Ex- Cegedel-Direktionsmitglied Alexis Kremer...
Lokales 5 Min. 20.02.2014

Prinz Guillaume als Bommeleeër?

Keine Woche ohne Überraschung: Nirgends ist das so zutreffend wie im Bommeleeër-Prozess. Diesmal war es der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald, der aufhorchen ließ.

(str) - Keine Woche ohne Überraschung: Nirgends ist das so zutreffend wie im Bommeleeër-Prozess. Diesmal war es der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald, der aufhorchen ließ.

Prinz Guillaume, der jüngste Bruder von Großherzog Henri sei der Bommeleeër, das habe Camille Wampach, der zur Zeit der Attentatsserie Generalstaatsanwalt war, kurz vor Prozessbeginn gegenüber Henri Etienne gesagt. Wie Oswald vor der Kriminalkammer erklärte, habe Etienne diese Information nun an den heutigen Generalstaatsanwalt Robert Biever weitergetragen. Zu der Aussage sei es am 13. Februar 2013 nach einem Essen in der Fondation Pescatore gekommen.

Henri Etienne und dessen Ehefrau sollen nun am kommenden Dienstag vor der Kriminalkammer angehört werden, entschied die vorsitzende Richterin Sylvie Conter. Die Ermittler sollen zudem Camille Wampach aufsuchen und ihn dazu befragen. Am kommenden Donnerstag sind die Prinzen Jean und Guillaume im Bommeleeër-Prozess als Zeugen geladen.

Schockweiler im Visier

Das sollte aber nicht die einzige Überraschung des 135. Verhandlungstags sein. Der ehemalige Spurenermittler Armand Dousement hat sich in einer E-Mail an Georges Oswald gewandt. Er erklärte, dass sein Kollege André Glodt ihm schon vor Jahren davon berichtet habe, dass Armand Schockweiler sich Bommeleeër-Beweismittel aushändigen ließ. „Ech froë mech, firwat de Schocky déi Saache vum Bommeleeër matgeholl huet?“, habe Glodt ihm damals gesagt.

Damit verleiht Dousement der Aussage von Glodt zusätzliches Gewicht. Hintergrund ist, dass Schockweiler, als er laut Glodt etwa die komplette Sprengvorrichtung des Attentats in Hollerich an sich nahm, gar nicht mehr bei der Gendarmerie sondern bei der Polizei war. Zudem hatte er mit dem Bommeleeër-Fall rein gar nichts mehr zu tun.

Bei einer Konfrontation mit Glodt vor der Kriminalkammer hatte Schockweiler die Vorwürfe vehement bestritten. Am kommenden Montag sollen beide Zeugen ihre widersprüchlichen Aussagen vorgelesen bekommen und diese anschließend unterzeichnen. Dies erlaubt es, dann einen Untersuchungrichter mit weiteren Ermittlungen zu befassen. Sollte Schockweiler, wie sich bereits vor Wochen andeutete, fortan als möglicher Beschuldigter gelten, könnte dies schwerwiegende Folgen haben. Der Prozess könnte auf unbeschränkte Zeit ausgesetzt werden.

Steil und die Zünder

Dousement ist nun am Montag ebenfalls als Zeuge vorgeladen. In seiner E-Mail an Oswald gab es aber noch einen weiteren Knüller: Armand Dousement erklärte, dass der BMG-Vizechef Jos Steil einmal zum Mess- und Erkennungsdienst gekommen sei und darum gebeten habe, sich mit seinen Leuten die Zündmechanismen der Bommeleeër-Attentate ansehen zu dürfen. Er und die gesamte Brigade Mobile hätten die Beweismittel dann von allen Seiten betrachtet und die Zünder seien durch alle Hände gegangen.

Am Donnerstag waren in der 135. Verhandlung drei Zeugenkonfrontationen angesetzt, die allesamt damit endeten, dass die Zeugen bei ihren widersprüchlichen Darstellungen blieben. Zunächst standen sich Ex-Gendarmerie-Kommandant Aloyse Harpes und Cegedel-Direktionsmitglied Alexis Kremer gegenüber. Kremer hatte ausgesagt, Harpes habe ihm kurz nach dem Anschlag vom 25. März 1986 auf das Haus von Colonel Jean-Pierre Wagner erklärt, „leet äre Kapp a Rou, do kënnt näischt méi“.

