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Präventionsprogramm vorgestellt: Neue Drogen, neue Drogenpolitik
Lokales 4 Min. 11.05.2015

Präventionsprogramm vorgestellt: Neue Drogen, neue Drogenpolitik

Im Bereich der syntetischen Drogen beschreitet das Gesundheitsministerium neue Wege.

Präventionsprogramm vorgestellt: Neue Drogen, neue Drogenpolitik

Im Bereich der syntetischen Drogen beschreitet das Gesundheitsministerium neue Wege.
Foto: Serge Waldbillig
Lokales 4 Min. 11.05.2015

Präventionsprogramm vorgestellt: Neue Drogen, neue Drogenpolitik

Am Montag stellte die Regierung ihren neuen Aktionsplan zur Drogenproblematik für die kommenden fünf Jahre vor. Weitere Strukturen und praxisnahe Ansätze sollen jetzt dabei helfen, neue Probleme in den Griff zu bekommen. Auch in Sachen Cannabisprohibition und Alkoholmissbrauch soll eine breite Debatte helfen, in einer festgefahrenen Situation Fortschritte zu erzielen.

(mth) - Der vierte nationale Plan zur Bekämpfung von Drogen und Drogensucht baut auf den Erkenntnissen der vorigen Aktionspläne auf. Zusätzlich wurde eine Evaluierung durch das renommierte niederländische „Trimbos instituut“ vorgenommen, um die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen zu bewerten und gegebenenfalls Lehren daraus zu ziehen. Gesundheitsministerin Lydia Mutsch sagte gestern, der Aktionsplan 2010-2014 sei rückblickend als überwiegend positiv zu bewerten und habe ein gutes Gleichgewicht aus repressiven Maßnahmen, Behandlungsangeboten und Präventionsmitteln beinhaltet – eine generelle strategische Ausrichtung, die man auch in Zukunft beibehalten wolle.

Der Bericht hält fest, dass von 61 Maßnahmen, die im vergangenen Aktionsplan enthalten waren, 74 Prozent umgesetzt wurden. Vor Allem im präventiven Bereich scheiterte die Umsetzung an fehlenden finanziellen Mitteln. Viele dieser Projekte, darunter Präventionskampagnen im schulischen Bereich, genießen jedoch weiterhin eine hohe Priorität und wurden in den neuen Plan übernommen. Die allgemeine Struktur des Aktionsplans wurde als ausgezeichnet bewertet, so dass sich auch in der Neuauflage nichts an der Gliederung ändern wird. Neben den beiden wichtigsten Säulen, der Reduzierung der Nachfrage und des Angebots, werden also auch die transversalen Komponenten beibehalten: die Reduzierung der Risiken und Schäden im Zusammenhang mit dem Konsum von beziehungsweise dem Handel mit Drogen, Forschung und Informationsaustausch, internationale Vernetzung sowie die Koordinierung der Drogenpolitik.

Der Bericht zeigt auch, dass ein praxisnaher Ansatz und die Zusammenarbeit vor Ort die Basis für eine erfolgreiche Drogenarbeit darstellen müsse, was sich etwa im Zusammenhang mit Strukturen wie der hauptstädtischen „Fixerstuff“ bewährt habe.

Neue Substanzen und
 die Logik des Schwarzmarkts

Wie bereits aus dem nationalen Bericht zum Drogenmissbrauch Der Missbrauch psychoaktiver Substanzen in Luxemburg liegt nach wie vor auf recht hohem Niveau, auch wenn es Verschiebungen gibt, was die Art der Substanzen und des Konsums betrifft. Die Zahl so genannter „problematischer Drogenkonsumenten“, als jener Konsumenten, die Drogen injizieren und langjährig oder regelmäßige Opiate, Kokain oder Amphetamine einnehmen, geht seit 2004 stetig zurück, während der Konsum von Alkohol und Cannabis vor allem bei Jugendlichen eher auf hohem Niveau konstant bleibt oder steigt. Auch die Zahl der Drogentoten, die 2009 noch bei 14 lag, halbierte sich bis 2014. Beide Fakten werden als positive Effekte des nationalen Drogenplans gewertet, da insbesondere Strukturen wie die „Fixerstuff“ ein wirkungsvolles Eingreifen bei tödlichen Unfällen beim Konsum „harter“ Drogen gewährleisten. Die Infektionsrate bei Injektionen dagegen bleibt auf hohem Niveau, was laut dem nationalen Drogenkoordinator der Regierung, Alain Origer, daran liege, dass Kokain in letzter Zeit sehr leicht verfügbar sei, was zum häufigeren Gebrauch von Spritzen gegenüber Heroin führe, da die Wirkungsdauer geringer sei.

