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Portrait eines Tyrannen
Lokales 2 Min. 07.05.2018

Portrait eines Tyrannen

Am 7. Januar 2015 erschoss der Angeklagte seine 51-jährige Ehefrau in Esch/Alzette, weil diese sich scheiden lassen wollte.

Portrait eines Tyrannen

Am 7. Januar 2015 erschoss der Angeklagte seine 51-jährige Ehefrau in Esch/Alzette, weil diese sich scheiden lassen wollte.
Foto: Polizei
Lokales 2 Min. 07.05.2018

Portrait eines Tyrannen

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Vor der Kriminalkammer begann am Montag der Prozess gegen einen 59-jährigen Mann der am 7. Januar 2015 seine Frau in der Rue du Fossé in Esch/Alzette mit sechs Kopfschüssen hingerichtet hatte.

„Wenn er aus dem Gefängnis kommt, dann sind ich und meine beiden Geschwister tot“, sagte gestern vor der Kriminalkammer die Tochter jenes Mannes, der am 7. Januar 2015 in Esch/Alzette seine Ehefrau mit sechs Kopfschüssen hinrichtete.

Im Detail und episodenreich schilderte die 34-jährige Tochter am Montag zum Prozessauftakt das Martyrium ihrer Familie. Sie erzählte von einem Ehemann und Vater, der seine Frau und Kinder über Jahre hinweg psychisch und physisch misshandelte.

„Das ganze Leben mit ihm war schrecklich“, unterstrich sie. „Wenn er mit irgendjemand wütend war, dann schlug er meine Mutter. Es reichte schon, wenn ein Glas auf dem falschen Küchenregal stand, damit er sie schlug.“

"Ein Leben wie im Gefängnis"

„Meine Mutter hat wie in einem Gefängnis gelebt“, führte die Zeugin aus. „Meine Mutter durfte nur kochen, putzen und arbeiten. Nicht einmal Freundinnen durfte sie haben. Er hingegen hatte ständig andere Frauen.“

Vor 15 Jahren habe er bereits versucht, die Mutter mit einem Messer zu töten, doch die habe sich durch einen Sprung von einem Balkon retten können. Weil sie aber auf Besserung gehofft habe, habe sie letztendlich ihre Aussagen vor Gericht widerrufen.

Dass die Mutter sich nach all den Jahren voller Gewalt und Unterdrückung habe scheiden lassen wollen, habe er ihr nicht verziehen. „Sie wollte nur mit ihren drei Kindern ruhig leben“, betonte die Tochter. Deshalb habe er sie verfolgt, bedroht und dann getötet.

"Lieber wäre ich tot"

„Meine Mutter hat oft versucht Hilfe zu bekommen“, berichtet ihr drei Jahre jüngerer Bruder. Aber es sei nie wirklich etwas unternommen worden. „Es gab immer Gewalt, unser ganzes Leben lang gab es nur Streit wegen ihm“, bekräftigte der junge Mann. Sehr oft sei er seiner Mutter zur Hilfe geeilt, habe sie verteidigt und die Polizei gerufen. „Ich bin an jenem Tag nur eine Minute zu spät gekommen“, meinte er. „Mir wäre es lieber ich wäre tot.“

„Er hat immer Gründe gefunden, um uns zu erniedrigen“, erzählte auch die jüngste Tochter. „Oft hat er mich bespuckt, beleidigt, an den Haaren gezogen und am Hals gepackt.“ Nur mit den Fäusten habe er nie zugeschlagen, denn niemand sollte mitbekommen, was zu Hause ablief.

"Wollte mich umbringen, wegen ihm"

Als der Verteidiger des 59-jährigen Angeklagten einwarf, es gehe den Kindern doch nur um das Geld des Vaters, brachen bei der 23-Jährigen alle Dämme. „Nein, es ging immer nur um meine Mutter“, erwiderte sie. „Ich wollte mich so oft umbringen wegen ihm, doch ich habe es nicht getan, um meine Mutter nicht alleine lassen. Als ich hörte, dass er sie erschossen hatte, wollte ich mir gleich das Leben nehmen. Doch dann habe ich es nur nicht getan, weil ich hörte, sie hätten ihn am Bahnhof gefunden. Ich dachte er sei tot.“

Der Angeklagte selbst quittierte die Aussagen seiner jüngsten Tochter, indem er das Gesicht zu einem leichten Grinsen verzog und dem Übersetzer ein paar Worte ins Ohr flüsterte. Zum Beginn der Sitzung hatte der Montenegriner der Vorsitzenden Richterin erklärt, er bestreite die Tat nicht, könne sich aber nicht erinnern. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.


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