Kremer hat inzwischen in seinen „Callepins“ nachgesehen, um den Zeitpunkt des Gesprächs genauer eingrenzen zu können. An zwei Daten habe er einen Eintrag „Harpes“ gefunden – am 23. Mai 1989 und am 19. Dezember 1985. Doch beide Daten passen nicht so recht, denn 1989 war Harpes bereits in Rente und im Dezember 1985 war die Attentatsserie noch nicht zu Ende.

Harpes zeigt erneut auf Geiben

Harpes bestätigte, es habe ein Meeting mit den Cegedel-Verantwortlichen gegeben, jedoch nicht in einem Restaurant in Cents, sondern im Sitz der Cegedel. „Ech gleewe kaum, datt ech dat deemools sou präzis konnt soen“, sagte Harpes. „Et ka sinn, datt ech gesot hunn, menger Opfaassung no wier dat esou. D'Attentat op de Colonel Wagner war menger Meenung no den Abschied vun engem, deen aus der Gendarmerie huet misse goen. Ech kann awer net kuerz nom Attentat op de Colonel Wagner soen, datt näischt méi kënnt.“ Damit zeigte Aloyse Harpes ganz klar mit dem Finger auf Ben Geiben. Harpes hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er Geiben für den Bommeleeër hält.

Colonel Harpes wurde Am Donnerstag aber auch dem inzwischen pensionierten Polizisten Pierre Kohnen gegenüber gestellt. Der hatte ausgesagt, Spurenermittler Raymond Wagner habe ihm einmal davon erzählt, dass Harpes eine geplante Observierung des Justizpalasts abgesagt habe. Zudem habe er Wagner beschuldigt der Bommeleeër zu sein, als dieser sich bei Harpes nach dem Anschlag aufregte.

Harpes wies das von sich. Als die vorsitzende Richterin Sylvie Conter ihn fragte, warum denn nicht gegen Geiben ermittelt worden sei, meinte Harpes, er habe sich nie in Ermittlungen eingemischt – eine Aussage, die auf heftigen Widerspruch sowohl der Staatsanwaltschaft wie auch der Richterin stieß.

Showdown zwischen Gretsch und Kohnen

Mit Spannung wurde am Donnerstagnachmittag die Konfrontation zwischen Ex-Armeechef Michel Gretsch und Pierre Kohnen erwartet. Kohnen hatte vor der Kriminalkammer ausgesagt, Gretsch habe ihm 1995 erklärt, das Nato-Geheimnetzwerk „Stay Behind“ sei Kompetenz der Armee. Zudem habe er ihm Karteikarten der Mitglieder gezeigt. Im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“ bestritt Gretsch dies am Folgetag formell.

Am Donnerstag blieb Kohnen bei seiner Aussage und erläuterte noch einmal im Detail, wie es zum Treffen mit Gretsch gekommen sei. Zum Schluss meinte er: „Lo wou ech gesinn, datt ech mat enger harmloser Deklaratioun an e Wespenascht gestach hunn, stellen ech mer d'Fro, ob ech iwwerhaapt déi richteg Këscht an d'Kärtercher alleguer gewise krut“.

Auch Michel Gretsch blieb bei seiner Darstellung und versuchte diese mit seinen Notizen aus den 1990er Jahren zu belegen. Er habe dabei am 29. Juni 1995 ein Vermerk entdeckt „Affaire policière Kohnen cession de fusils“. Kohnen habe wohl bei Flammang beschlagnahmte Gewehre an die Armee übergeben wollen. Zu „Stay Behind“ meinte Gretsch, das „deuxième bureau“ der Armee – die nachrichtendienstliche Abteilung – sei 1967 abgeschafft worden. Er habe in all den Jahren als Logistiker niemals Dokumente zu „Stay Behind“ zu Gesicht bekommen.

Kohnen meinte schließlich: „Entweder litt den Här Gretsch, oder seng Mémoire ass net esou gutt, wéi hien an der Zeitung sot“.

Der beigeordnete Staatsanwalt Oswald beantragte, den Kriminalpolizisten Fernand Ruppert noch einmal als Zeugen zu hören. Ruppert hatte den Waffenfund bei Flammang gemeinsam mit Kohnen bearbeitet. „Ech mengen do gëtt et Diskussiounen“, bemerkte Oswald.


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