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Polizist greift Polizisten an und muss vor Gericht
Lokales 2 Min. 24.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Polizist greift Polizisten an und muss vor Gericht

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht zum 13. November in der Diskothek Gotham.

Polizist greift Polizisten an und muss vor Gericht

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht zum 13. November in der Diskothek Gotham.
Foto: Anouk Antony
Lokales 2 Min. 24.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Polizist greift Polizisten an und muss vor Gericht

Wohl aus Eifersucht und Frust hatte ein Polizist in der Nacht zum 13. November einen weiteren Beamten angegriffen. Nun musste er sich vor Gericht verantworten. Beide Beamte waren zum Tatzeitpunkt außer Dienst.

(SH) - Die Bilder der Überwachungskameras sind erschreckend: Innerhalb von ein paar Sekunden schlägt ein Mann gleich mehrmals auf einen anderen ein, trifft sein Opfer immer wieder mit Fäusten im Gesicht und fügt ihm im Bereich des rechten Auges schwere Verletzungen zu. Beide Männer sind Polizisten und zum Tatzeitpunkt nicht im Dienst. Seit Dienstag muss sich der Angreifer nun vor Gericht verantworten – wegen schwerer Körperverletzung und wegen Stalkings seiner Ex-Freundin.

So soll die Trennung von der jungen Frau, die der mittlerweile 28-jährige Mann nicht akzeptieren wollte, in der Nacht zum 13. November 2016 in einer Disko in Luxemburg-Limpertsberg Grund für den Angriff auf den neuen Freund der Frau gewesen sein. „Ich war in Rage“, so der Angeklagte.

Er habe sich erst während der zwei Monate, die er in Untersuchungshaft verbrachte, mit den Konsequenzen seines Handelns auseinandergesetzt und sei seither in psychiatrischer Behandlung. Wie die vorsitzende Richterin allerdings gleich zu Beginn der Verhandlung bemerkte, könnten die Folgen weit über die Suspendierung, der der Polizist seit dem Vorfall unterliegt, hinausgehen – und dies nicht nur aus strafrechtlicher Sicht: „Wenn man sich die Bilder anschaut, hat man eine Tendenz zu sagen, dass die einzige Stelle, wo Sie nicht hingehören, die Polizei ist.“ Denn dort sei Selbstbeherrschung notwendig.

Kein Krankenwagen, keine Polizei

Gravierende Folgen hatte der Vorfall auch für das Opfer. Der Mann erlitt nicht nur eine Orbitabodenfraktur unterhalb des rechten Auges, auch Tränenkanal und -sack mussten wiederhergestellt werden. Bis heute würde er alles, was sich in kurzer Entfernung befindet, doppelt sehen. Die bleibenden Schäden konnte eine Gutachterin nicht explizit auf den Vorfall zurückführen. Im Prinzip hätten „alle Verletzungen dazu neigen müssen, auszuheilen“, erklärte sie. Sie betonte aber auch, dass sie lediglich den Stand vom 21. November 2016 – also eine gute Woche nach dem Vorfall – kenne. „Mir fehlen die Befunde von drei Jahren“, so die Gerichtsmedizinerin. Ein Zusatzgutachten könnte demnach erforderlich sein.


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Der Vorfall hatte für das Opfer, das rund 100.000 Euro Schadenersatz beantragte, auch psychologische Folgen, die so weit gingen, dass es seine Waffe abgeben musste. Zwar konnte der Mann vor ein paar Monaten seinen Dienst wieder antreten, allerdings nicht an seinem ehemaligen Posten.

Einig waren sich alle Zeugen, dass es vom Opfer aus zu keiner Provokation gekommen sei und es sich auch nicht gewehrt habe. Einigkeit herrschte auch darüber, dass niemand einen Krankenwagen oder die Polizei verständigte, dies, obwohl der Mann schwer verletzt und mehrere Beamte in dem Nachtclub waren.

Erst nachdem Beamte der Dienststelle am Bahnhof, an der das Opfer arbeitete, privat über den Vorfall informiert worden waren und ein Polizist aus der Hauptstadt das Opfer im Krankenhaus durch Zufall gesehen hatte, wurde die Polizeiinspektion über den Vorfall informiert. Die Ermittlungen konnten ihren Lauf nehmen.

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Der beschuldigte Polizist steht allerdings nicht zum ersten Mal vor Gericht. Erst im Juli dieses Jahres war er – ebenfalls wegen einer Schlägerei – zu einer fünfmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Damals hatte er sich wegen eines Streits zwischen Polizeibeamten und Soldaten im Februar 2016 vor einer Diskothek in Luxemburg-Hollerich verantworten müssen.  

Das Urteil aus erster Instanz ist allerdings noch nicht rechtskräftig: Gegen die Entscheidung wurde Berufung eingelegt.  

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