Sorgen bereitet dem Gesundheitsministerium zudem der steigende Missbrauch so genannter „neuer psychoaktiver Substanzen“ (NPS). Es handelt sich dabei um synthetische Drogen, die in immer neuen Variationen auf den Markt kommen und zunehmend auch via Internet verkauft werden. Problematisch an solchen Substanzen ist die Tatsache, dass diese oft erst seit wenigen Jahren oder gar Monaten existieren und es daher keinerlei Erfahrungswerte zu Risiken und Nebenwirkungen gibt, wie Alain Origer erklärt: „Solche Substanzen können in irgendeinem Kellerlabor ohne großen Aufwand hergestellt werden, anstatt geschmuggelt zu werden. Viele davon sind zudem nicht illegal, da sie nicht von der bestehenden Gesetzgebung berücksichtigt werden. Sie sind daher für Drogenanbieter interessant, da sie ein ausgezeichnetes Verhältnis zwischen erzielbarem Profit und Kosten oder Risiken bei der Beschaffung bieten. Zudem kann bei der Herstellung solcher Substanzen leicht etwas schief laufen, was verheerende Folgen für die Konsumenten haben kann“.

Das Angebot solcher Stoffe sowie die Zahl damit verbundener Todesfälle nehme in den vergangenen Jahren in ganz Europa zu. Eine beunruhigende Entwicklung, aus der die Regierung sowohl in der Vergangenheit wie auch bei der Ausarbeitung des neuen Fünfjahresplans Lehren zog: die luxemburgische Drogengesetzgebung führte als erste in Europa einen neurochemischen Ansatz bei der Definition verbotener Substanzen ein: Anstatt eine ausführliche, aber aufgrund der schnellen Entwicklung des Marktes niemals vollständige Liste chemischer Verbindungen ins Gesetz zu schreiben, wurde dieses so formuliert, dass Substanzen verboten sind, die eine bestimmte neurologische Wirkung gemeinsam haben. Ein Ansatz, der sich laut Justiz bewährt hat und mittlerweile im Ausland Nachahmer findet.

„Pillen-Check“ nun
auch in Luxemburg

Von Pragmatismus zeugt auch ein Pilotprojekt namens „Duck“, ein Akronym, das für „DrUg CheCKing“ steht und bei dem es darum geht, bei Events im Umfeld vor allem jugendlicher Konsumenten einen Service anzubieten, bei dem Pillen oder Pulver auf ihre Inhaltstoffe und ihre Sicherheit getestet werden. Eine bereits im April 2014 eingeleitete Initiative, die aus strafrechtlichen Gründen nur mit Unterstützung der Justiz entstehen konnte, da der Besitz solcher Substanzen natürlich strafbar ist – auch für die Tester. Auch im Bezug auf die meistbenutzten Drogen Alkohol und Cannabis arbeitet das Ministerium an neuen Lösungen. Der problematische Alkoholkonsum soll besonders bei Jugendlichen durch neue Präventionskampagnen stärker thematisiert werden.

Was Cannabis und der Alkoholmissbrauch betrifft, so will die Regierung angesichts der internationalen Entwicklung, die zunehmend in Richtung einer Entkriminalisierung des Konsums geht, eine breite politische Debatte anregen, wie Lydia Mutsch gestern erklärte: „Es ist zunehmend schwer, Jugendlichen zu vermitteln, dass es strafbar ist, wenn sie mit ihren Freunden einen Joint rauchen, während Komasaufen zwar auch gefährlich, aber eigentlich legal ist“. In diesem Zusammenhang suche man derzeit Gespräche mit dem Justizministerium, was sich in naher Zukunft auch in einer breit angelegten politischen Debatte im Parlament niederschlagen soll, welche die Problematik legaler und illegaler Drogen in ihrer Gesamtheit thematisieren soll. Der neue Drogenaktionsplan ist auf der Webseite des Ministeriums verfügbar:

www.sante.public.lu


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