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Polizist fordert Schadenersatz
Lokales 2 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Polizist fordert Schadenersatz

Die „Kopfschussaffäre von der Maulusmühle“ sorgte im Sommer 2005 für großes Aufsehen.

Polizist fordert Schadenersatz

Die „Kopfschussaffäre von der Maulusmühle“ sorgte im Sommer 2005 für großes Aufsehen.
Teddy Jaans (Archivfoto)
Lokales 2 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Polizist fordert Schadenersatz

Es war ein Fall, der landesweit für Aufsehen sorgte: Am 13. August 2005 machte ein Polizist bei einer nächtlichen Alkoholkontrolle Gebrauch von seiner Schusswaffe und verletzte einen Mann schwer am Kopf. Am Montag befasste sich das Gericht in Diekirch mit einer Schadenersatzklage des betroffenen Polizisten.

Von John Lamberty

Es war ein Fall, der landesweit für Aufsehen sorgte: Am 13. August 2005 war eine nächtliche Alkoholkontrolle zwischen der Maulusmühle und Clerf derart eskaliert, dass ein Polizist von der Schusswaffe Gebrauch machte und den Fahrer, einen damals 46-jährigen Landwirt aus Reuler, in den Kopf schoss und schwer verletzte. Im Folgenden war der Polizist dafür wegen vorsätzlicher Körperverletzung schuldig gesprochen und zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Am Montag nun befasste sich das Gericht in Diekirch mit einer Schadenersatzklage des betroffenen Polizisten.

Zunächst schilderten der zweite, an der Kontrolle beteiligte Polizist und der damals angeschossene Landwirt gestern nochmals, was sich aus ihrer Sicht in der Nacht des 13. August 2005 zugetragen hatte.

Wie bereits beim Prozess im März 2008, erklärte der Beamte dabei, dass sich das offensichtlich angetrunkene Opfer bei besagter Kontrolle jeglichen Aufforderungen der Polizei strikt widersetzt hatte und plötzlich – ohne ersichtlichen Grund – aggressiv und gewalttätig geworden war. Der Kampf, bei dem sie neben dem Gebrauch von Schlagstock und Pfefferspray auch versucht hätten, dem Fahrer Handschellen anzulegen, sei alsdann so eskaliert, dass der Landwirt mit einer geöffneten Handschelle auf seinen Kollegen losgestürmt sei, woraufhin dieser seine Dienstwaffe hochgezogen und den Schuss abgegeben hatte.

Opfer: „Vor Schlag gehütet“

Der dabei schwer am Kopf verletzte Fahrer behauptete derweil erneut, er habe die Kooperation bei der Kontrolle damals abgelehnt, da die Beamten ihm verweigert hätten, seine Frau anzurufen und später gar versucht hätten, ihm Handschellen anzulegen. An schwerwiegende Aggressionen seinerseits konnte sich das Opfer gestern aber nicht mehr erinnern. Vielmehr habe er sich gehütet, irgendjemanden zu schlagen. Tatsächlich hatte der verurteilte Polizist keinerlei körperliche Blessuren davongetragen, wie der Verteidiger des Fahrers, Me Pol Urbany, gestern nochmals betonte.

Der Anwalt des auf Schadenersatz klagenden Polizisten, Me Marc Walch, forderte dennoch u. a. geschätzte 50 000 Euro Entschädigung für Lohnprämien, welche dem Beamten durch seine Versetzung auf einen anderen Posten verlorengingen sowie eine Zahlung für die moralische Schädigung seiner Person und seiner Familie. Durch die völlig unangebrachte Gewalt habe das Opfer schließlich selbst zur Eskalation der Situation beigetragen. Urbany erinnerte seinerseits daran, dass der wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilte Polizist laut Berufungsurteil zu 100 Prozent verantwortlich sei.

Dessen Schadenersatzklage sei denn auch nicht auf moralische Schäden durch Aggressionen des Opfers zurückzuführen, sondern auf Depressionen infolge des selbst verschuldeten Schusses, der fast einen Menschen getötet hatte.

Wie weit durfte wer gehen?

Mit Blick auf eine vermeintliche „Rebellion“ des Opfers, plädierte Urbany auf Freispruch für seinen Mandanten. Die Polizeibeamten hätten keinerlei legale Basis für das Anlegen von Handschellen gehabt, weshalb das Opfer vom Gesetz her klar berechtigt gewesen sei, sich gegen eine Arrestation zur Wehr zu setzen – auch wenn diese sehr heftig ausgefallen sei. Die Maßnahmen des Opfers seien schließlich immer in Proportion zur Gewaltanwendung der Polizisten zu sehen.

Wie Staatsanwalt Jean Bour betonte, gehe es nicht darum, das Opfer nachträglich als Schuldigen hinzustellen, sondern die Verantwortung für entstandene Schäden zu beurteilen. Er fordere jedenfalls eine Haftstrafe und ein Fahrverbot, beides auf Bewährung, sowie eine Geldstrafe. Was die Aggressionen des Opfers angehe, so habe er sein Recht auf Gegenwehr, insofern dies denn im vorliegenden Fall gelte, seines Erachtens in annehmbaren Grenzen auszuüben, wobei dieser aber weit über das Maß hinausgegangen sei. Das Urteil erfolgt am 23. November.